Landgewinnung und Grenzziehung

Auf dem Weg nach EUROPA - Zoll und Grenze im Wandel der Zeit

Neues Land,  neue Grenze

weites Polderland

   Landgewinnung und Grenzziehung im Rheiderland

 Noch wogten die Wellen des Dollarts bis nach Wymeer und Kloster Dünebroek,  bis Bunde und Bunderhee, bis Ditzumerverlaat und Aaltukerei. Mit dem Bau der neuen Schanze auf dem langen Acker vor Bunde hatte Graf Enno III. Zugeständnisse an die Generalstaaten gemacht, aber auch durchgesetzt, dass das Rheiderland seinem Territorium Ostfriesland zugehörig als Lehen zugesprochen wurde - doch eine feste Grenze gab es noch nicht.

Die Generalstaaten beanspruchten einen großen Teil des Dollarts für sich. Auch Ostfriesland wollte so viel wie möglich von dem „guten Kuchen“ haben, den das neue Land bot. Die Westerwoldsche AA war dabei eine große Entscheidungshilfe, wurde sie doch von beiden Seiten als vorläufige Grenze angesehen. Bei der Landgewinnung jedoch waren die Niederländer immer eine Naselang früher dran. Die Ostfriesen und später die Preußen hinkten jeweils unter Zugzwang ein paar Jahre hinterher.

Mit dem Deich von Bunde nach Neuschanz (1605), wodurch das Bunderneuland gewonnen wurde, und seiner Fortsetzung auf der Hohen Kante bei Finsterwolde war schon mal ein großes Stück des Dollarts zurückgewonnen. Doch es sollte weitergehen. Die Interessenten, vor allem Bauern aus Bunde, bauten neue Lahnungen in das Watt. Das war natürlich nur möglich, wenn das Wasser das Land freigegeben hatte - also bei Ebbe/Niedrigwasser. Hinter den „Slengen“ aus Buschbündeln, mit Holzpflöcken festgehalten, lagerten sich die Sedimente ab: bei jedem Hochwasser einige Bruchteile von Millimeter. So „türmte“ sich der Schlick im Laufe der Jahre auf. War die Masse hoch genug, wurden Grüppen hindurchgezogen. Dadurch konnte das Wasser schneller ablaufen. Mit dem Aushub wurden die Anwachsäcker noch einmal erhöht. Wenn diese dann bei normalem Hochwasserstand nicht mehr überschwemmt wurden, begrünten sie sich von selbst - mit Salzgras, Rheit und anderen auf dem Schlick beheimateten Gewächsen wie Queller, Schlickgras, Andel, Sode, Strandaster, Salzspärkling oder Widerstoß. Immer höher und fester wurde der „Anwass“. Nach einigen Jahren war es schon möglich, Gras oder Heu zu ernten und Tiere darauf weiden zu lassen.

Um nun dieses angewachsene Land auch eindeichen zu können, gebrauchte man vor allem Geld - und viele Arbeiter. Heutzutage wird ein Deich mit einem großen Maschinen- und Fahrzeugpark, aber nur mit einer Handvoll Menschen gebaut oder verstärkt. Damals mussten hunderte, ja tausende von Arbeitern angeworben und eingesetzt werden. Das waren in den wenigsten Fällen Einheimische. Oft wurden Niederländer für diese Arbeiten gewonnen. Sogar aus Italien kamen die „Fremdarbeiter“, um die rheiderländischen Deiche zu bauen. Der Zeit entsprechend war das primitive Arbeitsgerät, das z.T. mitgebracht werden musste.

Anwachs am Dollart. oben links und diagonal im Bild  die Lahnungen, hinter denen sich der Schlick absetzt.

Die einfachsten Werkzeuge waren der Spaten und die Gabel. Dazu kamen die Bahre und die Karre. Später war es auch schon möglich, von Pferden gezogene dreirädrige Kippwüppen einzusetzen. Latten, Bretter und sonstiges Material zum Hüttenbau konnten billig erworben werden. Für die Versorgung mit Lebensmittel waren Marketender(innen) verantwortlich. Oft blieben die Arbeitskolonnen solange am Ort, bis der Deich fertig war, vom Frühjahr bis zum Wintereinbruch.

