Zonengrenze

Auf dem Weg nach EUROPA - Zoll und Grenze im Wandel der Zeit

„Hier ist die Grenze - mache ich einen Schritt weiter - bin ich woanders, oder ich sterbe.“                                      (aus „Der schwebende Schritt des Storches“ Angelopoulos)

Es war der Sohn eines Zöllner aus Braunau am Inn in Österreich, der die ganze Welt zum Brennen brachte. Sein Vater hatte als Kind einer Bauernmagd seine Laufbahn bei der Finanzbehörde als sozialen Aufstieg empfunden. Sein Sohn jedoch versagte - er war das Sorgenkind der Familie; er  musste die Realschule in Linz wegen Nichtkönnen verlassen; er versuchte sich als Malerlehrling; er arbeitete am Bau; seine Kumpels verlachten und verhöhnten ihn; er musste sich immer wieder verstecken.

NICHT SEIN UNVERMÖGEN, SONDERN DIE NIEDERTARCHT DER JUDEN WAR SCHULD, DASS IHM DER WEG NACH OBEN VERBAUT WURDE. (Zitat eines Parteigenossen)

Das war der Ursprung des Übels, das schließlich „sein“ Volk ausbaden musste.

Der kleine Gefreiter des ersten Weltkrieges fühlte sich bewogen und berufen, eine starke Wehrmacht aufzubauen und Heer, Marine und Luftwaffe zu befehligen. Er schickte seine ihm getreuen Männer und Frauen in den Tod und mordete Millionen von Menschen in weiten Teilen der Welt. Er wollte ein Deutschland über alles und ließ Schutt und Asche und viele Trümmer zurück.

Die Politik der Sieger hat eine rote Linie durch das große deutsche Reich gezogen - die Oder-Neiße-Linie, eine neue Grenze. Auf Schloss Liwadia unweit von Jalta auf der Krim, wo noch vor Monaten deutsche Offiziere in Galauniformen prominierten und dinierten, sagte Stalin am 04. Februar 1945 in aller Ruhe: „Dann wollen wir den Krieg lieber noch etwas länger dauern lassen, damit Polen sich auf Kosten Deutschlands schadlos halte. Ich bin dafür, die polnische Westgrenze an die Neiße zu verlegen.“ -  „Welch ein Jammer,“ sagt oder denkt der englische Premier Winston Chirchill, an seiner Zigarre ziehend, „dann wird ja der Osten das ganze reiche Schlesien bekommen. Wenn man die polnische Gans derart mit deutschem Futter vollstopft,   wird sie an Verdauungsstörungen leiden.“

Der russische Diktator bekam seinen Willen. Seine Armeen besetzten auch die Teile Deutschlands,die eigentlich die Alliierten erobert hatten. Dabei wurde die Hauptstadt Berlin eine „Insel in der SBZ“. Und wo blieb das Völkerrecht von wegen „Verschiebung der Grenzen geht nicht“? Die „Führer“ waren tot, die Braunen wurden entnazifiziert, und drei Jahre später ging man zur Tagesordnung über - die „Straf- und Bußzeit der Deutschen“ war zu Ende. Im Westen wurden die amerikanischen, französischen und englischen Zonen zusammengeschlossen, der wirtschaftliche Aufschwung begann. Es bildete sich das Ersatzdeutschland „Bundesrepublik“ mit der Hauptstadt Bonn. Im Osten wurde die Demokratische Republik, die DDR, gegründet. Nein, nein, nicht im ganzen Osten, nur bis zur Oder und Neiße. Dahinter, Pommern und Westpreußen und Schlesien, das nahmen sich die Polen - und noch weiter nach Osten, was ehemals Polen war und das eh und je deutsche Ostpreußen, das bekamen die Russen. Völkerrecht ? ? ?  Das Recht ist bei den Stärkeren  ! ! !

Mitten durch Deutschland - der gepflügte Grenzstreifen = 1381 km lang, 10 m breit, mit einer Grepo-Streife

Der „Eiserne Vorhang“ zwischen Ost und West war herabgefallen, es gab nun eine neue Grenze - die Demarkationslinie zwischen Deutschland und Deutschland. Es gab zwei deutsche Staaten, die sich immer mehr von einanderfort entwickelten und deren offizielle Kreise sich bald nichts mehr zu sagen hatten. Die Politiker sprachen deutsch und verstanden sich nicht. Die Grenze zerschnitt nicht nur das Herz Deutschlands, sondern trennte auch Brüder und Schwestern, Mütter und Söhne, Verwandte und Bekannte, Deutsche und Deutsche.

