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Als Friedrich der Große 1751/52 den preußischen Polder eindeichen wollte, gebrauchte er dafür ca. 1.500 Arbeiter. In den „Conditiones bey der Königlich-Preußischen Eindeichung zu Bona in Ostfriesland“ wurde um die Männer geworben - in Ostfriesland genau so wie im Oldenburger Land und dem Emsland.
Doch es war nicht einfach, die vorgesehene Zahl der Arbeitskräfte zu bekommen. Lieber, so heißt es in den Berichten, gingen die Männer in das Groningerland und verdingten sich dort als Grasmäher oder Torfgräber, weil dort in der Saison mehr zu verdienen sei als bei der Knochenarbeit im Klei.
Die Geschichte der „Hollandgänger“ geht in das 17. Jahrhundert zurück. Schon damals zogen im Frühjahr tausende von Männern, manchmal auch Frauen, gen Westen, um dort Arbeit und Brot zu suchen. Damals war die nordwestliche Region ein aufblühendes Land - die Hafenstädte in Amsterdam zogen die Arbeitskräfte aus den ländlichen Gegenden ab. So gab es vor allem im Frühjahr und Sommer in den Provinzen genügend Arbeit für die „Moffen“ oder „Poepen“, wie die Deutschen abfällig genannt wurden. Im Mai und Juni musste das Gras gemäht werden, das ganze Jahr hindurch wurde in den Hoch- und Niederungsmooren Torf gegraben und getrocknet. Besonders aus den dazumal noch sehr zurückgebliebenen Landstrichen um Osnabrück, Cloppenburg, Emsland und Vechta sammelten sich im Frühjahr die einzelnen Trupps. Je weiter sie zur Ems und weiter zur Grenze vorrückten, je größer wurden die Kolonnen. 20.000 bis 30.000 Menschen waren unterwegs. Sie kannten zwar keine Autoschlangen, doch an Staus fehlte es dennoch nicht. An den Fähren mussten sie oft stunden- oder gar tagelang warten, bis sie endlich übergesetzt wurden. An der Grenze wurden zwar nicht die privaten Waren kontrolliert, aber die Pässe mussten in Ordnung sein.
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Wegen der ausgedehnten Moorgebiete entlang der deutsch-niederländischen Grenze waren die Hollandgänger gezwungen, feste Routen zu benutzen. Eine nördliche Route verlief durch einen engen Korridor zwischen dem Dollart und dem Bourtanger Moor nach Groningen und Westfriesland. Die Hollandgänger aus dem Niederstift Münster, Südoldenburg, dem Raum Diepholz, dem Stift Osnabrück und der Grafschaft Lingen trafen sich an der Emsfähre bei Lingen. Von dort aus zogen sie durch die Grafschaft Bentheim entlang der Vechte bis Hasselt oder Kampen und dann mit dem Schiff hinüber nach Amsterdam oder in die Provinz Noord-Holland.
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Die Hollandgänger verrichteten in den Niederlanden unterschiedlichste Tätigkeiten in vielen verschiedenen Berufen. Die meisten kamen aus der Landwirtschaft und arbeiteten in den Niederlanden als Grasmäher oder als Torfstecher. Die Grasmäher, in Holland spöttisch auch „Hannekemaaier" (= Johann der Mäher) genannt, zogen hauptsächlich in die Weidegebiete von Nord-Holland und Friesland. Ihre Saison dauerte, je nach Witterung, fünf bis sieben Wochen. Saisonbeginn war die Woche nach Pfingsten. Die Arbeit war außerordentlich anstrengend und dauerte von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, im Juni also bis zu 16 Stunden. Akkordarbeit war die Regel. Die noch anstrengendere Arbeit der Torfgewinnung fand meist in abgelegenen Gebieten statt, wo man sich nur schlecht verpflegen konnte, unzureichende Unterkünfte zur Verfügung standen und mangelhaft hygienische Bedingungen herrschten. Die Löhne wurden erst zur Mitte der Saison ausgehandelt und erst zu deren Ende ausbezahlt. Dadurch erhielten die Torfunternehmer einen erheblichen Vorteil gegenüber den unorganisierten Arbeitern.
