![]() |
![]() |
||||||||||||||||||||||||||
![]() |
![]() |
![]() |
|||||||||||||||||||||||||
![]() |
|||||||||||||||||||||||||||
![]() |
|||||||||||||||||||||||||||
![]() |
|||||||||||||||||||||||||||
![]() |
![]() |
||||||||||||||||||||||||||
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
||||||||||||||||||||||||
|
Auf dem Weg nach EUROPA - Zoll und Grenze im Wandel der Zeit |
|||||||||||||||||||||||||||
|
Auch im Mittelalter gab es den Zoll |
|||||||||||||||||||||||||||
|
Krummsteert, Thaler, Stüber, Schap, Gulden - wer kennt sich da schon aus in dem Durcheinander und der Vielzahl der Zahlungsmittel im 15. bis 18. Jahrhundert. Es ist daher angebracht, bevor über die Zollstationen und über die Zolleinnahmen berichtet wird, zunächst einmal die Währungen der damaligen Zeit zu erläutern. Das wird nicht einfach sein, denn die Quellen geben oft verschiedene oder gar gegensätzliche Kurse und Werte an. Münzen gab es schon vor Christi Geburt. Vor allem in Kleinasien und später im römischen Reich wurde die Münze als Zahlungsmittel benutzt. siehe auch: ZOLL IN DER ANTIKE Es gab Gold-, Silber- und Kupfermünzen, oft mit Porträts der Herrscher und Cäsaren. Später wurde das Münzrecht von deutschen Kaisern und Königen ausgeübt, die die Rechte wiederum an Bischöfe und Landesfürsten weitergaben. So verlieh Kaiser Otto I. schon im 10. Jahrhundert das Zoll- und Münzrecht an den Abt des Klosters zu Corvey. Um 122o fordert König Friedrich II. den Bischof von Osnabrück auf, die Ravensberger nicht im Besitz des Zolls und der Münze zu stören. 1224 überträgt er der Gattin des Grafen Otto von Ravensberg, Sophie von Ravensberg, Zoll und Münze zu Haselünne. Dieses Recht ging 1252 an den Bischofssitz in Münster über. Auch in Emden wurden schon Mitte des 11. Jahrhunderts Silberdenare für den Handel mit den Ostseehäfen geprägt. Im Jahre 1497 ist noch in den Amtsrentei-Rechnungen die Emder- oder auch emsländische Mark genannt: eine Mark = 12 Schillinge; ein Schilling = 12 Pfennige. Es war wohl die älteste Rechnungsmünze in unserem Gebiet, die jedoch kaum in Umlauf kam. Vielmehr trugen die kursierenden Münzsorten die Benennung wie Goldgulden oder Königsthaler, dicke Thaler, Reichsthaler, Emder Gulden, holländische Gulden oder Riddergulden. Die bekanntesten Untermünzen waren Reichsort, Schilling, Schnaphahn, Schap, Schrickenberger, Krummsteert, Stüber, Siffert und Witter. Überregional gab es Dukaten, Pistolen, Taler, Louisd'or, Batzen, Heller, Kreuzer, Groschen und viele andere Zahlungsmittel. |
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Eine Währung, eine Geldeinheit für ganz Europa? Alles schon mal dagewesen, könnte man in diesem Zusammenhang sagen. Karl der Große wollte schon 794 den Pfennig mit 1,7 Gramm Silber als Europäische Einheitswährung einführen. Doch das Münzrecht, das danach an Fürsten, Bischöfe und Städte als Lehen vergeben wurde, gestaltete sich anders und schuf eben viele verschiedene Münzen, deren Wert dadurch ständig abnahm. Der Pfennig hatte um 1200 nur noch 1 Gramm Silber und um 1500 gar nur mehr 0,1 Gramm Silber. Das Münzgewirr im Mittelalter sollte durch eine Währungsunion beseitigt werden. Doch die Reichsmünzordnung von 1524 bzw. 1559 oder der Dresdener Münzvertrag von 1823 bewirkten nur wenig. Erst als nach der Reichsgründung das Münzgesetz vom 09. Juli 1873 in Kraft trat, wurde die Goldmark für ganz Deutschland die einheitliche Münze. Der Groschen, damals ein Schilling oder 12 Pfennige wert, wurde abgeschafft. Der Name blieb allerdings für die Zehnpfennigstücke erhalten. Die Mark war eigentlich eine Gewichtseinheit. Die Kölner Mark wog z.B. 234 Gramm. Die Zollvereinsstaaten vereinbarten 1838 aus einer Kölner Mark 14 Taler aus reinem Silber zu prägen. In Emden gab es schon im 15. Jahrhundert die Emder Mark, in den Hansestädten Wismar, Lübeck und Hamburg ist im 16. Jahrhundert die Mark als Währungseinheit nachgewiesen. In Ostfriesland und dem Emsland richteten sich die Geldwerte nach dem Stüber aus. So bedeutete ein Goldgulden oder Königsthaler 50 Stüber oder 25 Emder Schap. Der Kurs pendelte auf und ab und wurde erst 1622 mit 56 emsländische Stüber = 28 Emder Schap festgeschrieben. Der Reichsthaler war im Wert etwas niedriger, nämlich 54 Stüber = 27 Schap. |
|
Hier noch einige andere Kurse: 1497 war ein Goldgulden = 38 Krummsteert; 1534 war ein Goldgulden = 32 Schillinge; 1538 war ein Emder Gulden = 20 Schillinge; 1543 war ein Emder Gulden = 16 Schillinge; 1561 war ein Riddergulden = 12 Schap oder 20 Schillinge; ein Thaler = 25 Schillinge; 1582 war ein Thaler = 42 Stüber, ein Stüber = 10 Witte oder 2 Siffert, ein Thaler = 4 Ort, 1 Schap = 20 Witte = 2 Stüber, ein Gulden = 20 Stüber, 20 Goldgulden = 21 Thaler + 22 Schillinge = 16 Mark + 2 Schillinge, 1 Riddergulden = 12 Schap; 1589 war ein Goldgulden = 53 Stüber, ein Emder Gulden = 30 Stüber, ein Reichsthaler = 48 Stüber, ein holländischer Thaler = 40 Stüber; 1627 und später: der schlichte oder schlechte Thaler = 15 Schap, der Thaler = 27 Schap. Es müssen auch noch andere Währungen in Umlauf gewesen bzw. als Zahlungsmittel angenommen worden sein, was der Münzfund von Schapen im Emsland im Jahre 1969 beweist. Dort wurden in einer Tiefe von 50 cm beim Bau eines Hauses 21 Gold- und 359 Silbermünzen entdeckt. Es sind Münzen mit den Prägedaten von 1632 bis 1685. Es waren darunter Exemplare aus den Niederlanden, aus Brabant, aus Belgien, aus Frankreich und aus vielen deutschen Bistümern und Adelshäusern. Da tauchen bekannte Münznamen wie Dukaten, Taler, Ecu = alte französiceh Silbermünze (bis zur Einführung des EURO ist der ECU =Europaen Currency Unit die Währung des EWS), Souverain, Wildemannstaler, Zilveren Rijder, Patagon und Rijksdaalder auf. Bei dem Hin und Her der vielen Söldnerverbände sind die unterschiedlichen Währungen kein Wunder. Warum der Schatz vergraben und nicht wieder abgeholt wurde, ist und bleibt sicher ein Rätsel. |
|
Wieviel nun das Geld wert war, kann sicher an einigen Beispielen klar gemacht werden. 1428 wird ein größeres Stück Roggenland im Altmeppener Marsch für 17 münstersche Schillinge verkauft; 1440 erwirbt jemand ein Stück Land, acht Scheffelsaat groß, für 18 Emsländische Mark. Bei Nienhus sollte ein Verbrecher hingerichtet werden. Weil die Beamten Zweifel hatten, musste noch eine Revision der Akten und zur Sache vorgenommen werden. Der Drost gab zu diesem Anlass ein glänzendes Mahl, bei welchem er selbst, sein Rentmeister, der Richter zu Aschendorf, zwei Rechtsgelehrte, der Scharfrichter und ein Geistlicher zugegen waren - also mindestens sieben Personen. Das ganze Galgenmahl kostete gerade einen Thaler. Auch 1789 konnte man noch viel Land für wenig Geld bekommen. So erhielt Focke Geerts in Völlen ganze 59 Gulden und 17 Stüber für 19 Dagmat Land, das für den Neubau eines Sieles benötigt wurde. Die Ems war seit mehr als 4000 Jahren der Hauptverkehrsweg im Nordwesten des heutigen Deutschlands und der angrenzenden Niederlande - sie wurde sowohl im Sommer als auch im Winter - bei Frost über das Eis - befahren. So konnten mehr und schneller Güter aller Art und sogar Menschen transportiert werden. Viele kleine Nebenflüsse der Ems heißen AA oder EE, wie Westerwoldsche AA, Völlener AA, Accumer EE. An den Mündungen dieser Flüßchen siedelten sich schon sehr früh Menschen an (Boomborg 700 - 500 vor Christi), wohl auch deswegen, weil sie von hier mit ihren Booten weitere Strecken als zu Land zurücklegen konnten. Auch bei dem jetzigen Emden gab es eine AA. Erstmals um 800 ist von einer Handelsniederlassung an der AA-Muhde (Muhde = Mündung) mit dem Namen „Amuthon“ die Rede. Hier wurden zu der Zeit schon Güter von den flußabwärtskommenden Booten auf größere „Seeschiffe“, bzw. von den Seeschiffen für die Weiterfahrt emsaufwärts auf Kähne umgeladen. Im 11. Jahrhundert werden in den „Friesischen Küren“ die königlichen Regalien auch für Emden ausdrücklich erwähnt. Auf alten Karten wird der Name auch Embden oder Eemden wiedergegeben. Der Ort muss besonders für den Seeverkehr sowohl als auch für den Fischfang sehr bedeutend gewesen sein, denn neben dem Münzrecht wurden 1217 auch die Fischereirechte an Emden verfügt. |