Und weil in den beiden deutschen Staaten zwei verschiedene Währungen eingeführt wurden, wurde die innerdeutsche Grenze auch eine Wirtschaftsgrenze. Auch wenn sich die westdeutschen Stellen dagegen wehrten, die Grenze offiziell als Zollgrenze (nach dem Zollgesetz war sie es auch nicht) zu benennen, so musste doch der Warenverkehr von hüben nach drüben und umgekehrt überwacht werden. Welche Behörde war wohl besser für eine solche Aufgabe geeignet als der Zoll?

Überall an der Demarkationslinie wurden daher Zollstationen eingerichtet. In größeren Orten übernahm die Zollverwaltung Räume der früheren Wehrmacht oder mietete geeignete Zimmer für die Zollkommissariate an. Oft waren das nur kleine Büros, in denen der Chef und ein Schreiber Dienst verrichteten. Eilig wurden in abgelegenen Gebieten Baracken gebaut, oft ohne Strom- und Wasseranschluß, Unterkünfte für die Zöllner. Die Grenzaufsichtsstellen nach dem Muster der internationalen Grenzen schossen wie Pilze aus dem Boden - für die Einwohner der Dörfer und Gemeinden etwas ganz Neues, Unbekanntes. Der Dienstkasten war meistens in einem Stall oder sonstigem Nebengebäude untergebracht. Für das sogenannte Zonengrenzgebiet gab es einen Vorteil: die Kaufkraft der Zöllner belebte das Gewerbe und viele Töchter wurden Zollbeamtenfrauen.

Die Aufgabe des Zolls war vor allem die Überwachung und Kontrolle des Warenverkehrs an der 1.381 km langen innerdeutschen Grenze. Was wurde nicht alles auf Schleichwegen hin- und hergebracht. Im Sinne des Zollrechts war das kein Schmuggeln, aber es war ein Verbringen von Waren von einem Währungsgebiet in das andere, und das musste von staatswegen geregelt werden.

Eine solche Zollstelle war die Grenzaufsichtsstelle WIRL, mitten im Wald gelegen

Wasser konnte vom benachbarten Förster geholt werden.                                                                                                                              Eine elektrische Stromversorgung bauten die Zöllner selber.

Die Personen, die über die Demarkationslinie kamen, waren weniger interessant. Sie kamen und gingen, einige blieben, einige verschwanden und kamen nie wieder. Aber das sollte bald anders werden. Das Ulbricht-Regime entpuppte sich als ein Diktatorenstaat russischer, sowjetischer Prägung. Während im Westen die Wirtschaft aufblühte, wurde der Osten ausgeblutet. Die Misere, die im Innern der Sowjetzone und der folgenden DDR ausbrach hatte zur Folge, dass viele der Einwohner Sachsens, Thüringens, Brandenburgs oder Mecklenburgs „auswanderten“. Das erkannten die Machthaber drüben sehr schnell. Sie erließen 1952 eine Ermächtigungsverordnung, in der die Abriegelung der DDR und die Errichtung einer Sperrzone befohlen wurde. Damit war der letztmögliche Kontakt zwischen der Grenzbevölkerung abgebrochen. Gemeinsame „Klönstunden“ oder „Grenzgänge“ der westdeutschen Zöllner und der ostzonalen Grenzer durften und konnten nicht mehr stattfinden.

Rigoros begann der Polizeistaat  seine Bürger in ein Gefängnis zu zerren. Für viele zunächt unbemerkt, denn mit flotten Sprüchen im Rundfunk und auf  überdimensionalen Tafeln wurde Fortschritt und Aufschwung prophezeit.Systematisch wurde auch die Grenze befestigt. Im bayrischen Wald, durch den Harz, durchs Wendland, entlang der Elbe, entlang von Niedersachsen und Schleswig-Holstein bis hinauf zur Halbinsel Priwall bei Travemünde-Lübeck pflügten und eggten  die Soldaten der Volksarmee 10 m breite Streifen - verwandelten insgesamt 1381 Hektar Grund und Boden in Niemandsland. Dahinter ein Stacheldrahtzaun, dazwischen schwarz-rot-goldene Grenzpfähle. Der „Kontrollstreifen“ ließ jede Fußspur erkennen, das Hin und Her der Grenzgänger vereiteln.

