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Auf dem Weg nach EUROPA - Zoll und Grenze im Wandel der Zeit
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Nicht vergessen, darüber sprechen, aufarbeiten
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Waren die Zöllner alle NAZIs ? ? ? ?
Um diese Frage gleich zu beantworten - „Nein“, sicherlich nein in ihrem Herzen und ihrem Denken, und doch „Ja“ - ja, weil sie es mussten, weil sie sonst ihren Beruf an den Nagel hängen und überdies mit schweren Strafen und einer Verfolgung rechnen mussten. Und auch “Ja”, weil viele Deutsche dem Führer getreu mit “HEIL HITLER” grüßten, der Zeit entsprechend gar nicht anders konnten. Und es gab selbstverständlich auch berühmt-berüchtigte Ausnahmen, wie der Zollkommissar Erich Drescher aus Leer beweist, der als NAZI-Bürgermeister der Stadt Leer von 1933 bis 1945 nicht unbedingt einen “Bärendienst” erwies. Darüber im Anhang mehr.
Sie sangen treu ihr Zöllnerlied - jedenfalls in den Zollschulen, die als Musterschulen zur Ausbildung nationalsozialistischer Beamten galten:
Wir sind des Führers Zöllnerschar im grünen Ehrenrock.
Wir stehen stets und immerdar zum Kampf für ihn bereit.
Das dritte Reich - wir helfen's baun dem großen Zöllnersohn!
Wir folgen ihm, weil wir vertraun! Wir fragen nicht nach Lohn.
Am liebsten hätte der Reichsführer der SS Heinrich Himmler die Zollverwaltungen gleich nach der Machtübernahme der NSDAP unter seine Obhut genommen. Doch dazu fehlte der Mut und dagegen gab es noch zu viel Widerstand in den eigenen Reihen. Zunächst einmal musste von „oben her“ die ideologische Ausrichtung des Beamtentums vorangetrieben werden. Am 17. Juli 1933 erging folgendes Schreiben an die Personalreferate:
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Ich halte es für unerläßlich, daß die Personalreferate in Zukunft nur mit bewährten Nationalsozialisten besetzt werden, und daß vor der Besetzung meine ausdrückliche Genehmigung eingeholt wird.
Ich ersuche, mir bis spätestens 22. Juli 1933 die Namen und NSDAP-Mitgliedsnummern derjenigen Nationalsozialisten mitzuteilen, mit denen sie die Personalreferate in ihrem a) Landesfinanzamt b) Reichsmonopolamt bereits besetzt haben oder sobald wie möglich (möglichst noch im Juli) zu besetzen beabsichtigen.
Der Reichsminister der Finanzen in Vertretung gez.: Reinhardt
Reinhardt war Staatssekretär im Reichsfinanzministerium und hat die Politik des Reichsfinanzministers maßgeblich bestimmt.
Der Finanzpräsident erließ daraufhin im August 1933 eine Verfügung an die Finanz- und Hauptzollämter:
„Die im Schlußsatz der Amtsbrettbekanntmachungen Nr. 127 von 1933 (S. 95) ausgesprochene Forderung, daß alle Entscheidungen nur nach nationalsozialistischen Grundsätzen getroffen werden dürfen, hat besondere Bedeutung für die Bearbeitung von Personalsachen.Wenn diese auch bei den Finanzämtern und Hauptzollämtern in der Hauptsache den Vorstehern selbst obliegt, so muß das Gewicht darauf gelegt werden, daß der zur Unterstützung des Vorstehers bestimmte Beamte die Gewähr nationalsozialistisches Denkens und Handelns bietet und insofern das Vertrauen der Beamtenschaft genießt. Ich ersuche um Anzeige bis zum 05.09.1933, ob das bei Ihrem Amte der Fall ist“ ....................
