Die Polizei des Bundes - BSG

Auf dem Weg nach EUROPA - Zoll und Grenze im Wandel der Zeit

Die Polizei des Bundes - der Bundesgrenzschutz

Gerade hatte die Bundeszollverwaltung an der innerdeutschen Grenze ihre Behörden - HZA, ZGKom, und GASten - eingerichtet; noch patrollierten die Alliierten in ihren Jeeps - die Weißhelme mit schußbereiter Mpi - entlang der Zonengrenze; noch begrüßten die Zollstreifen die „Kumpels“ von der anderen Seite mit Handschlag; noch saßen Zöllner und Volksgrenzpolizisten gemeinsam auf Postierung und tauschten Erlebnisse vom Barras aus, noch kamen Frauen und Mädchen, Männer, Greise, Kinder auf bundesdeutsche Seite, um Pilze und Blaubeeren zu suchen - plötzlich wurde eine neue „Truppe“ in MTW (Mannschaftstransportwagen) an die Demarkationslinie zur Ostzone gekarrt. Zu zehn oder noch mehr in einer Streife trampelten sie durch den Wald - sie hatten keine Ahnung von den Gepflogenheiten, die hier seit einiger Zeit gewachsen waren. Sie kamen für zwei oder drei Stunden, machten alles „platt“, was vorher noch freundschaftlich funktioniert hatte, und waren wieder verschwunden.
Die Zöllner waren nicht gerade gut auf die „Polizisten vom BGS“ zu sprechen. Verächtlich wurden sie die „Bundesfeuerwehr“ genannt, vielleicht auch deswegen, weil der Zoll im Bundesgrenzschutz eine Konkurrenz witterte.
Das alles hat sich längst geändert. Auch an der Zonengrenze dauerte es nicht lange, da gehörten die Bundesgrenzschützler zum gewohnten Bild im täglichen Einmaleins entlang des Todesstreifens. Als nach Stalins Tod und dem Aufstand in der DDR am 17. Juni 1953 der Grenzbezirk in der DDR  noch besser befestigt wurde und die ersten Stacheldrahtzäune entstanden, wurde die Grenzaufsicht von Zoll und BGS gemeinsam - allerdings nicht koordiniert - durchgeführt. Jede Truppe machte eben seinen Kram alleine

Einige Logos der Bundespolizei

Der Bundesgrenzschutz - die Polizei des Bundes - begründet seine Existenz aus Art.. 87, 1 + 2 des Grundgesetzes, wonach durch Bundesgesetz Bundesgrenzschutzbehörden eingerichtet werden können. Am 10. Juli 1950 legt der Bundesinnenminister dem Bundeskanzler den Plan zur Errichtung von BGS-Behörden vor. Nachdem die Außenministerkonferenz der drei Westmächte der Bundesrepublik die Polizeigewalt übergeben hatten, wurde  in den Ländern die Bereitschaftspolizei aufgebaut und auf Bundesebene das Gesetzgebungsverfahren für den BGS eingeleitet. Am 22. März 1951 trat das Gesetz über den Bundesgrenzschutz und die Einrichtung von Bundesgrenzschutzbehörden in Kraft. Im § 1 heißt es: „Zur Durchführung des Bundesgrenzschutzes werden in bundeseigener Verwaltung Bundesgrenzschutzbehörden eingerichtet. Sie unterstehen dem Bundesinnenminister. Sie gliedern sich in Mittel- und Unterbehören.“
Die Sollstärke war zuerst auf 10.000 Mann festgelegt, wurde aber schon bald auf 20.000 Mann erhöht. Am 28. Mai 1951  stellte sich der BGS zum ersten Mal  der Öffentlichkeit vor. Der Aufbautrupp war 1.800 Mann stark und  in St.Hubertus sowie in Lübeck stationiert.
Inzwischen ist der Bundesgrenzschutz zu einer Einheit mit vielfältigen Aufgaben herangewachsen. Die ersten „Gehversuche“ an der Zonengrenze und ein Einsatz in Aachen zur Bekämpfung des Schmuggels (es wurden 1.581 Schmuggler aufgegriffen, davon erhielten 1.478 eine Anzeige. Die beschlagnahmten Waren hatten einen Wert von 655.884,- DM) folgten bald spezifische grenzpolizeiliche Aufgaben und Sicherungsdienste. So wurde 1952 der Paßkontrolldienst in den BGS übernommen. Als der BGS 1956 zum Aufbau der Bundeswehr herangezogen wurde, wechselten 593 Offiziere, 2898 Unterführer und 6.081 Grenzjäger in die Bundeswehr.
Hier einige weitere Stationen im Wachsen des Bundesgrenzschutzes:    www.bundespolizei.de