Hatten die Grenzer von beiden Seiten sich bis dato gut verstanden, -  z.T. waren sie ja Kriegskameraden, waren gemeinsam beim Barras gewesen - , so sollte auch das bald anders werden. Die Grenzposten der zonalen Polizei wurden verjüngt, sie durften sich nicht mehr mit den Zöllnern treffen, geschweige denn unterhalten. Ihnen wurde eingeschärft, die Westlichen seien die Kriegstreiber Bonns und die Militaristen der Amis. Grüße wurden seit dem nicht mehr beantwortet - nur ab und zu noch, wenn die beiden einer GrePo-Streife sich einig waren und wenn sie sich unbeobachtet wussten, kam noch ein Gespräch auf Distanz über den Streifen zustande. Manchmal hob auch nur einer der Beiden verstohlen einen Finger zum Gruß - der „Kamerad“ könnte ein Spitzel sein.

Unter den GrePos waren aber auch aufgeweckte Kerle, die ihr Regime längst durchschaut hatten, die nicht mehr alles glaubten, was ihnen bei der FDJ oder vom Parteioffizier vorgegaukelt wurde. Sie wollten mehr wissen und nutzten jede Gelegenheit zu einem Gespräch. Das war sehr gefährlich. Sie wussten, es könnte der Knast bedeuten oder gar das Leben kosten.  Sie berichteten von sich und ihrer Not, vom ganzen Elend des Ulbrichtstaates und von der Verzweiflung und Entmutigung einzelner. Wie nichtig war doch dieser Dienst, diese Wachen an der unnatürlichen Trennlinie zwischen Deutschland und Deutschland.

Grepos, Vopos, Angehörige der NVA - sie pflügen den Streifen, sie bauen den Zaun, sie kontrollieren die Grenze

Am 05. März 1953 tickerten die Fernschreiber unaufhörlich. Die spärlichen Telefonleitungen entlang der Zonengrenze liefen heiß. Zollsekretär Karter vom ZGKom Gartow forderte eine BMW-Beiwagen-Maschine von der GASt (mot) Gartow an und jagte über die noch schneebedeckte Straße, über den vereisten Sandweg durch den Gartower Wald bis zur GASt Wirl/Prezelle. Hier wohnten sechsundzwanzig Zöllner, meist Junggesellen, in zwei Baracken. Telefon gab es nicht, Strom wurde durch ein eigenes Aggregat in eine Batterieanlage gespeichert. Sparsam musste  man damit umgehen. Wasser wurde vom nahegelegenen Försterhaus-Brunnen geholt.

Der Auftrag Karters: sämtliche Bedienstete der GASt, und nicht nur in Wirl, waren in höchster Alarmbereitschaft zu setzen. Stalin war tot. Niemand wusste, was jetzt an der Grenze passieren könnte.

Als ZS Winkler und ZAss Bayer an diesem Nachmittag, bewaffnet nur mit je einer einfachen Pistole und einem Karabiner, der abwechselnd getragen wurde, von Punkt zu Punkt ihren Streifenweg durch den winterlichen Wirlerwald absolvierten, trauten sie ihren Augen nicht, als sie in die Nähe des gepflügten Grenzstreifens kamen. Drüben, nur wenige Meter entfernt, lugten aus den Waldschneisen grünolive oder blanke mit Ästen,  Sträuchern oder Netzen getarnte Kanonenrohre hervor. Panzer der Sowjets waren in Stellung gegangen. Dazwischen, daneben - überall gepanzerte und bewaffnte Fahrzeuge der Volksarmee.