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Schon vorher waren Säuberungen erfolgt. Nach dem Reichstagsbrand am 27. Januar 1933 mussten alle kommunistisch gesinnten Beamten gemeldet werden. Mit Inkrafttreten des Gesetzes zur Widerherstellung des Beamtentums vom 07. April 1933 hatten die Finanz- und Zollbeamten mit Urkunden nachzuweisen, dass von ihren Großeltern niemand jüdischen Glaubens war. Am 28. Juni 1933 verbot der Reichsminister den SPD-Mitgliedern die Zugehörigkeit zur Finanz- oder Zollverwaltung. Beamte, die mit einer nichtarischen Person die Ehe eingingen, waren zu entlassen. Auch Kommunisten wurden entlassen, es sei denn, sie hatten sich in der nationalen Bewegung hervorragend bewährt. Die ideologische Kontrolle ging so weit, dass bei Beförderungsberichten auch das nationalsozialische Denken des Beamten vermerkt werden musste. Der Reichsminister für Finanzen wollte auch wissen, ob der Beamte Parteimitglied oder Mitglied einer angeschlossenen Organisation war, um sich ein genaues Bild über die Zahl der Parteimitglieder machen zu können. Aus den noch vorhandenen Listen geht hervor, dass die Beamten (bis auf wenige Ausnahmen) erst nach dem 30. Januar 1933 (Machtübernahme Hitlers) der NSDAP beigetreten worden sind.
Besser als der Zollgeschichtsschreiber EULITZ die Machtkämpfe zwischen der Reichsfinanzverwaltung einerseits und der SS unter Himmler und Heydrich andererseits in seinem Buch „Der Zollgrenzdienst“ schildert kann niemand die Vorgänge in Berlin wiedergeben. Hier also das entsprechende Zitat von Eulitz:
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Die Aufwärtsentwicklung des „Dritten Reiches“ hatte scheinbare Erfolge. Auch wenn vieles darauf hindeutete, dass die Militärmacht Hitlers durch viele Maßnahmen gestärkt wurde, so geschah doch mehr oder weniger alles unter dem Mäntelchen der braunen Infiltration. Für die Jugend war es ein Ansporn, sich in den zahlreichen Sport- und Fortbildungsgruppen zu bewähren. Dabei spielte die Hitler-Jugend mit den Untergruppen Marine-HJ, Luftsport-HJ, Fanfarenkorps und andere eine große Rolle. Wer hätte nicht gerne in der Motorsportschule Bad Gandersheim (später Zollschule) seine Fahrkenntnisse erweitert? Nur wenige wussten oder ahnten, dass schon einige Jahre später viele Kradmelder gebraucht würden. Oder wer von den Jungen wäre nicht gerne einmal zur Körperertüchtigung ins Lager Melle gefahren? Sie wussten doch nicht, dass das der Wehrertüchtigung diente. Fliegen war für alle Jungen und Mädchen der Traum.In der Segelflugschule auf Norderney wurden sie ausgebildet. Und wer war gerne arbeitslos, wenn es doch die Einrichtung des „Freiwilligen“ Arbeitsdienstes gab. Straßen- und Brückenbau, Bunker und Befestigungsanlagen dienten doch nur dazu, den Frieden zu sichern!
Es war alles heiterer Sonnenschein - der Friede in Deutschland war sicherer denn je! ? ? ? Entweder die Menschen mussten oder sie wurden mitgerissen von dem Enthusiasmus, der von oben zielsicher gesteuert wurde. Die Mehrheit durfte ja nicht merken, dass das Deutsche Reich so schnell wie möglich ein „Großdeutsches Reich“ werden sollte. Nur wenige ahnten die Katastrophe und emigrierten - oder sie verschwanden auf ein Nimmerwiedersehen in einem KZ!
Viele Zöllner waren dem Regime so verhasst, dass sie wegen ihrer offenen Kritik zum Tode verurteilt wurden, wie z.B. Zollrat Dreher in Düsseldorf, Regierungsrat Korselt in Rostock und der frühere Staatssekretär Johannes Popitz, um nur einige zu nennen.
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Der Frieden war trügerisch - wie die Stille vor einem Unwetter. Am 26. August 1939 war es so weit. Die allgemeine Mobilmachung begann, fünf Tage später wurden die Zollschranken nach Polen weggeräumt - der Krieg nahm seinen schrecklichen Anfang.