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Männer beim Grasmähen und Torfstechen
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Hollandgang nannte man den alljährlichen Zug tausender Wanderarbeiter aus Norddeutschland zur Saisonarbeit in die Niederlande, insbesondere in die Provinzen Holland und Friesland. Die Hollandgänger waren hauptsächlich Heuerleute, also besitzlose Landarbeiter, die auf einen Zuverdienst angewiesen waren. Aber auch Kleinbauern, Handwerker, Knechte, Mägde und Bauernsöhne waren darunter. Sie fanden in den Niederlanden Arbeit als Grasmäher in der Landwirtschaft, als Torfgräber und Gärtner, als Seeleute beim Heringsfang und Walfang sowie auf den Handelsschiffen der Vereinigten Ostindischen Kompagnie (VOC). Auch im handwerklichen Bereich gab es Beschäftigung für Ziegler, Stukkateure, Maurer und Zimmerleute. Andere Deutsche zogen als Soldaten in die Niederlande und Frauen fanden dort Arbeit als Dienstmädchen oder Arbeiterinnen in den Leinenbleichereien.
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Während in Holland nach dem Ende des Unabhängigkeitkrieges (1568- 1648) ein goldenes Zeitalter begann, litten weite Teile Nordwestdeutschlands unter den Folgen des 30 Jährigen Krieges. (1618-1648) Die Landarbeiter in Holland wanderten in der Industrie ab, wo es bessere Verdienstmöglichkeiten gab. So kam es, das Männer aber auch Frauen, (sogenannte Hollandgänger) aus den Nordwesten, in der Saisonzeit in der Landwirtschaft, nach Holland zur Arbeit zogen. Es waren vor allem Heuerleute und Kleinbauern. Während die Männer zum Grasmähen und Torfstechen eingesetzt wurden, einige verdingten sich auch als Walfänger, arbeiteten die Frauen als Haushaltshilfen und Waschfrauen. Um auf dem Heimweg, wenn die Hollandgänger den Lohn dabei hatten, vor Überfällen sicher zu sein, aber auch wohl aus Geselligkeit wanderten sie in Gruppen. Einer der Treffpunkte war der Breitenstein von hier ging es über Fürstenau, Freren, Lingen, wo die Ems überquert wurde, nach Holland zur Arbeit.
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Unter den Hollandgängern waren Kleinbauern, Heuerlinge, Landarbeiter und Dienstboten. Auf dem bis zu 300 km langen Fußmarsch schleppten sie ihr Arbeitsgerät, ihre Kleidung und Lebensmittel mit. Vor allem Speck war im Gepäck, der mit der Zeit wohl ranzig wurde, dessen Fett aber ausgelassen warm getrunken die nötige Kraft und Energie für die schwere Arbeit gab. Aus dem Fürstentum Lippe kamen die Wanderziegler, die auf den groningschen Tichelwarken arbeiteten. Da war z.B. ein Johann Friedrich Conrad Plöger. In seinem internationalen Reisepaß Nr. 149 ersucht das Fürstlich Lippische Amt am 06.April 1827 „im Namen des Durchlauchtigsten Fürsten zu Lippe alle Civil-und Militärbehörden (den Paßinhaber) fry und ungehindert nach Gröningen und zurück reisen zu lassen, ihm auch nöthigenfalls Schutz zu geben“. In dem Paß waren alle möglichen Merkmale angegeben, die die Indentität des Inhabers unverkennbar zeichneten. Plöger blieb allerdings nicht in Groningen, sondern landete schließlich in Jemgum.
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Die meisten „Moffen“ kamen in der Landwirtschaft unter. Das Grasmähen geschah im Akkord, jeder mußte mit jedem mithalten, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Nur sonntags war arbeitsfrei. Bei solchen Strapazen schieden die Schwächeren bald aus. Sie wurden „nach Hause“ geschickt, was wiederum nicht einfach war. Oft waren sie ausgemergelt oder krank und konnten den Heimmarsch nicht überstehen. Sechs bis acht Wochen dauerte diese Schufterei, bis endlich das Geld ins Säcklein fiel. „Welterfahren“ kamen sie im Sommer zurück und markierten daheim den „Dicken Willi“. Von den Rheiderländischen Hollandgehern weiß man, daß sie mit blauen „Fiefschaften“, ein besonders gewebter Wollstoff-Rock, mit roten Aufschlägen bekleidet waren.