Nur Menschen fehlten - sie beobachteten sicherlich durch ihre Schießscharten oder aus sicherer Entfernung alle Bewegungen an der „feindlichen“ Front. Was mögen sie wohl gedacht haben, als die beiden Zöllner wie gewöhnlich und ohne „Kriegsausrüstung“ im Blickfeld ihrer Ferngläser erschienen? Vieleicht waren ja auch schon mehr solcher harmlosen Streifen vorbeigekommen, oder an dieser oder jener Stelle ein Fahrzeug des Bundesgrenzschutzes - angelockt durch den Aufmarsch im Osten.

Landwirtschaft = LPG oder Private - Arbeiten im Grenzgebiet wurden bewacht.

Wie unsinnig und aufgabenfremd der Dienst der Zollbeamten am Stacheldraht geworden war beweist die Tatsache, daß die Abriegelung des Sperrgebietes durch die zonale Grenzpolizei immer perfekter wurde. Immer kompakter, immer raffinierter wurden die Befestigungen und Bewachungen. Entlang des Grenze wurde eine 500 m breite Sperrzone eingerichtet - niemand durfte hier ohne Bewachung verkehren. Sogar die Bauern - die Arbeiter der Landwirtschaftlichen Produktions Genossenschaften = LPG - standen unter strengster Kontrolle, wenn sie in der Sperrzone die Felder bewirtschafteten. In einer Zone von fünf Kilometern entlang der Trennlinie waren nur Personen mit besonderem Ausweis zugelassen. Viele Bewohner mußten von hier wegziehen, weil sie sich irgendwie „staatsfeindlich“ verhalten hatten.

Es war kein Durchkommen mehr, für Menschen nicht und für Waren gleich welcher Art erst recht nicht. Wer wollte auch deswegen wohl harte Strafen riskieren? Der Handel war fast zum Erliegen gekommen - nur der Transitverkehr zwischen den osteuropäischen Staaten und dem Westen sowie der Versorgungsverkehr nach Berlin wurden aufrechterhalten. Dafür standen 19 Übergänge zur Verfügung, davon einige ausschließlich für den Berlinverkehr. An diesen Stellen wurde der Personenverkehr durch den Paßkontrolldienst, später Bundesgrenzschutz, und der Warenverkehr vom Zollinnendienst überwacht.

Bezeichnend:

ein Hinweis kurz vor der Zonengrenze

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Am Grenzübergang Slutup auf der Straße Lübeck - Wismar dieser Stein: der Ortsname wurde geteilt und ergab die Aufforderung “Slut Up” = “Schließe auf”.

Es dauerte Wochen, bis sich das Bild drüben normalisierte. Und dann - plötzlich waren sie wieder da. Noch bedrohlicher, noch unverhohlener stellten sie ihre Machtmaschinen zur Schau. In der Nacht zum 18. Juni 1953 war dann auch an der westdeutschen Seite alles in Alarmbereitschaft - jetzt ließen sich sogar die Alliierten sehen, die zu der Zeit ebenfalls an der Zonengrenze Patrollie fuhren.

Was war los ? ? ?  In Berlin hatten die Roten einen Aufstand niedergeschlagen, mit Panzer gegen Steine. In ganz Ostdeutschland brodelte der Unwille des Volkes. Es floss Blut, zu viel Blut, und nur deswegen mussten die aufgebrachten Unterdrückten aufgeben, nur deswegen konnten Panzer und Maschinengewehre einen Sieg verkünden.

Panzer rollten durch Berlin und schlugen die DEMO nieder, dafür erhielten die Russen Blumen als Dankeschön! Später wurden Gedenkstätten errichtet. Nach Ergebnissen des Projekts Die Toten des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953 sind 55 Todesopfer durch Quellen belegt. Etwa 20 weitere Todesfälle sind ungeklärt.

Der Zollgrenzdienst entlang des Kontrollstreifens hatte damit seine eigentliche Funktion beendet. Doch der Zoll blieb präsent. Die Zollbeamten beobachteten nun lediglich die Bewegungen jenseits des Stacheldrahtes; zählten und notierten die Streifen der „Deutschen Grenzpolizei“, die durch die „Nationale Volksarmee“ = NVA verstärkt wurden;  meldeten besondere Vorkommnisse wie den Neubau von Beobachtungstürmen, Ansammlung von stärkeren Verbänden, Fluchtversuche u.ä.; sie berichteten über den Fortgang der Abholzungsarbeiten zum Zwecke der Sicht- und Schußfreiheit entlang des Trennstreifens, über die Anlegung des Stacheldrahtverhaus, der Minenfelder, der Selbstschußanlagen, der elektro-geladenen meterhohen Drahtzäune, der hölzernen Sichtblenden vor bebauten Grundstücken, der Schikanierung der arbeitenden Männer und Frauen in Grenznähe.  Sie halfen den Flüchtlingen, wenn sie den Sprung in die Freiheit wagten. Sie hielten die schießenden GrePos in Schach, wenn es um das Leben eines Menschen ging.