Streik gab es auch vor dreihundert Jahren schon, als nämlich die Herzogin Christine Charlotte im Jahre 1682 in Vertretung ihres noch unmündigen Sohnes Christian Eberhard einen weiteren Polder eindeichen ließ. Die Arbeiten begannen im April unter der Leitung des Ingenieurs Honart und des Amtmanns Reese. Die Arbeiter waren aus den ärmlichen Geestdörfern, aus Oldenburg und dem Bistum Münster gekommen.  Alles ließ sich gut an, doch als es im Mai mehr Regen als Sonnenschein gab, war es mit der Ruhe vorbei. Die Koyerdielen verhinderten zwar das Einsinken der schweren Karren, doch sie waren glatt und oft rutschte eine Ladung daneben. Weil die Arbeit aber nach Leistung (Akkord) bezahlt wurde, gab es bald keinen Lohn mehr. Plötzlich hieß es am 08. Juni: „Lawai, Lawei ....!“ Ohne das Schüren einer Gewerkschaft, ohne kontrollierte Organisation legten alle Arbeiter den Spaten nieder. Sie verlangten einen höheren Akkordlohn, und zwar 10 Gulden für eine Pütt = 1.800 Kubikmeter Erde. Nach langen Verhandlungen wurden von der Bauleitung 8 bis 9 Gulden zugestanden, je nach Entfernung von der Pütte zum Deich. Die „Diekster“ waren sich nicht einig. Weil vielen das Geld für die nötigsten Lebensmittel ausgegangen war, zogen sie nach Bunde und plünderten dort die Häuser der Bewohner.  Es gab Streit, der erst nach mehreren Tagen  unter Hinzuziehung von bewaffneten Bauern und Soldaten beigelegt werden konnte.

An der niederländischen Seite der AA wurde 1696 der Kroonpolder eingedeicht. Das hatte zur Folge, dass auch an ostfriesischer Seite wieder ein Polder entstehen musste, um die Deichlinie nicht zu sehr im Zick-Zack-Kurs und damit als empfindliche Schwachstelle im Falle eine Sturmflut verlaufen zu lassen. 1705 bis 1707 war es so weit. Jetzt war Fürst Christian-Eberhard selbst verantwortlich. Nach dem Deichrecht stand das neugewonnene Land dem Fürstenhaus zu, doch einundsechszig Bunder Interessenten machten dem Fürst das Land streitig. Sie wähnten sich im Glauben des Anwachsrechts, wonach ihre Vorfahren das Land verloren und es ihnen nun folglich zustehe. Es wurden Prozesse beim Hofgericht geführt. Verschiedene Vorschäge endeten mit einem Vergleich. Bauern und Fürstenhaus bauten und bezahlten den Deichbau zu bestimmten Teilen. Das gewonnene Land fiel z.T. dem Fürsten, zum anderen Teil den Bauern zu. So entstanden der Süder- und Norder-Christian-Eberhard-Polder und der bis nach Bundehee und Bunderhammrich reichende Bunder-Interessen-Polder. Die Entwässerung erfolgte über die AA durch ein neugebautes Siel, das spätere Oude Staten Zijl. Wieder war damit ein Stück Naturgrenze befestigt worden.

Und wieder waren die Niederländer Vorreiter, als sie 1740 den Statspolder eindeichten. Wieder gab es an der rheiderländischen Seite einen Deichabschnitt, der nicht hinreichend geschützt war.  Ostfriesland war jedoch am Ende seiner Kraft. 1744 wurde ein Machtwechsel vollzogen. Das Haus Cirksena war mit seinem letzten Fürsten Karl Edzard ausgestorben - der preußische König Friedrich der Große hatte das Land in Besitz genommen und sah sich nunmehr auch mit dem Küstenschutz und der Landgewinnung konfrontiert. Als er 1751 das Rheiderland besuchte, wurde ihm von Kammerdirektor Lentz der Verschlag gemacht, den Anwachs im Dollart und die „dasige vortreffliche Gegend selbst in höchste Augenschein zu nehmen und über das Werk zu disponieren“.