Sehr viel schwerer und ungesünder als das Grasmähen war das Torfgraben. Bekamen die Landarbeiter wenigstens noch ein Zubrot von ihrem Arbeitgeber, so mussten die Moorarbeiter sich selbst verpflegen. Manchmal hatten sich mehrere „Kumpels“ zusammengetan und mittels eines Kreiwagens = Bollerwagen Proviant mitgenommen. Sonst aber mußten sie sich das Nötigste kaufen, wozu sie meistens zu geizig waren, wollten sie doch möglichst viele Gulden heimbringen. Arbeiten mußten die Torfgräber im knietiefen Wasser der Niederungsmoore. Wer „Glück“ hatte, bekam eine Stelle im feuchten Hochmoor. Die Unterkünfte waren feucht - Lungenentzündungen, Rheumatismus und Gicht waren die Folge. Krankenversicherungen gab es allerdings nicht, auch keine Krankenhäuser. Der Heimtransport der zu „Krüppelfuhren“ zusammengefaßten „Siechen“ war eine Qual. Viele haben diese Tortur nicht überlebt.
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Rheiderländer Kleinbauern gingen nach Groningen und den umliegenden Ortschaften, um die „Muffkoppen“, so wurden die Holländer genannt, zu „perlefinken“, d.h., um ihnen landwirtschaftliche Erzeugnisse, vor allem Federvieh, zu verkaufen. In dieser Zeit bot der Sielbaas von Papenburg B.G.Erpenbeck durch eine Anzeige im Westfälischen Mercur eine Dampferroute für die Hollandgänger vom Drostensiel in Papenburg nach dem niederländischen Delfzijl an.
Auch vor dem ersten Weltkrieg zog es junge Menschen ins benachbarte Holland, um sich dort als Knecht oder Magd zu verdingen. Neske Davids aus Weener arbeitete auf einer Groninger Plaatse. Sie sagt dazu: „In Holland gafft alltied 'n bittje mehr. Hau = Schläge = heb'k dor, so as bi uns buren, noit kregen. Un 'n Rad gafft bito.“ (In Holland gab es immer etwas mehr. Schläge wie bei unseren Bauern habe ich nie bekommen. Und ein Fahrrad gab es gratis).
Es gab aber nicht nur den Grenzverkehr hinüber, sondern es kamen auch niederländische Tagelöhner nach Deutschland. So gab es einen Hendrik van Lennum in Bourtange, der jahrelang in Walchum arbeitete. Jahraus, jahrein lief er jeden Morgen außer sonntags über die Sand-und Plaggenwege zu Arbeit, die oft bis zu 12 Stunden dauerte. Abends kehrte er müde und erschöpft nach zweistündigem Marsch in sein Heimatdorf zurück.
Auf einem Notgeldschein aus dem Jahre 1922 steht „War in der Heimat bittere Not, in Holland gab's Verdienst und Brot.“
Das war auch eine Epoche im Grenzland!
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Während in Holland nach dem Ende des Unabhängigkeitkrieges (1568- 1648) ein goldenes Zeitalter begann, litten weite Teile Nordwestdeutschlands unter den Folgen des 30 Jährigen Krieges. (1618-1648) Die Landarbeiter in Holland wanderten in der Industrie ab, wo es bessere Verdienstmöglichkeiten gab. So kam es, das Männer aber auch Frauen, (sogenannte Hollandgänger) aus den Nordwesten, in der Saisonzeit in der Landwirtschaft, nach Holland zur Arbeit zogen. Es waren vor allem Heuerleute und Kleinbauern. Während die Männer zum Grasmähen und Torfstechen eingesetzt wurden, einige verdingten sich auch als Walfänger, arbeiteten die Frauen als Haushaltshilfen und Waschfrauen. Um auf dem Heimweg, wenn die Hollandgänger den Lohn dabei hatten, vor Überfällen sicher zu sein, aber auch wohl aus Geselligkeit wanderten sie in Gruppen. Einer der Treffpunkte war der Breitenstein von hier ging es über Fürstenau, Freren, Lingen, wo die Ems überquert wurde, nach Holland zur Arbeit.
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Hollandgänger-Denkmal in Neuenkirchen
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Einige Hollandgänger konnten es nicht lassen. Wenn Sie den Heimweg antraten, mussten sie unbedingt auch Tee, Kaffee und Tabak mitnehmen - oft auf Schleichwegn, um keinen Zoll bezahlen zu müssen. Wurden sie erwischt, war oft der ganzee, schwerverdiente Lohn dahin.
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Diese Brücke bei Lingen wurde 1811 gebaut. Sie löste die Fähre über die Ems ab. Hier querten viele Hollandgänger den Fluss.
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Johann Beerens Freier Journalist und Buchautor Am Ehrenmal 1 26802 Moormerla nd-Tergast
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Johanna Beerens, Tergast
jbtergast@t-online.de
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