Für den Grenzaufsichtsdienst folgten schwere Zeiten. In weiser Voraussicht war schon in einer Notdienstverordnung vom 15. Oktober 1938 dafür gesorgt, dass dem Zollgrenzdienst neue Kräfte zugesichert werden konnten. Zunächst waren es Freiwillige, die als HIGA's eingestellt wurden. Doch bald wurde auch das ernst. Die Ausweitung des Einsatzes ließ automatisch den Personalbedarf ansteigen. Hinzu kam, dass die wehrtüchtigen Zöllner zur Wehrmacht eingezogen wurden. Schließlich bestand das Stammpersonal nur noch aus altgedienten Soldaten, den Zwölfendern. Eine Aufstockung durch Hilfszöllner war daher dringend erforderlich. Es gab eine Vereinbarung zwischen dem Reichsminister der Finanzen und dem Oberkommando der Wehrmacht, ab Herbst 1940 umfangreiche Rekrutierungsverfahren einzuleiten. Alle geeignet erscheinenden Männer älterer Jahrgänge wurden von den Wehrmeldeämtern erfasst. Dabei spielte der Beruf überhaupt keine Rolle. So fanden sich in den zehn Landesschützen-Ersatzbataillionen Akademiker, Handwerker, Beamte und/oder Land-/Forstarbeiter zusammen. Die Ausbildung erfolgte in „Zollzügen für den Grenzaufsichtsdienst“. Sechs Wochen übten die braven Bürger „Infanterie“. Nebenbei lernten sie zöllnerische Aufgaben kennen. Jedem Zollzug waren zwei bis drei Grenzdienstbeamte als Ausbilder zugeteilt.
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Die meisten der so ausgebildeten Hilfszöllner, genau HIGA = Hilfsgrenzangestellte wurden in der Nähe ihres Heimatdorfes einer GASt zugeordnet. So wurden zusätzliche Dienstwohnungen eingespart. Nun war es so, dass die Einwohner diese Leute besonders gut kannten und mit ihnen schnell „Freundschaften“ schlossen. Es kam aber auch vor, dass diese neugeschaffenen Zöllner mit dem Motto „Herr was bin ich und was wird noch aus mir werden“ sich aufspielten und die Bürger schikanierten. Selbstverständlich konnten die HIGA's die Stammbeamten nicht voll ersetzen, doch sie erfüllten, so ein Zeitzeuge „treu und tapfer ihre Pflicht, waren voll dem Grenzschutz zugehörig und kameradschaftlich verbunden. Sie haben sich im Einsatz immer bewährt.“
Jetzt gab es also zwei Gruppen von Zöllnern an der Grenze, was sich besonders in der Dienstkleidung abzeichnete. Die HIGA hatten Militäruniformen ohne Abzeichen. Nur an der Armbinde mit Messingschild und der Dienstmütze waren sie als Zöllner erkennbar, während die „echten“ Zöllner schicke grüne Uniformen trugen. Erst Ende 1940 erhielt die Zollgrenzschutzreserve Dienstkleidung mit Dienstgradabzeichen. Außerdem wurden alle HIGA in Hilfszoll-Betriebsassistenten umbenannt. Dienstliche Leistung vorausgesetzt, konnten sie zu Hilfszollassistenten = HiZAss mit Befähigung zum Streifenführer und zum Hilfszollsekretär = HiZS mit Befähigung zum Postenführer befördert werden. Sie waren aber nicht Beamte oder Angestellte des öffentlichen Dienstes und wurden nach der Notdienstverordnung bezahlt.
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Der Krieg forderte seine Opfer. Das spürte auch der Zollgrenzdienst.Wo deutsche Truppen die Reichsgrenze überschritten, folgte ihnen bald der Zoll. Die Zöllner waren für die Aufgaben, die eigentlich die Wehrmacht hätte übernehmen müssen, besonders geeignet, waren sie doch im „Frieden“ schon darauf vorbereitet worden. Nur ein „dünner Schleier“ blieb an den alten Grenzen, um den Personen- und Warenverkehr zu kontrollieren. Allerdings, wo kein „Krieg“ war, z.B. an der Ost- und Nordseeküste oder an der Grenze zur Schweiz wurde „normaler Dienst“ geschoben. Das Augenmerk an der Küste musste vor allem daraufgerichtet sein, dass keine Landungen von Spionen oder Saboteuren erfolgen konnten. Die Schwächung des Personals wurde durch organisatorische Maßnahmen wie Zusammenarbeit mit der Marine aufgefangen. Die Aufgabe war die Beobachtung der Vorgänge auf See und im 15 bis 20 km breiten Küstenabschnitt. Das Anladen fremder Schiffe und Fischerboote, das Ein- und Ausfliegen feindlicher Flugzeuge, das Antreiben von Minen- und Sprengbojen musste sofort an die maßgebliche Stelle gemeldet werden. Ein- und auslaufende Schiffe wurden in den Häfen und den Landeplätzen strengstens durchsucht. Der Fährverkehr zwischen dem Festland und den Inseln unterlag strengster Bewachung. Hafenanlagen, Schleusen, Schöpfwerke und Deichanlagen mussten gegen Sabotagehandlungen geschützt werden.