|
|
|
Mit dem aufblühenden Handel erhielt Emden schon im 11. Jahrhundert das Münzrecht. Die Münzhoheit, die allein dem Kaiser oder den Königen zustand, wurde damals an die Grafen und geistlichen Würdeträgern übertragen. Die ältesten Münzen tragen den Namen „Amuthon“, was AA-Muhde oder AA-Mündung bedeutet und auf die Prägestation in Emden hinweist. Als Münzherren, d.h. Landesherren dieser Region werden die Grafen von Werl, die Erzbischöfe von Bremen und die Grafen von Calvelage-Ravensberg genannt. Nach dem Tode von Otto von Ravensberg konnten seine Witwe Sophie sowie seine Tochter Jutta, die Frau von Mundelo, ihren Besitz nicht halten und verkauften das Emsland, das damals bis hinauf nach Norden reichte, an den Bischof in Münster, der hier ohnehin schon die geistliche Aufsicht ausübte. Die Emder Münzen wurden nicht nur in den Küstenländern der Nord- und Ostsee, sondern vor allem auch an den Wasserwegen bis Nowgorod gefunden, ein Beweis dafür, daß die Handelsverbindungen bis nach Rußland bestanden. Haupthandelsobjekt waren Pelze, die über Emden an den Niederrhein und nach Flandern verschifft wurden. Handel wurde insbesondere aber mit den Nordseeanrainern betrieben, wobei England eine Vormachtstellung einzuräumen ist. Nachweisbar bestand 1224 in Emden auch eine Zollstation. Nun durften Münz- und Zollrecht nur dahin vergeben werden, wo ein festes Haus vorhanden war. Es ist daher sicher, dass Emden schon früh über ein Steinhaus oder eine Burg verfügte. Dieses dürfte am Ende der Burgstraße mit der Bezeichnung „Olde Münte“ (alte Münze) zu suchen sein. Um 1200 wurde anstelle der Holzkirche eine Backsteinkirche gebaut, so dass anzunehmen ist, dass auch das „feste Haus“ in diesen Jahren errichtet wurde und somit Münz- und Zollrecht vergeben werden konnte. |
|
Die erste Häuptlingsburg wurde um 1300 von „Wiard Droste tho Emetha“ gebaut - wahrscheinlich als Erweiterung des vorhandenen Steinhauses. Diese Burg wählten später die ostfriesischen Landesherren der Familie Cirksena als Residenzsitz. Häuptling Wiard I. Abdena hatte jedenfalls die Aufsicht über die Münz- und Zollstelle. Der Enkel des Wiard war Hisko Abdena, der 1390 Propst und 1400 Häuptling von Emden wurde. Hisko erweiterte die Handelsbeziehungen und versuchte vor allem, die westfälische Wirtschaftsexpansion in die Emsgebiete zu übertragen. Er machte jedoch einen Fehler, indem er zeitweise die Liekedeeler unter Klaus Störtebeker unterstützte und sich damit die Feindschaft der Hanse zuzog. Emden wurde daher auch nie Mitglied der Hanse. Dafür blühte der Handel mit Münster und Westfalen. Zoll und Accise flossen in Hiskos Stadtsäckel. 1412 setzte er sogar den Stapelzwang durch. Zollboote patrollierten auf der Ems und, wenn nicht freiwillig so mit Gewalt, zwangen den gesamten Wasserverkehr in Emden anzuhalten. Drei Tage lang mussten die Schiffer und Kaufleute ihre Waren in der Stadt feilbieten. Nur das, was nicht verkauft wurde, durfte weiter transportiert werden. siehe auch 500 Jahre Zollaufsicht auf der Ems Der Stapelzwang wurde im Jahre 1494 durch Kaiser Maximiliam I. legalisiert, d.h. der Stapelzwang wurde durch das kaiserlich geschützte Stapelrecht ersetzt. Inzwischen war ja Emden zur Hauptstadt der Reichsgrafschaft Ostfriesland geworden, zeitweise auch von den Hamburgern besetzt. Diese ließen, um den Emshandel noch besser kontrollieren zu können, an der Ledamündung die Festung Leerort und an der Jümmermündung die Festung Stickhausen bauen bzw. ausbauen. Viele Kaufleute zogen es in diesen Jahren vor, ihren Sitz an die mittlere oder obere Ems zu verlegen, vor allem nach Emden, um dadurch möglichst viele Abgaben einzusparen. |
|
Der Stapelzwang war den Münsteranern ein Dorn im Auge, zumal Emden ursprünglich dem Bischof von Münster unterstand. Der letzte Häuptling Emdens war Imel Abdena, Propst des Bischofs und Widersacher des Hauses Cirksena. Dieses hatte sich mit den Hamburgern verbündet. Imel wurde hinterlistig auf eine Hamburger Kogge vor Emden gelockt und gefangen genommen. Er starb 1455 in der Gefangenschaft. Gegen das Stapelrecht wehrten sich auch die Groninger Kaufleute. Sie versuchten ebenfalls auszuweichen, wobei es vor Emden auf der Ems des öfteren zu „See“gefechten kam. Um 1480 kam es zwischen den Groningern und dem Bischof Heinrich von Schwarzenberg II. (1466 bis 1496) zu dem besagten Vertrag über den Bau eines Kanals von Heede nach Groningen. Damit sollte das Fahrwasser der Ems verlegt werden, Emden somit umfahren werden können. In der Urkunde, die darüber berichtet, heißt es unter anderem: „... eyne Grafft, de angaen sall by Heede uth de Emese und beneven de Dyckhuse hen na Westerwoldinger Weghe; van dar vort in eyne Beeke geheten de Weyte: un van dar vort na Vlachtwedde bes in de AA by Wedde, twyntich Vote wyt beneden in dem Boden ton mynnesten, und vort boven affgesat na gebore, und also deyp dat de Emese eren Loep das doer heben moge, also dat Scheppe geladen myt Korne, Bottere und andere Gude daer varen moghen ....“ Von der AA wäre es dann möglich gewesen, das Fahrwasser bis Termünten unterhald Delfzijl (damals nur Farmsum) wieder in die Ems zu leiten. Die Groninger sollten entsprechend eine „Grafft“ bis nach Wedde graben, so dass damit eine Verbindung nicht nur in das Münsterland, sondern auch zur Ems und damit zur Nordsee gegeben gewesen wäre. Beide Parteien verpflichteten sich in dem Vertrag, die Kanäle sowohl als auch das neue Flussbett zu gleichen Teilen zu unterhalten und zu schützen. |
|
Selbstverständlich sollten die Schiffe, die die neue Wasserstraße befahren, auch einen Zoll bezahlen. Für die Münsteraner und die Groninger wurde der „halven tollen“ vereinbart. Zugesichert wurde letztlich noch, dass das hinterlassene Gut eines Münsteraners, so er im Groningerland sterben sollte, frei verabfolgt werden könne. Flüchtigen Verbrechern werde kein Schutz gewährt. Ein genialer Plan, doch leider fehlte die Ausführung. Zwar begannen die Emsländer bei Heede 1483 mit dem Ausheben des Kanals. Spuren davon sind noch jetzt im Gelände zu erkennen. Es traten jedoch bald unüberwindliche Schwierigkeiten auf, vor allem konnten die hohen Kosten nicht aufgebracht werden. So musste das euphorisch begonnene Werk unvollendet eingestellt werden. Die Feindseligkeiten zwischen Bischof Heinrich I. von Schwarzenberg und dem friesischen Grafenhaus waren zeitweise so heftig, dass es mehrmals zum offenen Kampf kam, wie an anderer Stelle berichtet. Eine Wende in den Münsterländisch-Ostfriesischen Beziehungen trat erst nach dem Tode von Bischof Heinrich ein. Sein Bruder Konrad II übernahm das Zepter. Dessen erstes Augenmerk