Eine Mauer wird gebaut

Berlin, den 13. August 1961. Die Menschheit in Ost und West horchte auf, als die Stimme Karl Eduard von Schnitzler's triumphierend im Sender der DDR verkündete, dass die Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik nun noch besser geschützt werde gegen den Imperialismus, Kapitalismus und Militarismus der westlichen Kräfte. Seit dem Morgengrauen seien freiwillige Männer und Frauen aus den Brigaden und Betriebskampfgruppen dabei, eine Mauer durch Berlin zu bauen. (siehe Bild oben!)

Dabei hatte doch Ulbricht selbst noch vor wenigen Tagen lauthaus verkündet: wer behaupte, in und um Berlin werde eine Mauer gebaut, sei ein Hetzer und Lügner und wolle nur die sozialistische Arbeiterbewegung und den Aufschwung in Mißkredit bringen.

 Zonengrenze, den 13. August 1961. An der gesamten Zonengrenze begann ein emsiges Treiben. Arbeitskolonnen weit aus des Landesinnern herbeigekarrt, Soldaten und Zivilisten, Männer und Frauen, Jugendliche und alte Menschen wurden zum Arbeitseinsatz an die „Westfront“ geschickt. Noch breiter wurde der Kontrollstreifen, noch höher wurden die Zäune und Bretterverhaue, noch mehr Holz musste fallen für ein breites Schußfeld.

Wieder einmal waren es die Zöllner, die das „Schauspiel“ aus nächster Nähe beobachteten. Sie wurden verstärkt durch Abordnungen von der internationalen Grenze - die Reihen, die sich schon merklich gelichtet hatten, wurden wieder aufgefüllt. Die Quartiere in den Baracken und neueingerichteten Gemeinschaftswohnhäusern reichten oft zur Unterbringung der Kollegen von der echten Zollgrenze nicht aus. Täglich standen sie, bei Tag und bei Nacht, werktags und sonntags am „Eisernen Vorhang“ - ob in der Hitze des Sommers oder bei klirrendem Frost im Winter, bei Regen und Sturm im Herbst genau so wie an den milden Tagen des Früglings. Auf der Insel Priwall waren sie nebenbei auch noch Auskunftsmänner für die vielen Urlauber, die dort an der Ostsee zelteten und badeten. Am Ratzeburger See haben sie ihren Ärger mit den Segel- und Motorbooten, die nur wenige Meter von der SBZ ankern. An der Wurmbergschanze bei Braunlage im Harz stehen sie im Auslauf, um die Skispringer vor einem Übergleiten in die Zone zu schützen. Im Drömling, im Werratal, im Harz, überall haben sie Augen und Ohren geöffnet und sind erschüttert über das Treiben an der anderen Seite.  Im bayrischen Wald werden sie unterstützt durch die Bayrische Grenzpolizei, in Berlin stehen sie Seite an Seite mit der Berliner Schutzpolizei an der Mauer und am Ring um Berlin. Einheiten des Bundesgrenzschutzes stehen überall bereit - sie werden hauptsächlich bei besonderen Anlässen und an Brennpunkten nach Vorne geschickt.  siehe die Bundespolizei

Zwischen Brochthausen-Zwinge und Rothenbergshaus wurde der Wald (gehörte ursprünglich Bauern aus Brochthausen) unter Aufsicht von Grepos von Frauen, Jugendlichen und alten Männern abgeholzt, um ein größeres Sicht- und Schussfeld zu bekommen. Sogar der Bundeskanzler schaute zu.