Die Königlich-Preussische Ostfriesische Kriegs- und Domänen-Kammer in Aurich hatte nämlich schon Vorplanungen unternommen, um den Deich mit den Holländern gleichzuziehen. Der Anwachs war gut gelungen und reif, so dass der Deich jetzt gebaut werden konnte. In Berlin hatte man jedoch Bedenken. Was wussten die dort an der Spree auch schon von den Nöten und Sorgen der Ostfriesen. Was kümmerte sie Deichbau und Landgewinnung und Küstenschutz. Es fehlte das Geld. Doch der König machte nach seiner Rheiderlandreise - er kam dabei allerdings nicht bis zum Deich am Dollart - die ostfrieischen Belange zur Chefsache. Sicherlich wäre er auch in das Poldergebiet gefahren, um sich an Ort und Stelle ein Bild von der wunderbaren Umwandlung des Wattenmeeres in ein fruchtbares Ackerland machen zu können. Doch die schlechten Wege - seine Kutsche blieb bei Soltborg an der Ems im aufgeweichten Klei stecken - ließen keine Fahrt an den Dollart zu. Friederikus Rex vertraute seinem Kammerdirektor und stellte schließlich 100.000 Reichsthaler als Anleihe aus der „churmärkischen Landschaftsrentey“ zu einem Zinssatz von 5 % und einer Rückzahlung in vier Jahren zur Verfügung.

Jetzt konnte die Anwerbung der Arbeiter beginnen. Überall in Ostfriesland und dem Harlingerland wurden an Kirchen und öffentlichen Gebäuden die CONDITIONES angeschlagen, in denen die Bedingungen bei der Eindeichung in Bunde bekanntgegeben wurden: 

In einem Nachsatz heißt es, dass die Kriegs- und Domänen-Cammer gerne sieht, dass das Geld im Lande bleibt und darum die Ausschreibung auf Ostfriesland und dem Harlingerland beschränkt ist.

Wer also Lust habe, an dem Deich zu arbeiten, solle sich melden. Doch so recht Lust hatten die Einheimischen nicht. Der Jemgumer Vogt meldet, dass die Arbeiter um den Verdienst fürchten und lieber nach Holland zum Mähen gehen. Darum wurden die Konditionen auch außerhalb Ostfrieslands veröffentlicht, zusätzlich mit dem Püttenmaß und dem möglichen Verdienst.

Es war schon gewaltig, was danach auf die Beine gestellt wurde. Insgesamt wurden 1.800 Arbeiter verpflichtet. Genau so viele Koyerkarren waren erforderlich, dazu 150 Räder mit und 150 Räder ohne Beschlag als Ersatz. Die Gruppen mussten ihre Hütten, in denen sie im Sommer schlecht und recht wohnten, selber bauen. Für die Inspektoren und die Hauptwache wurden fünf Hütten gebaut. Brauer, Bäcker, Lebensmittelhändler in den anliegenden Dörfern hatten Hochkonjunktur.

Viele Lasten wurden per Schiff bis zurm AA-Siel befördert, so auch Torf zum Heizen und Kochen. In der Offiziersstube, der Hauptwache, wurde ein stabiler Geldkasten aufgestellt, der Tag und Nacht bewacht war. Eine Abteilung Soldaten unter einem Leutnant und zwei Unteroffizieren, die sogar vier Kanonen mit sich führten, kamen dazu extra aus Emden. Das Geld kam in Beuteln und Tüten mit der Post von Aurich nach Bunde und wurde dort von Landbaumeister Fuchs und Ingenieur Magott übernommen. Ausgezahlt wurde in Silber- und Goldmünzen.