war auf die Beilegung des Streites mit Ostfriesland gerichtet. Als erstes veranlasste er eine persönliche Zusammenkunft mit dem Grafen Edzard auf dem Schloss Nienhuis bei Aschendorf. Beim zweiten Treffen in Meppen wurde es offiziell. Im Gefolge Edzards waren Haro und Hicko von Dornum, Ubbo von Uplewart, Viktor Freese, Hilmer van Borsum und mehrere Deputierten der Stadt Emden. Der Bischof wurde begleitet von Graf Everwin von Bentheim, von Ritter Godfried Ketteler und mehreren Domherren. Neben der Aussöhnung stand vor allem das Stapelrecht und die Emsschifffahrt auf der Tagesordnung. Die Einigung sah dann schließlich vor, dass die münsterländischen Schiffe wieder in den Hafen von Emden einlaufen sollten. Acht Tage sollten sie auf den Märkten Michaelis und Mitfasten festmachen und ihre Waren feilbieten. Zu anderer Zeit brauchten sie lediglich drei Tage zu bleiben. Für die nicht verkauften Waren sollte Zoll bezahlt werden, jedoch nur einmal auf dem friesischen Abschnitt der Ems. Den Ostfriesen stand dagegen das Recht zu, auf den münsterländischen Märkten, besonders in Meppen, Haselünne und Friesoythe ihre Waren anzubieten. Als Zolltarif wurde festgelegt: 1 Tonne Butter = ½ Krummsteert; 1 Tonne Roggen = 1 Witter; eine Tonne Gerste die Hälfte; je Tonne Salz, Heringe, Honig = ein Witter; je Pfund Käse, Erbsen und Bohnen = ein Witter; Waagegeld für Käufer und Verkäufer je ein Witter; eine Pipe Öl = 3 Krummsteerte (38 davon waren 1 Goldgulden). Nun hatte Graf Edzard dem Bischof Konrad bei den Verhandlungen auf der Grundlage eines Tracktates aus dem Jahre 1495 versprochen, als Gegenleistung 10.000 Gulden an das Kapitel Münster zu zahlen. Edzard belegte deshalb sein Territorium mit einer „Schattinge“ = Steuer. Die Einnahmen daraus waren so gut, dass nicht nur der Bischof sein Geld bekam, sondern dass auch noch etwas für den Landesschutz übrig blieb. Auch konnten jetzt die fremden seefahrenden Kaufleute zu Wasser und zu Lande besser verteidigt werden. Die Freundschaft zwischen dem Bischof und dem Grafen wurde im Jahr darauf zur Verwandtschaft. Schon einige Male war Konrad II. nach Nienhuis gekommen. In seinem Gefolge seine Schwester, die Prinzessin Elisabeth von Rietberg, sowie die Fürstin von Braunschweig und der Herzog von Mecklenburg. Auf dem Hümmling wurden im Herbst große Treibjagden veranstaltet, zu der auch die Ostfriesischen Grafen eingeladen waren. Glanzvolle Feste ließen die einstigen Feindseligkeiten vergessen. Graf Edzard verliebte sich bei diesen Treffen in das Fräulein von Rietberg. Beninga schreibt: „ ... war tide hefft grave Edzardt myt froichen Elizabeth van dem Redberge in der hilligen Ee verstricket“ - die Hochzeit war am 08. Juli 1498 in Emden - „dar is een schonen hoff van steeckspelen , als dat in de heren hove gewoentlich was, geholden ... „ Steeckspele = Turniere. |
![]() |
|||||
![]() |
![]() |
||||
|
Graf Edzard der Große von Ostfriesland |
||||||||||||||||||||
|
Das Rathaus in Rietberg |
||||||||||||||||||||
|
Die Schwestern Ermengard und Walburga von Rietberg |
||||||||||||||||||||
|
Über der Tür des Rathauses in Rietberg das Doppelwappen der Grafschaften Rietberg und Ostfriesland |
||||||||||||||||||||
![]() |
||||||||||||||||||||
![]() |
||||||||||||||||||||
![]() |
||||||||||||||||||||
![]() |
||||||||||||||||||||
|
Wappen von Rietberg |
||||||||||||||||||||
|
Ostfrieslands Wappen |
||||||||||||||||||||
|
Ostfriesland Fahne |
||||||||||||||||||||
|
Damit war nun das Stapelrecht endgültig zwischen Emden und Münster besiegelt. Davon betroffen waren auch die einzelnen Zollstationen entlang der ostfriesisch - münsterschen Grenze. Aufgrund des Vertrages konnten grenzüberschreitende Waren sicherer und bestimmter in Augenschein genommen und verzollt werden. Den „tollen halven“ mussten die Einheimischen bezahlen, soweit nicht schon in Emden geschehen. Viele Waren wurden auch aus anderen Ländern eingeführt. Pelze kamen aus Rußland, Holz aus Skandinavien, Fisch aus der Nordsee, Salz aus südlichen Ländern, Gewürze aus China und Indien. Ausgeführt wurde dagegen wenig - das Emsland war arm. Die Menschen gebrauchten selbst, was sie angebaut oder erzeugt hatten. |
|
Nach dem Zoll- und Handelskontrakt von 1497 war es auch möglich, die Zollstationen an der Ems zu erweitern und zu verstärken, damit die Zollabgaben notfalls auch erzwungen werden konnten. Für die Stadt Meppen war diese Einrichtung recht einträglich. Schon Bischof Heinrich hatte allen Eingesessenen im Jahre 1483 befohlen, den Markt in Meppen zu benutzen: „Wy hinrich van swartzborch Byscop ton monster bevelen allen unse undersaten in den gestichte van meppen in Emeslande und humeling lande, alle gudensdage dat vrige wekemarket bynnen meppen to versoken, und dat andersnergent kopen off verkopen by den hogeste pennickbroke, uth gescheiden unse Borchmans und de haselunische und dat alle de ghene de sodanen market vorsoken, lyves und gudes sollen vrichsyn, up gewontliken Tollen und wechgelt, und dat market sall alle tyd anstaen des dinxdages to teyn uren vor mytdage, und schall duren went des donderdages to mytdage ......“ Doch nur der, der den Zoll wirklich bezahlt hatte, durfte verkaufen. Seit dem Jahre 1569 durfte die Stadt Meppen auch den Brückenzoll auf Geheiss des damaligen Bischofs Johann von Hoya kassieren. Diese Emsbrücke war 1385 in Übereinkunft zwischen dem Bischof Heidenreich von Münster und dem Stadtrat von Meppen gebaut worden. Aus der Zoll- und Wegegeldrolle von 1605 sind einige Angaben recht wissenswert, geben sie doch nicht nur die Höhe der Abgaben an, sondern sagen auch über das aus, was so hin und her des Weges kam. So waren die Schiffe, ob leer oder beladen, mit 6 Stüber brabantisch zu belasten. Hatten sie in Haselünne, in Rhede oder anderswo schon Zoll entrichtet, wurde in Meppen nur der Brückenzoll fällig. Frachtwagen mussten beim Überqueren der Brücke einen brabantischen Stüber entrichten. Ebenso kosteten Ochsen, Pferde, Schweine und Schafe einen Stüber. Ein fettes Rind war frei, wenn es zum Markt getrieben wurde, um dort verkauft zu werden. Kam es jedoch unverkauft zurück, war der Zoll fällig. Für Wagen und Pünten, die an der Stadt vorbeifuhren und ihre Last landeinwärts verkaufen wollten, betrug der Satz je Last 1 Stüber, bei der Talfahrt pro Pünte sechs Stüber. Wurden die Güter jedoch in der Stadt geladen oder verkauft, waren sie zollfrei. In Haren und Fullen, wo ebenfalls Zoll und Wegegeld erhoben wurde, waren die Sätze wie in Meppen. Die Hälfte der Einnahmen war jedoch an Meppen abzuführen. In Berßen wurde ebenfalls Zoll erhoben. Wer versuchte, die Abgaben zu hinterziehen, wurde mit dem Verlust der Zollfreiheit bestraft. Nach den Münsterisch-Niederländischen Kriegen wurde der Brückenzoll in Meppen als besonders wertvolle Einnahme empfunden. Die Städte und Dörfer lagen zum größten Teil in Schutt und Asche, viele Einwohner hatten das Land verlassen. Zu allem Unglück hatte noch eine große Flutwelle am 30. Januar 1681 die erst fünf Jahre alte „neue“ Brücke weggerissen. Das Wasser ergoss sich damals über die Befestigungen (Kontreskarpen) und überschwemmte die ganze Stadt. Als Nachfolger von Kriegsbischof von Galen versuchte Ferdinand von Fürstenberg, der auch den Bischofsstuhl von Paderborn innehatte, Frieden und Ordnung ins Land zu bekommen. Redlich und rastlos war er bemüht, die schweren Kriegswunden und die nachfolgenden Naturschäden zu heilen und zu beseitigen. Er bereiste als erstes sein Land, kam dabei 1679 auch nach Aschendorf. Seine Truppen berief er aus den ausländischen Kriegsgebieten ab. Das allerdings ging nicht immer so friedlich zu, wie Ferdinand sich das vorgestellt hatte. Die Kriegsgesellen waren an Rauben und Plündern, an Saufen und Huren so gewöhnt, dass sie es auch auf ihrem Rückzug nicht lassen konnten. So geriet der Soldat Peter Klunder bei einem Streit an den friedliebenden Wirt Heinrich Jansen in Meppen und stach ihn nieder. Peter Klunder erhielt Asyl bei den Jesuiten, die in Meppen wieder eine Residenz eingerichtet hatten. Nur ein fürstlicher Bescheid erwirkte die Auslieferung und Hinrichtung des Mörders. |