In diesem Zollhaus in Rothenbergshaus wohnten zeitweise bis zu 30 Zöllner, meist abgeordnet und abgezogen  von der Westgrenze

Ein Vorfall wurde von den Zöllnern beobachtet: der junge Mann (mitte) hatte mit seiner Oma (wohnte an der Westseite) gesprochen und wurde daraufhin von den Grepos abgeführt. War hüben nicht auch Deutschland?

Es war Mitte Februar, als jenseits der Grenze eines Morgens die sonst so herrliche Stille unterbrochen wurde. ZAss Milder  kam mit ZS Kalle und seinem REX gerade aus dem Nachtdienst - sechs Stunden, die schlauchen, sag' ich dir - als drüben die Trecker bis an den Todesstreifen fuhren. Wollten die abhauen?? O nein, sie wurden bewacht von unzähligen Grenzsoldaten, die ihre Mpis in Anschlag trugen. Auf den Anhängern saßen Männer und Frauen. Es dauerte nicht lange, da kreischten die Sägen - ein Wald wurde abgeholzt, um ein besseres Sicht- und Schussfeld zu bekommen

Für die Zollbeamten war der stupide Dienst vorbei. Jeden Tag mussten sie jetzt am Todesstreifen stehen und zusehen, wie immer mehr Holz zu Boden fiel. Alles wurde einfach verbrannt. Dem Bürgermeister von Brochthausen, er stand eines Nachmittags neben uns, liefen die Tränen über die Wangen.

„Das Land drüben ist grundbuchmäßig mein Besitz. Vor dem Krieg habe ich meinem Vater geholfen, die Fichten und Kiefern anzupflanzen, und das jetzt ......“.

Eines Tages - es nieselte einwenig,- trat ein junger Mann drüben ganz dicht an den Zaun. Neben uns stand eine alte Frau, ihr Gesicht in ein  Kopftuch gehüllt. Sie sprach mit dem Jungen, er war kaum 14 Jahre alt. Plötzlich schlug er wie wild auf die Äste ein. Auch er hatte gesehen, dass die Bewacher telefonierten. Sie hatten ja überall im Gelände ihre Telefon-Steckdosen, um schnell mit der Kommandantur verbunden zu sein. Es dauerte nur wenige Minuten, bis ein Kastenwagen anrollte. Zwei Polizisten schnappten den Jungen und führten ihn ab. - Die Oma des Jungen winkte ihm mit einem bunten Tuch nach - er hat es nicht gesehn.

 Ein anderes Mal beobachteten wir den Abtransport der langen Holzstämme. Ein Fuhrmann, er führte einen strammen Belgier, warf  einen Stein über den Zaun, den wir vorsichtig aufnahmen. Ein Zettel war darum gewickelt. „Ich komme“ stand darauf. Tag um Tag warteten wir, immer bereit, dem Flüchtenden Feuerschutz  zugeben. Nach fünf Tagen war er nicht mehr da.

Aufgegeben? Verraten?

Oft standen wir  in Brochthausen am Schlagbaum, einer Wegsperre. Auf dem Schild stand: Halt Zonengrenze. Drüben verhinderte ein Bretterzaun die Sicht in das Dorf Zwinge. Dort war auch eine Molkerei (sie wurde 1972 abgebrochen). Die Straße dorthin war aufgerissen, auch die Eisenbahnschienen entfernt. Eine traurige Grenze!  Da war man froh, endlich nach 12 Wochen wieder an der Westgrenze den zöllnerischen Aufgaben nachgehen zu können.

An der Elbe

Von Schnackenburg bis Lauenburg war die Elbe ein vielbefahrene Wasserstraße. In der Mitte verlief die Zonengrenze - 86 km lang.

Bis zum Jahre 1949 war für die Kontrolle des Schiffsverkehrs auf der Elbe die britische Binnenschiffahrtsabteilung der Kontrollkommission (IWT) tätig. Ihr Sitz war Schnackenburg. Dann übenahm der Grenzzolldienst diese Aufgabe. Zollschiffsstationen in Schnackenburg, Hitzacker und Hohnstorf , später noch Bleckede, wurden eingerichtet.Der Bootspark von anfangs sieben stieg auf 17 Fahrzeuge. Sie waren nach Bauart und Geschwindigkeit verschieden konstruiert und mussten  den Gegebenheiten auf der Elbe, vor allem den schnellen Grenzsicherungsboote der DDR, angepasst werden.