Preussisch exakt waren die Vorbereitungen, preussisch exakt war auch die Ausführung. Von den Arbeitern waren viele Nichtostfriesen. Die Soldaten wurden aus Bielefeld abkommandiert. Der Kajedeich, der die Baustelle vor überraschenden Überschwemmungen schützen sollte, war schon im April fertiggestellt. Er war ca. 2 m  hoch. Im Mai begannen die Arbeiten am Hauptdeich.

Die Baustelle war dabei in vier Quartiere eingeteilt, jedes hatte eine Strecke von 280 Ruthen = ca. 1.758 Meter. Vier Püttmeister hatten die Aufsicht und waren verantwortlich für die 158 Püttbaasen = je Quartier 40 Vorarbeiter. Jeder Püttbaas hatte einen Ploeg (auch Pflug = Gruppe) von neun Arbeitern unter sich. Aus den Pütten wurde die Erde für den Deich abgegraben. Jede war 20 Fuß (1 Fuß = 12 Zoll = 30,48 cm) lang und breit und vier Fuß tief. Hatte der Deich eine Höhe von 2,50 m erreicht, mussten ein oder zwei Schlichter für die richtige Schräge sorgen. Am Flügeldeich an der AA wurden Stürzwüppen eingesetzt. Gleichzeitig wurde auch der Mittelweg (heute Straße durch Landschaftspolder) angelegt und befestigt - er war aber nur bei trockenem Wetter zu befahren, wie alle Kleiwege auch.

Wo viele Menschen auf engstem Raum zusammen sind und kaum Gelegenheit haben, ihre Freizeit sinnvoll zu gestalten, gibt es auch Reibereien, Zwistigkeiten und Gewaltreibereien. Es wurden Deichholz entwendet, Karren verbrannt, Kornbranntwein gestohlen. Seitens der Aufsicht gab es da kein Erbarmen. Die Übeltäter und ihre Komplizen wurden exemplarisch hart bestraft. Nur sonntags gab es eine Abwechslung von den 14- bis 16-Stunden Arbeitstagen. Ein Kandidat Kleene predigte, wie auch in den CONDITIONES versprochen, insgesamt 18 mal und erhielt dafür 54 Reichsthaler.

Sturm und Regen blieben auch in diesem Sommer 1752 nicht aus. Mehrmals wurde der Kajedeich beschädigt. Karren und Dielen trieben weg und wurden ruiniert. Die Pütten liefen voll Wasser. Der Boden war glitschig, die Erde sehr schwer. Die Arbeiten mussten immer wieder unterbrochen werden. Die Witterung sorgte für eine Verzögerung des Deichbaus um mehrere Wochen. Das brachte natürlich unvorhergesehene Unkosten.

Dieksterarbeit ist harte Arbeit

„... und daß trotz allerhand Widrigkeiten der Deich noch so gut zustande gekommen ist ...“  heißt es im Abnahmeprotokoll Anfang Dezember 1752, in dem aber auch  die noch vorhandenen Mängel aufgeführt sind. In den Jahren 1753 und 1756 wurde der Deich noch erhöht und verstärkt und musste 1760 noch einmal repariert werden, weil eine Sturmflut viel Erde weggespült hatte.

Der preußische Staat hatte mit dem Deichbau keine Fehlinvestition getätigt. Schon in der Abschlussrechnung ergab sich ein Plus von fast 6.000 Reichsthaler.... 1755 wurde der neue Polder für nahezu 300.000 Reichsthaler an Privatpersonen und die Ostfriesische Landschaft verkauft, so dass die königliche Kasse ganz schon abkassierte. Zuerst hieß der Polder auch „Preußenpolder“, wurde dann aber in „Landschaftspolder“ umbenannt. Wieder war damit ein ca. 2 km langer Grenzabschnitt „von Wasser zu Land“ geworden.