|||||
![]() |
|||||
|
Die historische Brücke in Meppen - gebaut, durch Hochwasser eingestürzt, wieder aufgebaut, Brückenzoll, Kriegswirren, eingestürzt, wieder aufgebaut u. u. u. und |
|||||
|
Bischof Ferdinand gebot auch, dass das Land an der Ems wieder bearbeitet würde, um daraus Früchte zu ernten. Einige Ländereien wurden verkauft, um mit dem Erlös die hohen Kriegsschulden bezahlen zu können. So manches Haus, das in Meppen, Haselünne und den umliegenden Dörfern in Schutt und Asche lag, erhob sich wieder aus den Trümmern. Die Emsbrücke in Meppen ward wieder aufgebaut - ab 1683 konnte die Stadt wieder Brückengeld und Zoll kassieren. Es war die Haupteinnahmequelle der Stadtkasse. Die Kornausfuhr nach dem fruchtbaren Jahr 1681 wurde wieder freigegeben. Zur Belebung des Handels wollte Bischof Ferdinand auch die Ems nutzen. Der Fluss war ebenfalls durch die Kriegseinwirkungen für die Schifffahrt schier unpassierbar. Ganze Bäume, viele Wracks, so manches Kriegsgerät lag im Wasser. Versandungen an den seichten Stellen, Wildwuchs vieler Nassgewächse und unkontrollierbare Strömungen behinderten immer wieder den Verkehr auf dem Strom. Der Fürstbischof verhandelte mit den ostfriesischen Grafen, doch es blieb vorläufig beim Plan. Die Kosten für die Instandsetzung wären einfach zu hoch gewesen. |
|
Ende des 17. Jahrhunderts wurde dann doch eine „Emsschiffbarmachungs-Kommission“ eingesetzt. Diese hatte die Aufgabe, das Strombett von Fremdkörpern zu befreien, durch Einengen des Fahrwassers und Anlage von Krippen (Uferbefestigungen durch Buhnenflechten) eine erforderliche Tiefe zu schaffen, die Spieken (Verlandungszonen) mit Weiden zu bepflanzen, eben alles zu tun, damit wieder Waren über die Ems transportiert werden konnten. Leider wurde diese Tätigkeit später vernachlässigt, so dass der Fluss Anfang des 18. Jahrhunderts wieder versandete. Das angrenzende Land wurde sogar durch den „wilden Strom“ teilweise verwüstet. 1737 ward eine neue Kommision eingesetzt, die aber, wie auch später der Ingenieur des Brodes (1757) oder ein Herr namens Max Friedrichs (1770) keine befriedigende Lösungen zu schaffen vermochten. Teils lag es an Unkenntnis, teils am Fehlen der nötigen Finanzen. Außerdem wurden durch die Frondienste und Unredlichkeiten öffentliche Gelder verschleudert und veruntreut. Die Wasserbaubeamten schoben die Schuld auch den vielen Entwässerungszuläufen zu, die das Oberwasser zu schnell der Ems zuführten. Das war für den Schiffsverkehr flussabwärts bis Emden bzw. bis zur Tidengrenze (damals etwa auf der Höhe von Leerort/Ledamündung) recht günstig. Das Verbringen von Waren flussaufwärts wurde jedoch immer schwieriger. Wenn früher ein Schiff etwa in 18 Tagen Greven erreichte, so schaffte es jetzt in der gleichen Zeit nur bis Meppen. Erst mit Ausbau der Ems zum Kanal (Dortmund-Ems-Kanal 1899) mit Regulierung der Wassertiefen und den Strömungsverhältnissen durch Schleusen und Wehre ist eine geregelte Schifffahrt auf der Ems in beiden Richtungen möglich. |
![]() |
|||||||
![]() |
|||||||
![]() |
|||||||
|
Heute ist die Ems eine vielbefahrene Wasserstraße |
|||||||
|
Ende des 17. Jahrhunderts wurde dann doch eine „Emsschiffbarmachungs-Kommission“ eingesetzt. Diese hatte die Aufgabe, das Strombett von Fremdkörpern zu befreien, durch Einengen des Fahrwassers und Anlage von Krippen (Uferbefestigungen durch Buhnenflechten) eine erforderliche Tiefe zu schaffen, die Spieken (Verlandungszonen) mit Weiden zu bepflanzen, eben alles zu tun, damit wieder Waren über die Ems transportiert werden konnten. Leider wurde diese Tätigkeit später vernachlässigt, so dass der Fluss Anfang des 18. Jahrhunderts wieder versandete. Das angrenzende Land wurde sogar durch den „wilden Strom“ teilweise verwüstet. 1737 ward eine neue Kommision eingesetzt, die aber, wie auch später der Ingenieur des Brodes (1757) oder ein Herr namens Max Friedrichs (1770) keine befriedigende Lösungen zu schaffen vermochten. Teils lag es an Unkenntnis, teils am Fehlen der nötigen Finanzen. Außerdem wurden durch die Frondienste und Unredlichkeiten öffentliche Gelder verschleudert und veruntreut. Die Wasserbaubeamten schoben die Schuld auch den vielen Entwässerungszuläufen zu, die das Oberwasser zu schnell der Ems zuführten. Das war für den Schiffsverkehr flussabwärts bis Emden bzw. bis zur Tidengrenze (damals etwa auf der Höhe von Leerort/Ledamündung) recht günstig. Das Verbringen von Waren flussaufwärts wurde jedoch immer schwieriger. Wenn früher ein Schiff etwa in 18 Tagen Greven erreichte, so schaffte es jetzt in der gleichen Zeit nur bis Meppen. Erst mit Ausbau der Ems zum Kanal (Dortmund-Ems-Kanal 1899) mit Regulierung der Wassertiefen und den Strömungsverhältnissen durch Schleusen und Wehre ist eine geregelte Schifffahrt auf der Ems in beiden Richtungen möglich. |
|
|
||||||||||||||||||||
|
Vivas nobiscum, regnes Ludovice beatus! Justitia gravis es et pietate bonus; Is datus est nobis prosperitates epex.. Dum tibi juramus Radde, Hasa Amasisque triumphant. Urbus applausu lataque rura sonant. „Lebe mit uns vereint und herrsch' o Ludwig glücklich. In der Gerechtigkeit ernst, auch in der Liebe bewährt. Welcher gerecht, mild fromm von erhabenem Stamme entsproßte, der ist gegeben uns heut, froher Beselung Kron'. Radde und Hase und Ems frohlocken zu unserem Treuschwur; Städte jauchzen darein, Jubel ertönet im Lande.“ |
|
Die geologische Lage Meppens und Emdens hatte zwangsweise zur Folge, dass nur die Ems als Wasserstraße, die Friesenstraße links und die Königsstraße rechts der Ems als Landwege eine Verkehrsverbindung herstellten. Nach Westen hin dehnte sich das Bourtanger Moor bis in die Generalstaaten aus, nach Osten lag das noch unberührte Moor zwischen Leda und dem Hümmling. Somit sind die Zollstationen zwischen dem Münsterland und Ostfriesland an diesen Wegen besonders in Betracht zu ziehen. |
|
Wer hätte gedacht, dass Völlen einst einen Hafen hatte und vom blühenden Handel lebte? Wer heute durch das Dorf fährt, wird kaum noch an diese geschichtliche Vergangenheit erinnert. Lediglich der hohe Sandrücken, auf der die Hauptstraße verläuft und auf dessen Mittelpunkt der Dorfkern mit der Kirche entstand, deutet noch auf die Bedeutung dieser Stelle hin. Der Hafen lag nördlich davon am Latter. Wie wichtig Völlen als Stützpunkt sowohl für die Reisenden als auch für den Handel war, ist schon darin zu sehen, dass hier insgesamt vier Burgen bzw. Steinhäuser standen. Nicht alle haben eine rühmliche Vergangenheit und Geschichte. Die Burgherren waren oft auch Raubritter oder Ausbeuter der Siedler und Bauern. Das Dorfbild im Mittelalter muss schon recht ansehnlich gewesen sein. Der Fluss AA floss von der Anhöhe im Süden bis zum Hafen. Dort mündete noch ein weiteres Flüsschen, das Wasser aus den östlichen Sümpfen heranführte. Zwei Brücken überquerten die Wasserläufe. Sie konnten geöffnet werden, wenn größere Schiffe hindurch mussten. Auf den AA-Wiesen wurde von den Schiffen aus der Handel betrieben. Zweimal im Jahr war Markt, und zwar im Frühjahr und Oktober. Emsländische und ostfriesische Händler, vor allem Bauern, boten dann ihre Waren und Erzeugnisse feil. |