Die Dienststellen an der Elbe waren angewiesen, Handelsschiffe der DDR bei den Grenzkontrollstellen zu registrieren und zu kontrollieren. Streifenboote der DDR-Grenzüberwachungsorgane waren stillschweigend zu dulden. Sie durften auf dem südlichen Fahrwasser jedoch keinerlei Amtshandlungen und auf dem nördlichen Fahrwasser nur solche bei DDR-Schiffen, allenfalls auch bei tschechischen Binnenschiffen vornehmen. Von Kontrollen der DDR-Streifenboote und der zwischen der DDR und den rechtselbischen Häfen Boizenburg und Dömitz verkehrenden Frachtschiffe sollte abgesehen werden.

Und jetzt noch einige Vorkommnisse auf der Elbe   (aus den Akten der OFD Hannover)

1949:     Streifenboote der DDR borden ostdeutsche Schiffe

ab 1950:  Die Boote der DDR kontrollieren auch in der Bundesrepublik beheimatete Schiffe,  wodurch es zu zahlreichen schweren Zwischenfällen auf der Elbe kommt. Die Übergriffe werden später aufgrund des entschlossenen Eingreifens der Grenzzolldienstbeamten wieder eingestellt.

1954:      Zwei Jungen im Alter von 12 und 14 Jahren aus der Stadt Lenzen nutzen die zugefrorene Elbe und gehen über das Eis zu Verwandten in Pevestorf/Elbe am Höhbeck.  Ihre Anwesenheit wird von den Zollbeamten der GAST Pevestorf nicht bemerkt. Am nächsten Tag gehen sie über das Eis zurück. In Lenzen werden sie auf das Polizeiamt gerufen - dort hatte man ihren „Grenzgang“ sehr wohl beobachtet.  Einer dieser Jungen war nach der Wende einer der ersten  Fährmänner auf der Fähre „Lenzen - Pevestorf“.

1963:      Am 3.4.1963  nahm ein Zollboot ein Floß mit 10 Flüchtlingen in der Mitte der Elbe in Schlepp und brachte es an das Ufer der Bundesrepublik.

Die Behörden der DDR bringen ab 1963 bei Kontaktgesprächen zum Ausdruck, dass nach Ihrer Auffassung nicht die Niedrigwasserlinie am rechten Elbufer die Westgrenze zur DDR darstelle, sondern die DL in der Mitte des Stromes verlaufe und die wechselnde Fahrrinne als internationales Gewässer anzusehen sei Dementsprechend wird nun häufig versucht, die Zollboote von der rechten Hälfte der Elbe abzudrängen. Dabei werden auch Waffen eingesetzt bzw. wird Waffengebrauch angedroht.  Flucht eines VoPo-Soldaten mit einem Polizeiboot am 20.Juli 1963

Mehrfach werden bereits in der Elbe schwimmende Flüchtlinge beschossen und Wassersportler festgenommen, die von den Booten der DDR-GrTr auf der rechten Stromhälfte angetroffen werden.

1965/66:  In diesen Jahren werden die bundesdeutschen Vermessungsschiffe , die Quer- und Längspeilungen auf der Elbe durchführen, sowie der Bagger in ihrer Tätigkeit durch die DDR-Grenztruppen stark behindert (Beschuß der Schiffe,  Festnahme der Besatzungen u.a.)

Im Oktober 1966 erzwingen zwei Pontons, drei Pionierboote des Bundesgrenzschutzes und sieben Zollboote mit britischer Unterstützung die Fortführung der Peilarbeiten des Vermessungsschiffes „Kugelbake“ bei Gorleben.

1972: Insbesondere seit dem Inkrafttreten des Verkehrsvertrages ist außer einer manchmal aggressiven Fahrweise der Boote der DDR-GrTr ein merklicher Rückgang der Zwischenfälle auf der Elbe zu verzeichnen.

1974: Am 31. 03. 1974  kenterte ein mit drei Erwachsenen und vier Kindern besetztes Fischerboot auf der Elbe bei Walmsberg.  Die Besatzung des Zollbootes „Zoll 3“ gelang es, sechs Insassen des Fischerbootes aus dem Wasser zu ziehen und vor dem Ertrinken zu retten.