Die Dollarteinbrüche hatten zwar dem Rheiderland viel Land gekostet, das nachbarliche Groningerland jedoch musste noch mehr Boden lassen. Dort hatte sich das Wasser hinter Termünten bis weit nach Westen ein Bett gegraben, das im Süden auf der Linie Scheemda, Midwolda und Finsterwolde begrenzt wurde. Alleine dieses Gebiet war ca. dreimal so groß wie das rheiderländische Überschwemmungsterrain. Die Niederländer begannen schon im 16. Jahrhundert Land „anwachsen“ zu lassen und Deiche zu bauen. Sie drängten den Dollart in 200 Jahren um mehr als zweidrittel zurück. Gleichzeitig war ja auch vom Süden her Land gewonnen worden. Ende des 18. Jahrhunderts musste dann an der rheiderländer Grenze ein Stop eingelegt werden, weil die Anwachse der späteren Finsterwolder- und Reiderwolder-Polder noch nicht reif genug waren.

in der Pütte

die ersten Pflanzen

Die Koyer-Karre. Es fehlen die Koyer-Bohlen, die oft sehr glitschig waren.

Im Osten wurde noch Ende des 18. Jahrhunderts eine neue Eindeichung versucht. Es war nur ein schmaler Gürtel Anwachs, der jedoch fast doppelt so lang wie der Landschaftspolderdeich ist. War es nun Unvermögen? Oder wollte man schneller als die Natur es erlaubte wieder ein Stück Land gewinnen? Jedenfalls wurde der 1793 gebaute Deich zu weit ins Vorland gesetzt. Er brach bei den nächsten Sturmfluten. Der Anwachs wurde dadurch zwar fester, doch zum Bau eines neuen Deiches fehlte das Geld. Erst 1795 fanden sich neue Interessenten aus ganz Ostfriesland unter Leitung von Landbaumeister Frantzius, die einen neuen Deich bauen ließen. Es waren elf Unternehmer, die die gewonnenen Flächen erwarben und den Polder nach dem königlichen Staatsminister Freiher von Heinitz „Heinitzpolder“ benannten. Sie bauten sogar einen schiffbaren Kanal und ein Siel zur AA, so dass eine Wasserverbindung zum Dollart und damit zur Ems bestand.

Bei der Flutkatastrophe im Februar 1825 wurde der Deich noch einmal zerstört. Viele Länderein, Häuser, Scheunen und alles Vieh ging verloren. Die Menschen wurden von dem mutigen Landwirt Aapkens aus Landschaftspolder, der mit seinem Boot neunmal über die drei bis vier Meter hohen Fluten fuhr, aus höchster Not (sie saßen auf den Kornböden oder auf den Dächern) gerettet. Es waren hohe finanzielle Opfer erforderlich, um den Deich 1826 wieder instand zu setzen. Er wurde 1863 noch um einen Meter erhöht.