|||||||||
|
Von Völlen aus wurde der Handel mit dem „Ausland“ geführt. Das Hafenbecken am Latter hatte immer genug Wasser und war groß genug, um emsgängige und kleinere Schiffe aufzunehmen. Durch das Siel war der Hafen mit der Ems verbunden. Oft diente der Hafen als Umschlagsplatz für Waren, die per Pferdefuhrwerke weiter ins Münsterland transportiert werden sollten. Durch Diedrich von Velen, der 1638 das Drostensiel vor der Papeborch und dem Sielkanal erbauen ließ, kam Völlens Handel bald zum Erliegen. Noch einmal versuchten es die Bürger mit einem neuen, sicher auch größeren Siel, das unter dem Sielrichter Leffert Wübben angelegt wurde. Auch wenn zu der Zeit schon die Fehnsiedlungen im Osten, Völlenerfehn und Vollenerkönigsfehn, und die Kultivierungen in Rhauderfehn begonnen hatten, so fehlte doch das Hinterland für den Handel. Außerdem befassten sich die Papenburger so intensiv mit dem Schiffbau (ab 1724) und der Seefahrt, dass Völlen, nicht zuletzt durch Uneinigkeit und Uneinsichtigkeit, den Nachteil davon zu spüren bekam. Völlen verarmte immer mehr. 1832 vereinigte sich die Völlener Sielacht nicht nur mit der Muhder Sielacht, nein, auch das fast neue Siel wurde aufgegeben und schließlich von Emsschlick bedeckt. Das Wasser der AA und der Nebenflüsschen, heute Entwässerungsgräben II. und III. Ordnung, wurde umgeleitet und fließt noch heute durch den Wallschloot zum Marker Schöpfwerk. Für den Zoll war nicht nur der Handel im Hafen und im Dorf interessant, sondern auch der Durchgangsverkehr auf der Königsstraße von und nach Ostfriesland bzw. Emsland. Das hatte allerdings auch mit der öffentlichen Waage zu tun. Die ostfriesische Regierung ließ schon sehr früh in den größeren Orten Waage-Stationen einrichten. Sie waren Eigentum des Landesherrn und mussten von Zeit zu Zeit auf ihre Richtigkeit überprüft werden.. Waage und Gewichte wurden bei der Waage in Leer geeicht. Für den Grenzort und der Landzollstation Völlen war eine solche Waage sehr wichtig. Betreiber war in den meisten Fällen ein Gastwirt, der gleichzeitig Wiegemeister und Zöllner war. Waage- und Zollgerechtigkeit wurden von den gräflichen Behörden verheuert. Die Zöllner mussten sich an die vorgeschrieben Zolltarife und Zollbestimmungen halten, wie sie auf höherer Ebene ausgehandelt waren. |
|||||||||
![]() |
|||||||||
![]() |
|||||||||
|
Wiegemeister mit Waage und Geldtruhe |
|||||||||
|
Flurnamen vermitteln oft Anhaltspunkte über Verhältnisse im Mittelalter. So gibt es am Ausgang von Völlen die „Uerde“ oder „Urde“. Im Jahre 1490 beschwert sich Bischof Heinrich von Schwarzenberg über die Erhebung von Abgaben/Zoll auf der Uerde, im Wortlaut wie folgt: An dieser Seite der Ems geben die Emsländer keinen Zoll für Waren, die keine Kaufmannswaren sind, und die sie im eigenen Haus verbrauchen wollen. Auch geben sie keinen Zoll für Tiere, die in Friesland auf die Weide getrieben werden. Trotzdem mußten einige, namentlich Gerlach ter Veer und der Heuermann Lydeken aus Bra (Brake) für ihre Tiere Zoll in Höhe des Weidegeldes bezahlen. Das tat der Diener des Vogtes (Zolleinnehmer?) auf der „Oerde“ (womit Uerde gemeint war)“. Leider sind die Dokumente über den Völlener Zoll eher karg, so dass nur wenige Einzelheiten bekannt sind. Der Flurname „Barrenkamp“ erinnert jedoch auch an den Zoll. Barre oder Barren bedeutet nämlich Stange, Schranke, Sperre, Schlagbaum - und wo wurde wohl ein Schlagbaum gebraucht? Selbstverständlich am Zoll. Dort musste eine Sperre eingerichtet werden, die nur dann geöffnet wurde, wenn der Zoll entrichtet war. Schlagbäume waren bis zum Jahre 1992 an den nationalen Grenzen Deutschlands noch üblich und finden in vielen Ländern heute noch Anwendung. Am Barrenkamp in Völlen also könnte das Zollhaus mit der Waage gestanden haben. Im Jahr 1650 wird ein Harm Janssen als gemeinsamer Pächter genannt. Ob dieser Harm Janssen auch noch Küster war (oder sein Namensvetter?) geht aus den Aufzeichnungen nicht hervor. Nach der napoleonischen Zeit war der Zoll in Völlen nicht mehr nötig, die Waage existierte noch bis 1862. Ein Krämer Luitjens war damals der Pächter, sein Waagegeld betrug für 100 Pfund (ein Zentner) = sieben Pfennige. Gewogen wurden im Juli 1855: 6870 Pfund Käse und 69 Pfund Butter. Seine Einnahmen betrugen also 48.573 Pfennige (12 Pfennige = 1 guter Groschen; 24 Gute Groschen = 1 Taler), also runde 169 Taler. |
|
1755 kam es zu einem besonderen “Zwischenfall”. Bernd Brechtzende bewirtschaftete seit 1751 die Peldegersten-Mühle am Drostensiel in Papenburg. Er verkaufte sein Mehl auch an Kunden im Overleingerland und Rheiderland. Diese Konkurrenz war den ostfrieischen Müllern doch zu viel. Sie beschwerten sich in einem Schreiben beim Amt Leer. Damit erreichten Sie, dass die Zöllner in Stapelmoor, Völlen und Halte angehalten wurden, das Papenburger Mehl festzuhalten und Versuche, das “Gemahl” am Zoll vorbei zu bringen, mit Beschlagnahme der Ware zu ahnden. |
|
Bevor Halte eine Zollstation bekam, auch bevor das kleine Dorf an der Ems ein Klostervorwerk des Johanniterordens war, gab es hier schon eine Fähre. Die Fährgerechtigkeit hatte der Burgherr. Als Fähre diente ein Ruderboot, das von den Knechten des Herrn gerudert wurde. Eine Sage erinnert an diese oft “dunkle” Zeit: Dat Mordlücht van Halte |
|
Eng verbunden mit Halte ist das Dorf Vellage. Aus den Quellen geht nicht eindeutig hervor, ob nun Halte eine Außenstelle von Vellage war, oder ob Vellage der Kirchort für die Kommende Halte gewesen ist. In den Einkunftsregistern der Abtei Werden an der Ruhr wird um 900 ein „Veldagi“ erwähnt. Urkundlich wird Vellage erst am 21. Januar 1428 genannt, doch die Kirche in Vellage stammt aus der Mitte des 13. Jahrhunderts, was die Klostersteine des Baus beweisen. In der Kirche sind 1930 Wandmalerein freigelegt, die wahrscheinlich von einem Johannitermönch angefertigt worden sind. Sie stellen in der Hauptsache die Kreuzigung Christi dar. Es finden sich jedoch auch einige Johanniter-Kreuze, wie sie heute noch beim Johanniter- und Malteser-Hilfsdienst als Emblem benutzt werden. Der Name Vellage, im Volksmund und auf alten Karten auch „Velge“, heißt „Auf dem Feld“ oder „Veldlage“ = „Feldlage“. Das Dorf liegt auf einer Sandhöhe und könnte somit früher als Zufluchtstätte gedient haben, wenn die niedrigen Weiden und Marschen an der Ems überschwemmt waren. Das kam weniger bei Sturmfluten, sondern mehr noch nach heftigen Regenfällen und bei Schneeschmelzen vor, wenn das Oberwasser der Ems den Fluss zum Strom anschwellen und über die Ufer treten ließ. Die Sanderhöhung mitten in der Marsch, um die die Ems in einem Bogen herumfließt, wird schon sehr früh als Wohn- und Siedlungsstätte benutzt worden sein. Als vor Jahren der Deich erneuert wurde, fand man bei den Baggerarbeiten Keramikscherben, wahrscheinlich von Begräbnisurnen. Außerdem traten Reste von ehemaligen Wäldern zu Tage, vor allem Baumwurzeln, die auf einen Reichen Waldbestand vor mehreren tausend Jahren hindeuten. Wahrscheinlich haben hier auch die Römer und später die Normannen mit ihren Schiffen angelegt - der Rastplatz war trocken und bot wegen des tieferen Umlandes einigermaßen Schutz. Vor Jahren gab es noch eine Bootsfähre über die Ems zu den nahen Tunxdorfer Bergen und damit nach Aschendorf. |