In Holland und Belgien waren immer wieder Umorganisationen des Zollgrenzdienstes notwendig, 1.) weil die vorrückenden deutschen Verbände größere Grenzabschnitte schufen, 2.) die Aufgaben nicht immer klar definiert waren, und schliesslich 3.) weil ab 1944 die Alliierten die deutschen Linien wieder zurückdrängten. Im Einzelnen auf diese Bewegungen einzugehen, würde zu weit führen, sie sind im „Eulitz“ nachzulesen.
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Dass in einer solchen Situatioin die personelle Verstärkung enorm zunahm, ist selbstverständlich. Aber auch das war vorauskalkuliert. Zuerst waren es nur die SS-, SA- und Stahlhelm-Mitglieder, die zu HIGAs ausgebildet wurden - im Krieg dann alle abkömmlichen Männer. Es entstanden mehrere Zollschulen und Zollhundeschulen, es wurden zahlreiche Neubauten - Zolldienstwohnungen - an der Grenzen gebaut. Für ganz besonders erfolgreiche und treue Zöllner gab es das Zollgrenzschutz-Ehrenzeichen.
Die Sollstärke des Zollgrenzdienstes betrug 1935 10.000 Mann an den deutschen Grenzen. 1939 waren es schon 17.000 und 1942 fast 60.000 Mann. Davon waren 12.857 Stammbeamte und 43.243 „Zollgrenzreservisten“ an Land und 627 Stammbeamte und 1.383 „Ergänzungskräfte“ beim Wasserzoll. Das war der Höhepunkt. Die Zahlen sanken wieder und betrugen bei der Übernahme durch Himmler 1944 knapp 50.000 Stamm- und Hilfszöllner.
Ein schwerer Schlag kam nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944. Schon rückte der Feind von Westen her auf die deutschen Stellungen vor und die Zöllner zogen sich zurück. Was Himmler schon 1933 wünschte und 1937 versuchte, konnte er jetzt ohne Widerspruch wahrmachen - der Zollgrenzschutz stand ab September 1944 in den Dienstbereich des Reichsführers der SS. So wurden die Zöllner an der Grenze plötzlich EsEsler und mussten dafür nach der Kapitulation durch Berufsverbot und dem langwierigen Entnazifizierungsprozess büßen. Die Anordnung des Großadmirals Dönitz, Nachfolger des Reichskanzlers Adolf Hitlers, vom 02. Mai 1945 kam für viele zu spät, um noch die SS-Uniformen auszuziehen oder die SS-Embleme zu entfernen. Der Zollgrenzschutz wurde mit sofortiger Wirkung - für nur sechs Tage - wieder der Reichsfinanzverwaltung angegliedert.
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Für viele Zöllner kam ohnehin alles zu spät. Bei dem Rückzug im Osten halfen sie den Flüchtlingen über die kurische Nehrung und die Haffs. Dabei gerieten sie selbst in Bedrängnis, mussten sich verteidigen, mussten sterben, gerieten in Gefangenschaft. Im Westen war die Situation nicht viel besser. Nach dem Vorstoss der Alliierten nach Nordholland sind auch viele Zollbeamte gefallen oder gerieten in Gefangenschaft. Anfang Mai 1945 wurde der Rest des Zollgrenzdienstes ins Sammellager nach der Insel Wieringen beordert, wo insgesamt 800 Zollgrenzdienst-Männer entwaffnet wurden.
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Ein Trostpflaster gab es bei den Nürnberger Kriegsprozessen. Dort wurde festgestellt, dass der Zollgrenzschutz keine verbrecherische Organisation gewesen war, weil er nur kurzfristig der SS angehört hatte.
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Ausnahmen bestätigen die Regel: ZKom Erich Drescher wurde Bürgermeister der Stadt Leer: - hier klicken
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ENDLICH! Es ist geschafft.
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Mit freundliche n Grüßen
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