Die Polder:  fruchtbare Felder und Äcker

Für das von Deichen eingeschlossene Rheiderland ist die Entwässerung dringend erforderlich. Die natürlichen Vorfluter, die Ems im Osten und die Westerwolder AA im Westen, sorgen für den Abfluß in die Nordsee. Bevor die Deiche kamen, floß das Oberwasser durch die Priele ungehindert ab. Diese Abflußgräben wurden nach dem Deichbau als Entwässerungsgräben ausgebaut. An den Mündungen entstanden Siele - zuerst aus Holz, später aus Stein und Beton. Die Sieltore funktionieren fast automatisch. Sie werden bei Niedrigwasser vom abfließenden Wasser aufgedrückt. Steigt das Wasser bei Flut wieder an, schließen sich die schweren Eichentote von selbst.  Diese Technik nutzte man auch nach der Eindeichung der Polder aus.
Ein schwieriges Problem war für ein 5578 Hektar großes Niederungsgebiet im südwestlichen Rheiderland zu lösen. Zunächst konnte noch in den Dollart direkt entwässert werden. Mit zunehmender Landgewinnung „entfernte“ sich der Dollart. Das Wasser mußte zuerst in die AA geleitet werden. Mit der Zeit schaffte das Flüßchen die Wassermassen nicht mehr, wurde doch auch das Wasser aus den niederländischen Poldern und dem neugewonnenen ostfriesischen Land dorthin geleitet. Oft standen wegen des Rückstaus die niedrigen Ländereien bei Wymeer und Boen unter Wasser. Mit der Landgewinnung wurde das Oude Zijl von Neuschanz weiter nördlich verlegt, und auch das Oude Statenzijl lag bald zu weit im Festland. Es entstand das Nieuwe Statenzijl. Für die rheiderländische Entwässerung war das zu spät.
Inzwischen hatte man auf niederländischer Seite den Finsterwolder Polder (1819) und  den Reiderwolder Polder (1862 = 1. Teil und 1874 = 2. Teil) eingedeicht. Nun war man an der rheiderländer Seite wieder am Zug. Da aber die Entwässerung nicht mehr in die AA erfolgen konnte (oder von den Niederlanden nicht mehr gebilligt wurde), baute die Combinierte Wymeerer Sielacht von Wymeer entlang der Grenze einen neuen Entwässerungskanal, den Wymeerster Sieltief. Um die Höhenunterschiede zu überwinden, wurden Schöpfmühlen - später Schöpfwerke - zwischengeschaltet.  Der Kanal verlief von Heinitzpolder durch das Anwachsland am Dollart bis nach Pogum. Mit der anfallenden Erde konnte noch einmal ein Deich von Neustaatensiel bis Dyksterhusen gebaut werden. So entstanden zwei Bauwerke gleichzeitig: der fast 20 km lange Wymeerster Sieltief mit dem Siel bei Pogum und der ca. 1.000 ha große Kanalpolder.   zu diesem Thema siehe auch Wymeerer Sieltief

Eine besonders interessante Stelle des Wymeerster Sieltiefs ist bei Landschaftspolder zu sehen. Dort sind die AA und der Kanal nur durch einen Damm voneinander getrennt, wobei der Wasserspiegel der AA etwa 2 m über dem des Sieltiefs steht.
Bild: AA und Sieltief
Auch dieser letzte Dollartdeich forderte 1877 seine Opfer. Bei einer Sturmflut ertranken 31 Italiener. Sie wurden auf dem Friedhof in Ditzumerverlaat beigesetzt.
Die Niederländer schufen noch 1878 an der nördlichen Ecke den Kirchhofspolder und von dort bis Neustaatensiel im Jahre 1924 den Corel Coenroods Polder. Das Vorland sowohl vor Holland als auch vor dem Kanalpolder ließe schon jetzt wieder eine Eindeichung zu. Der Dollart jedoch steht in seiner ganzen Ausdehnung unter Naturschutz, eine Landnahme ist daher ausgeschlossen. In den drei Jahrhunderten wurden dem Dollart alleine im Rheiderland 4.800 Hektar wertvollstes Ackerland abgerungen - unter schweren finanziellen und menschlichen Opfern. Gleichzeitig wurde damit ein neuer Grenzabschnitt mit einer Länge von etwa 12 km geschaffen, die vor allem nach dem Meppener Grenztraktat von 1824 immer mehr an Bedeutung gewann. 

Der letzte Grenzstein im Dollart bei Neustaatensiel

In “Eiszeiten” musste der Dollart von den Zollgrenzbeamten besonders überwacht werden.  Schmuggler versuchten, über das Eis Waren von Holland nach Deutschland zu verbringen.

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Johann Beerens Freier Journalist und Buchautor
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Ich habe gestern mein Buch Nr. 124605 zum Druck freigegeben. Nun erscheint auf meinem Desktop im Hintergrun d das Cover des Buches groß, aber fast unlasbar. Das muss da wieder weg. Wie mache ich das?

Mit freundliche n Grüßen

Johanna Beerens, Tergast

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