![]() |
|||||
![]() |
|||||
|
Halte: links die Burg und das Restaurant “Reiherhorst”, links die Pünte. Oben im Bild das alte Halter Dorf |
|||||
|
Halte war im Mittelalter wahrscheinlich nur am Deich entlang über einen Kleiweg zu erreichen, der aber vor allem in nassen Jahreszeiten schwer zu befahren war. Fußgänger und Reiter konnten allerdings auf dem Deichkamm vorankommen. In das übrige Rheiderland war der Weg beschwerlich. Erst vor gut 100 Jahren entstand ein fester Klinkerweg nach Diele. Vorher gab es nur den alten Postweg entlang des Swelchdyks. Das Vorwerk Halte wurde von den Mönchen des Johanniterklosters Muhde als Meierei (Molkerei) zur Herstellung von Butter und Käse benutzt. Die geographisch günstige Lage an der Ems und an der Grenze zum Münsterland bewog wahrscheinlich das ostfriesische Grafenhaus, erst 1464 zur Reichsgrafschaft erhoben, an der Emsschleife bei Halte eine Zollstation einzurichten. Die ewigen Fehden zwischen den Münsteranern und den Ostfriesen bzw. Rheiderländern machten auch linksseits der Ems nicht halt, wie wir schon aus den Grenzgeschichten zwischen den einzelnen Dörfern gesehen haben. Um den Stapelzwang, später das Stapelrecht konsequent ausführen zu können, war es sicherlich für die Grafen wichtig, an den Grenzübergängen Kontroll- und Zollhebestellen zu haben. Den Emsländer hingegen waren die Zollstellen ein Dorn im Auge: die Abgaben waren zu hoch, die Kontrollen zu scharf, der Verdienst zu klein. Erst mit dem Zollvertrag von 1497 traten geordnete Verhältnisse ein, wodurch auch die Zollstation in Halte profitierte. |
![]() |
|||
![]() |
|||
|
|
|
|
Über ein Jahrhundert wurden die Verträge von Schloß Nienhuis und Meppen eingehalten. Der Warenverkehr auf der Ems war zeitweise recht lebhaft, wurde andererseits auch beschwert, weil die Ems bis Meppen nicht immer befahrbar war bzw. die zubergfahrenden Schiffe wegen des Gegenstroms ihre Güter schon in Halte umschlugen. Halte wurde dadurch zu einem der größten Umschlagplätze für die südwärtsgehenden Waren. Für die seewärts gehenden Güter - das war nur ein Zehntel der Einfuhren - war dagegen die Ems der ideale Verkehrsweg, besonders dann, wenn die Winde von Süd oder West stark in die Segel bliesen. Über diese Zeit sind jedoch keine Aufzeichnungen über die Zolleinnehmer, über ihr Leben und Wirken und über die Einnahmen vorhanden. Erst in der Leerorter Renteirechnung von 1594 - es war die Zeit der Reformation und der Gegenreformation - wird die Zollstation wieder erwähnt. Zu der Zeit war ein Johann Willems Zöllner. Er lieferte 322 Gulden 4 Stüber und 3 Witte ab. Schon damals wird die Zollstation verpachtet gewesen sein. 16O6 muß jedenfalls Johann Willems eine Pacht von 200 Thaler bezahlen. Im nächsten Jahr gingen die Einnahmen wegen der Streitigkeiten in Emden stark zurück, so daß der Zöllner nur 170 Thaler bezahlen konnte. 1618 lieferte Willems noch 30 Reichsthaler und 1620 ebenfalls 30 Reichsthaler ab. Inzwischen tobte der gräßliche Krieg, der dreißig Jahre dauern sollte und viel Elend auch über das Emsland und Ostfriesland brachte. Das Grafenhaus kam wegen der Heirat Enno's III. mit der Tochter der Lichtensteins in Geldnot, wahrscheinlich der Grund, für die Grenzstationen 1632 eine neue Zollordnung zu erlassen und die Zolltarife drastisch zu erhöhen. Oder war es die Befürchtung, daß durch den neuen Herrn auf der Papenborch gegenüber von Halte eine Konkurrenz entstehen könnte? |
|
Aus der Zollordnung von 1632 hier einen Auszug: Als bey einheurung des Zolls zu Halte allerhandt Berichtigheiden vorfallen und gespüret werden, so hatt der wollgebohrene Graff und Herr zu Ostfrieslandt, Herr zu Esens, Stedesdorf und Wittmundt Unser gnädiger Herr nachfolgende Ordenanz diese Falß vorfaten laeten, warnoe een Jeder tho Verhütung synes selbest eigenen schadens sich tho richten: 1) Erstlich schölen geene Scheepen an den Emßstrom an geene öhrtere uthladen, ehe sie an den Tollhuiß zu Halte angelanget, und wan sie dar gekommen, soll die Schipper, ehe eenich gut ver opren, dazu alles in specie an den Zollner angeuen, und dabey bestandlich, waren vrey und unvrey, nicht door eeander gesett werden poen: jedesmahls 20 Goldgulden. 2)bey glieder poen: dem Zöllner müsse alle Waren gemeldet werden 3)geene Pünten het Tollhuiß vörbyfahren ...... 4)alle pünten und kleene scheepen .... een Tollzetel nehmen. Daeruht tho sehen, dat die goederen vertollet........ 5) fehlt 6) schließlich schölen alle vorbafahrende Koopluiden, Schippers offte Püntkers, wo dieseluigen nahmen hebben, sick dieser Ordnung allenthalven mußen vorhalten. Immaßen dan oock die Tollner sich eegentlyck darinne richten een schicken sall. 7) Vermöge nachgesetzten alten Zoll Rollen, soll Jedermann seine goederen verzollen - es folgen einzelne Münzwerte. Es folgt das Zollregister = Zolltarif, wonach jeder Kaufmann, inländisch oder ausländisch, den Zoll bezahlen muß , inländischen un Münstersche geven den „halven Toll“, und die Uthlandischen den heelen Toll. Es folgen insgesamt 39 Positionen, davon nur die wichtigsten: for een groff Lakea = 1 stüver, for een hundert Pfund Wull off Flahß = 1 stüver halve und heele nae advenant., vor een Tonne Honnigß = 1 str., vor een Hundert Pfund Iser = 1 ½ str., vor een Pipe Oel = 6 str., vor een Tonne Butter = 2 str., vor een hundert Pfund Stockfisch = 1 str., Wein meistens 20 Stüver, vor een fatt Jopen Bier = 20 str., vor Leerder, Jemgumer v. Oldersumer Bier = 1 str., vor een Oßße offte Peerdt = 2 str., een Wagen = 1 str., een Last Torff = 14 Witte, 1000 Pannen = 3 str. Es wird allen ond Jeder menniglich Interessenten anbefohlen, in allen puno(darüber ein c) ten ond Clausulen zu richten, worüber die gerichten gegen die Verbrecher mit würly.r Execution ond außtrebung Zollen zu helfen. Sign. Halte, d. 9. Septembris Ao 1632. Tilem. Wiarda, Amptm.“ |
||||
|
In den Leerorter Renteirechnungen sind die Einnahmen von Halte von 1594 bis1688 festgehalten. Danach wurde in den Jahren der Kriegswirren in Halte mehr schlecht als recht die Zollhoheit ausgeübt. Oft war die Zollstation gar nicht besetzt. Für 1650 bezahlt ein Herr Jacobs 50 Reichsthaler, 10 Schilling und 2 ½ Witte als Pacht für die Zollstätte, 1688 ist es ein Anthon Zöllner, der 20 Reichsthaler und 2 Capaunen für die Pacht abgegeben hat. Schmuggeln und Zollhinterziehen war auch in dieser Zeit schon ein einträglches Geschäft für die sogenannten „Zolldefraudanten“. Für die Püntkers bot sich das 1638 von Diedrich von Velen gebaute Drostensiel bzw. die Muhde gegenüber Halte als Schlupfwinkel an. Das war münstersches Gebiet, dort konnte der Zöllner von Halte nicht mehr eingreifen. Von dem Zollpächter Hermann Jacobs wissen wir, dass er schon 1639 diese Gefahr kannte und mit allen Mitteln zu verhindern suchte. Die Schiffer mussten, wenn sie nur ihre Boote wegen des fallenden oder steigenden Wassers verholten, einen neuen Zoll bezahlen. Wer versuchte, sich der Zollkontrolle zu entziehen, wurde mit Gewalt zum Anlegen gezwungen. Zollpiraten, und von denen gab es nicht wenige, legten es darauf an, mit vollen Segeln aus der Emsbiegung kommend an Halte vorbeizukommen. Sie wurden mit scharfen Schüssen aus den bereitstehenden Gewehren bedacht und zur Umkehr „bewegt“. Den Schmugglern erwartete eine harte Strafe. Ihre Waren wurden beschlagnahmt und in extremen Fällen sogar ihre Schiffe. |