1987:   Juni bis November:  Sprengung der ehemaligen Eisenbahnbrücke Dömitz  durch die DDR.

1988:  Nachdem ein DDR-Bürger am 15.09.1988 die Elbe durchschwommen und das Bundesgebiet erreicht hatte, wurde er von Angehörigen der DDR-Grenztruppen beschossen und von einer Kugel in die Brust getroffen.

Die Stadt Lenzen im Osten  und die Gemeinde Pevestorf (jetzt Höhbeck) im Westen waren ursprünglich freundschaftlich, auch familiär, eng verbunden. Seit 1949 wurde die Fährverbindung eingestellt. 40 Jahre waren die Menschen getrennt. Erst im Dezember 1989 legte wieder das erste Fährboot in Lenzen an. Seit dem ist die Fährverbindung wieder normal.

Das war für die Leute in Lenzen und umzu ein Freudentag!

Dezember 1989. In Gartow wird ein Schiff geschartert. Die überschäumende Freude der Bevölkerung in Lenzen und Umgebung war „grenzenlos“. Ununterbrochen mußte das Schiff auf der früheren Fährroute nach Pevestorf hin und her fahren. Übervoll war das Schiff jedesmal. Auf einem Plakat war zu lesen: „Erst das Volk und dann die Partei“. Nach 40 Jahren gab es endlich ein Wiedersehen mit den Menschen in den Dörfern rund um den Höhbeck.

Die tausendjährige Eiche ist eine Attraktion im Grenzgebiet (Elbholz bei Gartow)

LENZEN - aus Richtung Höhbeck

Natur pur - das Elbholz in der Elbaue gehört zur Grafschaft Gartow

Auf dem Deich bei Pevestorf eine Zollbude

Die Funktürme auf dem Höhbeck

Die Fähre Pevestorf (Höhbeck) - Lenzen

Viel Verkehr auf der Elbe

Weiter nördlich war die Straßenbrücke bei Dömitz zerstört. Sie wurde inzwischen wieder aufgebaut.

Flucht eines VoPo-Soldaten mit einem Polizeiboot am 20.Juli 1963

Der nördlichste Zipfel der Zonengrenze war besonders gefährlich. Hier übten die Zöllner nicht nur die Grenzaufsicht aus, sondern sie waren auch Auskunftspersonen für die vielen Urlauber und Sonnenhungrige, die hier auf Priwall, einer Halbinsel bei Lübeck, einige schöne Tage verbrachten. Direkt an der Ostsee, die Grenze verlief nur wenige Meter von der Küste und dem Badestrand entfernt.  

Das Ende - die Wende

Wer in den ersten Tagen der Grenzöffnung nicht dabei war, kann auch nicht ermessen, wie froh und glücklich die Menschen drüben waren, als sie endlich „befreit“ aufatmen konnten.  Leider hat sich diese Freude bei einigen Bewohnern des Ostens nicht lange gehalten. Sie hatten zu sehr gehofft, dass das, was in der Bundesrepublik in 40  Jahren hart erarbeitet und aufgebaut wurde, in ihrem Land sofort Wirklichkeit werden würde.

                                         „Blühende Landschaften“ entstehen nicht von heute auf morgen, auch Blüten wollen wachsen.

Der Aufbau Ost braucht eben Zeit - aber es geht aufwärts.  weiter: Geschichten von der Zonengrenze

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ENDLICH!     Es ist geschafft.

Diese Homepage ist nun auch als Buch mit dem Titel

ZOLL UND GRENZE IM WANDEL DER ZEIT  

erschienen. Es hat die ISBN Nr. 9783 8370 9550 0, hat 424 Seiten, davon 45 farbig

und kostet 32,80 €.

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Johann Beerens Freier Journalist und Buchautor
Am Ehrenmal 1 26802 Moormerla nd-Tergast

Ich habe gestern mein Buch Nr. 124605 zum Druck freigegeben. Nun erscheint auf meinem Desktop im Hintergrun d das Cover des Buches groß, aber fast unlasbar. Das muss da wieder weg. Wie mache ich das?

Mit freundliche n Grüßen

Johanna Beerens, Tergast

jbtergast@t-online.de