||||
|
Wem es nun doch gelang, in Halte die Zollstation ohne Kontrolle zu passieren, wurde bei der Dieler Schanze von der dortigen Besatzung angehalten. Dort ereignete sich im Jahre 1669 ein schwerer Zwischenfall, der dem Fürstbischof Bernhard von Galen als Vorwand diente (die Kriegsvorbereitungen begannen schon viel früher), im Jahre 1672 noch einmal einen Krieg gegen die Generalstaaten anzuzetteln. Drei münstersche Schiffe brachten Hafer für den bischöflichen Marstall. Sie hatten bei Halte vorschriftsmäßig ihren Zoll bezahlt, sollten bei Diele jedoch zur Sicherheit noch einmal kontrolliert werden. Die Püntker missachteten den Anlegebefehl und fuhren weiter. Erst bei Brual konnte der Festungskommandant die Schiffe mit seinen Landsknechten aufstoppen. Sie bewachten die drei Pünten dort zwei Tage und brachten sie anschließend nach Diele zurück. Der Bischof beschwerte sich bei der ostfriesischen Landesherrin Christine Charlotte - ohne Erfolg. Auch seine Repressalien gegen die Familie Haro von Gödens in Esterwegen nützten nichts. Schließlich war der Hafer auf den Schiffen verdorben. Von einer weiteren schweren Zollpiraterie wird aus dem Jahre 1733 berichtet. Fünf Schiffe hatten auf münsterschem Gebiet Holz geladen und wollten damit emsabwärts.- Wohin? - In der Halter Enge warteten sie einen günstigen Wind und abfließendes Wasser ab. Dadurch wurden sie besonders schnell, womit ein Aufstoppen bei der Zollstation verhindert werden sollte. Dicht an dicht segelten die Schiffe heran, wurden auch von den Zöllnern gesehen und zum Anhalten aufgefordert. Gegen fünf auf einmal waren die Diensthabenden jedoch auch mit scharfen Schüssen aus ihren Musketen machtlos. |
||||
|
Für den Zöllner Peter Oldigs gab es nur eins - hinein ins Boot und den Seglern entgegen. Doch der Schiffsführer Jans Lukas wehrte den Mutigen erfolgreich ab. Drei Schiffe entkamen, nur die beiden letzten konnten dingfest gemacht werden. Sie wurden an Land gezogen und abgetakelt. So war ein Fluchtversuch ausgeschlossen. Die Schmuggler sind hart bestraft worden. |
![]() |
![]() |
||||||||||
![]() |
![]() |
||||||||||
|
Die flachbodigen Kähne, Prahms oder Pünten mussten gezogen (getreidelt) werden. Die Skipper hatten meiste Klumpen an. |
|||||||||||
|
Was waren das nun für Schiffe, die zu der Zeit die Ems befuhren? |
|||||||||||
|
Wegen der geringen Tiefe von 2 bis 2 ½ m konnten hier natürlich noch keine großen Schiffe verkehren. Von Halte an auf der oberen Ems waren es zumeist Schuten oder Prahms, die mit ihrem Flachboden keinen großen Tiefgang hatten. Auf der Strecke bis Meppen oder sogar bis Greven wurden diese Schiffe emsaufwärts gegen den Strom getreidelt = gezogen. Meistens von Pferden, oft auch mit Menschenkraft. Nur bei einem günstigen Wind konnten streckenweise Segel zu Hilfe genommen werden. In Haren baute man einen besonderen Schiffstyp, der als „Harener Pünte“ bezeichnet wurde, jedoch wie die Schuten und Prahms gehandhabt wurden. Emsabwärts war das Vorwärtskommen leichter, weil das abfließende Wasser des Flusses eine natürliche Triebkraft hervorbrachte. Durch Staken und Wricken wurde zusätzlich geschoben und gesteuert. Bei der Talfahrt waren die Schiffe deshalb auch mit mehr Gütern beladen.. |
![]() |
|||||||
![]() |
|||||||
![]() |
|||||||
|
v.l.n.r.: die vielseitig verwendbate Harener Pünte, eine Spitzmutte im Bau auf Helgen, die Schmack “Gesine von Papenburg” unter Segel |
|||||||
|
Emsabwärts bis Emden, den niederländischen Häfen und manchmal bis zu den ostfriesischen Inseln oder über das Wattenmeer bis Bremen und Hamburg wurden flachbodige Kähne eingesetzt. Sie konnten nicht von Land gezogen oder gesteuert werden, sondern waren auf ihre Segel und allzeit guten Wind angewiesen. Schiffswerften im Saterland und den Niederlanden brachten schon recht ansehnliche Schiffe hervor, die so manche Last tragen konnten. Es waren vor allem die „Mutten“, zehn bis fünfzehn Meter lang, 2,5 bis 3 m breit und mit einer Tragkraft von 10 bis 15 Last (1 Last = 2.000 Kilogramm). „Seetüchtig“ wurden die Mutten, die vorne und hinten spitz waren und darum „Spitzmutten“ hießen. Größer - vorne und hinten mit rundem Steven - waren die Tjalks. Zum besseren Manövrieren waren an den Bordwänden Seitenschwerter angebracht. Eine Weiterführung des Tjalks ist die „Schmack“, die höhere Bordwände, einen hochgezogenen Achtersteven und zwei Masten hatte. |
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Mit solchen Schiffen unternahmen die Kapitäne auch längere Seereisen in Ost- und Nordsee und sogar nach Übersee. Die Tragkraft einer Tjalk war etwa 35 Last = 70 Tonnen, die der Schmack von 40 bis 100 Lasten. Kleine Segelkutter, die aus der hansischen Schnigge entwickelt sind, waren zwar seegängiger und schneller, konnten aber auf der Ems wegen des Kielbodens nicht oder nur geringfügig eingesetzt werden. Gegenüber von Halte in Papenburg entwickelte sich ein reges Leben, auf das später noch eingegangen wird. Für Halte wurde der Schiffbau, der dort in immer größerem Stil betrieben wurde, zur drohenden Konkurrenz. Auf der anderen Seite wurden auch immer mehr und größere Schiffe für die Seefahrt gebraucht. Hatten die Reeder oder Kapitäne von Papenburg sich zuerst noch Schiffe von ostfriesischen und niederländischen Werften besorgt, so begannen die Papenburger 1724 damit, entlang der inzwischen entstandenen Kanälen Schiffshellinge einzurichten. Es dauerte nicht lange, da liefen die Kuffs, Schoner Barks und Briggs in Papenburg von Stapel, die bald auf allen Weltmeeren zu Hause waren. Auch in Halte gab es Schiffswerften. Sie waren den Papenburgern zuerst sogar überlegen, weil ihre Neubauten direkt an der Ems entstanden. Sie durften größer sein, weil Halter Schiffe nicht durch eine enge Schleuse mussten. Eine der Halter Werften hat 1890 noch bestanden. |
![]() |
|||
![]() |
|||
|
Schiffbau am Kanal ab 1724 |
![]() |
|||
![]() |
|||
|
|
|
Die Schonerbrigg “THEDA” wurde 1890 in Halte gebaut. Schiffsbauer und Eigner waren A & H Klasen. Als Kapitän wurde Meenke Folkerts Baumann aus Stiekelkamperfehn angeheuert. Das Schiff hatte 162 BRT oder 152 NRT und beförderte im Jahre 1892 eine Ladung Salz von Macau an der Nordspitze Brasiliens nach Rio Grande de Sul in Uruguay - eine Reise über 4.500 Seemeilen. Der Kapitän schnitt am Cap San Roque zu sehr die Küste und kam dadurch auf die vorgelagerten Sandbänke, geriet schließlich durch Driftung zwischen Felsen fest und war auf fremde Hilfe angwiesen - vergeblich. Die Besatzung musste das Schiff verlassen, weil es leck geschlagen war. Die „Theda“ ging mitsamt der Ladung verloren. Nur das Inventar konnte noch mit einem Leichter geborgen werden. Die Verhandlung über den Unfall fand am 27. Mai 1893 vor dem Seeamt in Emden statt. Der Spruch lautet: Der Unfall der Schonerbrigg „Theda“ ist auf Nachlässigkeit und Unverstand des Schiffers Meenke Folkerts Baumann aus Stiekelkamperfehn zurückzuführen. Dem Letzteren wird die Befugnis zur ferneren Ausübung des Schiffergewerbes entzogen.“ Die „Theda“, in Halte gebaut, kam also von der ersten Reise nicht zurück, wurde nur zwei Jahre alt. |
|
Schaut man sich einmal die geologische Landkarte des nordwestlichen Deutschlands an, so erkennt man unschwer, dass es rund um Ostfriesland, besonders aber um das damalige Münsterland, einige Stellen gegeben haben muss, von den Mooren abgesehen, die zum Transport von Waren in das Nachbarland geeignet waren. Bei der Kleinstaaterei wollte je jeder Landesherr, jeder Graf oder Fürst oder Bischof, noch einen Obulus an der Grenze erhaschen. So waren überall an solchen „Übergängen“ Zollstationen oder Einnehmerstellen mit einem Schlagbaum auf der Straße eingerichtet. Es gibt nur wenige Berichte über diese Grenzstellen, es sei denn, es passierte etwas Außergewohliches oder Spektakuläres, was dann Einzug in die Annalen fand. |
|
Im 16. Jahrhundert durchquerten zahlreiche Ochsenherden das Emsland.. Es waren Rinder, die von Dänemark nach Holland ausgeführt und über Haselünne nach Geeste getrieben wurden, wo sie die Ems durchwaten mussten. Für Haselünne war dieser Transitverkehr ein besonders günstiges Geschäft. Im Jahre 1576 war in Haselünne ein Zöllner namens Degener Backemuden stationiert, der dem Richter Engelbert van Langen über den Zoll berichtete. Die größten Sorgen scheint der Einnehmer mit den Ochsentriften gehabt zu haben. Für 100 Ochsen sollte er 28 Stüber oder einen Phillipsgulden nehmen. Gewöhnlich hatten die Kaufleute bei den Triften aber etwas mehr Tiere, vielleicht 15 oder 20, für die sie dann keinen Zoll mehr bezahlen wollten. Auch Karren und Möbel mussten verzollt werden. War es jedoch Hochzeitsgut, das nach Friesland sollte, so war es abgabenfrei. Der Zoll wurde nicht nur in Währungseinheiten entrichtet, sondern oftmals auch in Natura. So berichtete Backemuden weiter, dass er von einem Wagen voll „Molden“ einen „Molden“ bekam... Von einem Fass Wein erhielt er eine Kanne und von Schüsseln und Schalen vier oder mehr, je nach der Anzahl auf dem Wagen. Weiter gab der Zöllner an, dass es jedem Kaufmann oder Fuhrmann freistand, auch andere Wege, etwa über Fürstenau, zu fahren. Wenn sie jedoch durch den Gerichtsbezirk von Haselünne kamen, mussten sie hier die Abgaben entrichten. Viele fuhren über die Brücke von Herzlake, wo Bernd Röeve als Zollhelfer die Abgaben kassierte. In gleicher Weise war in Berßen Wilkenjohann angestellt. Von den Fuhren aus Friesland erhielt der Zöllner nichts. Selbstverständlich versuchten die Fuhrleute auch die Zollstationen zu umgehen, um den Zoll zu sparen. Der Rentmeister Hermann Kock gab dem Zöllner den Befehl, solche Zollverstöße dem Vogt anzuzeigen. Degener Backemuden konnte in seinem Bericht jedoch keinen Übertretungsfall angeben. |
||||||||
|
Als Bediensteter des Fürsten oder des Bischofs standen die Zöllner offenbar - wen wunderts, es war ja schon zu Jesu Zeiten so - nicht in gutem Ansehen. Neben dem kleinen Gehalt und dem geringen Anteil an den Einnahmen erhielten sie auch einige Kleidungsstücke, doch weit weniger als die anderen Beamten. Während in der Renteirechnung für den Richter 12 Mark und 6 Schillinge, für den Vogt 8 Mark, für den Pförtner 10 Mark, für den Koch 6 Mark, für den Müller 10 Mark und 10 Schillinge für Kost, Kleider und Lohn ausgegeben wurde, erhielt der Zöllner nur einen Mantel und eine Mütze für eine Mark und 2 Schillinge. Auch an den östlichen Grenzen des Niederstifts Münster und der Grafschaft Ostfriesland nach Oldenburg und der Grafschaft Hoya-Diepholz gab es Zollstationen, die jedoch keine große Bedeutung erlangten und für unsere Betrachtung über das Werden der Westgrenze Deutschlands auch nicht relevant sind. Einen Zeugen dieser verstreuten Einnahmestellen findet man noch in einem kleinen Gehölz an der Straße von Edewecht nach Barßel in der Ortschaft Wittenberge. Dort wurde 1962 ein Heimatmuseum eingerichtet, dessen „Mantel“ ein altes Zollhaus darstellt. Das „Tollhus“ stand an der alten Heerstraße zwischen Ammerland und Münsterland und wurde dort von der Familie Olljen (sicherlich Zollpächter) am Schlagbaum vor den Schanzen und Wehren in der Nähe der Olljen-Brücke in Westerscheps im Jahre 1758 erbaut. Die Zollstation bestand aber schon seit 1428. |
||||||||
![]() |
||||||||
![]() |
![]() |
|||||||
|
links: so wird es vor einem TOLLHUUS ausgesehen haben, mitte: Info-Tafel, rechts: Das Tollhuus Oeljen-Brücke als Heimatmuseum in Wittenberge-Edewecht |
|
Leda und Jümme boten bei Hoch- und Stauwasser recht passable Wasser-Verkehrswege, zumal die kleineren Zuflüsse wie Sagter-Ems, Soeste, Aue oder Vehne weitere Verkehrsverbindungen in das Hinterland schufen. Außerdem konnten die Sandrücken als Landverkehrswege genutzt werden. So ist es nicht verwunderlich, dass an der Grenze nach Oldenburg bei Potshausen an der Leda und Stickhausen an der Jümme Zollstationen verpachtet waren. Sie boten den Zolleinnehmern ansehnliche Einnahmen. Im Jahre 1744 wurde eine „Straße“ von Moorburg durch das Moor bis Großsander gebaut (heute B 75) . Das war Anlass einer Wege-Zollverordnung vom 01. August 1744 - nächste Seiten. Selbstverständlich mussten auch hier sowohl an der oldenburgischen als auch an der ostfriesischen Seite Zolleinnehmer eingesetzt werden, die das Wegegeld „börten“. Die Zollstation bei Großsander muss auch 1822 noch gewesen sein, wird sie doch in einem Zolltarif dato erwähnt. Auch in Rhaude und Backemoor gab es Zollstationen, so dass alle Wege aus und nach Ostfriesland rundum unter Kontrolle waren. |
|
Weitere Links: Tergast Insel Presse Briefmarken Kochbuch Meine Bücher Handys, DSL etc. Uwe |
|
ENDLICH! Es ist geschafft. Diese Homepage ist nun auch als Buch mit dem Titel ZOLL UND GRENZE IM WANDEL DER ZEIT erschienen. Es hat die ISBN Nr. 9783 8370 9550 0, hat 424 Seiten, davon 45 farbig und kostet 32,80 €. Zeitungen/Redaktionen bestellen ein kostenloses Exemplar bei www.bod.de/rezensionsexemplar Sie können es in jeder deutschen Buchhandlung, auch im Internet, oder bei mir bestellen. 04924/9559800 FAX: 04924/95559801 E-Mail: jbtergast@t-online.de Sie erhalten das Buch dann innerhalb 2 - 3 Tagen vom Verlag und bezahlen die Rechnung bei mir. Buchhandlungen bestellen bei www.libri.de oder bei www.bod.de mit Remissionsrecht |
|
|
|
Die Texte, Bilder und Grafiken dieser Website sind urheberrechtlich geschützt. Jede anderweitige Nutzung bedarf der vorherigen Genehmigung des Autors, in den meisten Fällen Johann Beerens, am Ehrenmal 1, 26802 Tergast. Veröffentlichungen in Print- oder Funk-Medien nur gegen das entsprechende Honorar. Widerrechtliche Nutzung, auch auszugsweise, wird zivil- und strafrechtlich verfolgt. Hinweise darauf werden belohnt. Sollte jemand urheberrechtliche Ansprüche auf Texte, Bilder oder Grafiken dieser Homepage haben, bitte ich um Anruf, damit die Angelegenheit geklärt wird: 04924/9559800, FAX: 04924/9559801 oder jbtergast@t-online.de |
|
Gewährleistungsausschluss! Die Informationen, die ich auf meinen Websites oder bei Ebay zur Verfügung stelle, unterliegen einer ständigen Kontrolle und werden laufend aktualisiert. Es ist jedoch möglich, dass sich Daten trotz sorgfältigster Überprüfung inzwischen verändert haben. Aus diesem Grund übernehme ich keine Haftung oder Garantie hinsichtlich der Genauigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der auf diesen Seiten gegebenen Informationen. Dies gilt ebenfalls für alle Websites, auf die in diesem Auftritt per Hyperlink verwiesen wird. Ich hafte nicht für den Inhalt derartiger Seiten. |