Grenzschutz-Fachschule mit staatlich anerkanntem Abitur; Hubschrauber - Flugbereitschaft; 64 Lastkraftwagen transportierten 578 Millionen Deutsche Mark in das rückgegliederte Saarland; Unterstützung der Länderpolizei anlässlich des EUROPÄischen Weltkongresses in München, bei den Olympischen Spielen in München, der Fussballweltmeisterschaft, Demonstrationen bei einigen Kernkraftwerken und anderen Gelegenheiten, bei Atommüll-Transporten nach Gorleben; Einsatz bei Schneekatastrophen in Norddeutschland, Bruch des Elbeseitenkanals, Hochwasser- und Überschwemmungen sowie Sturmfluten; Einrichtung neuer BGS-Einheiten zu Wasser (See) und Luft (Hubschrauber und Flieger); Großfahndungen: Baader-Meinhoff und anderen Terroristen, Absperrung der Grenze nach Holland wegen Entführung Schleyers 1977,  jüngstes Beispiel: Einsatz in Bad Kleinen (Mecklenburg); Aufbau der Spezial-Einheit „GS 9“, die vor allem bekannt wurde durch die Befreiung von 86 Geiseln aus der Lufthansamaschine „Landshut“ auf dem Flugplatz Mogadischu;  Sicherung der Amtssitze des Bundspräsidenten, des Bundeskanzlers und vieler Minister, sowie Personenschutz in- und ausländischer Persönlichkeiten; Sicherung des Regierungsviertels in Bonn, vor allem des Deutschen Bundestages; UNO-Polizei-Einsatz in Namibia; Hilfe bei Übernahme und Registrierung der Grenzgänger aus der DDR; Sicherung auf vielen Deutschen Flughäfen; grenzpolizeiliche Kontrolle in vielen Bundesländern; Sicherheitsmaßnahmen auf Stationen der Deutschen Lufthansa; Anschluß an die vollautomatische, rechnergesteuerte Polizeifernschreibvermittlung und an die Datensichtstation der Grenzdienststellen vom Zoll und BGS; Einstellung von Beamtinnen, die sowohl im Polizeivollzugsdienst als auch in der Betreuung von Grenzgängern, Flüchtlingen oder Asylanten eingesetzt werden.

Die Palette der Aufgaben des Bundesgrenzschutzes ist sehr groß - eingefügt in den  Dienst  der Zollbeamten  hat sich der Paßkontrolldienst, später Grenzschutz-Einzeldienst. Die „Blauen“ waren auch an den Grenzübergangsstellen an der Deutsch-niederländischen Grenze keine Unbekannten. Als übertragende Aufgabe hatte zwar auch der Zoll die Personenkontrolle im grenzüberschreitenden Verkehr übernommen und führte dies an den kleinen Übergängen pflichtgemäß durch. An größeren Übergängen wie in Bunderneuland oder Bad Bentheim brachten die Paßbeamten jedoch eine willkommene Arbeitserleichterung für die Zöllner.
Bild:  Paßkontrolle
Ende 1947 errichtete die britische Militärregierung den „Deutschen Paßkontrolldienst“ mit Hauptsitz in Bünde/Westfalen, die 1950 mit der Forderung, den Paßkontrolldienst auf Bundesebene einzurichten, in die Verantwortung der deutschen Behörden überging. Ihre Aufgabe war die Paßnachschau an den Bundesrepublikanischen Grenzen, um das Bundesgebiet gegen verbotene Grenzübertritte zu schützen und evt. Rechtsbrecher dingfest zu machen. 1952 wurde der Paßkontrolldienst in den BGS integriert, 686 Beamte wurden übernommen. Als „Blaue“ stachen sie in ihrem Erscheinungsbild von den „Grünen“ farblich merklich ab. Zu dem dunkelblauen, zweireihigen Anzug wurde ein grau-blaues Hemd mit blauer Krawatte getragen. Die Schirmmütze war mit Eichenkranz und Kokarde „geschmückt“, eine Metallansteckplakette wies die Beamten als Paßkontrolleure aus

 

Einige Jahre später erhielten die Passbeamten ebenfalls die grüne Uniform des Bundesgrenzschutzes. Ein Ärmelband mit der Aufschrift „Grenzschutzeinzeldienst“ - so hieß dieser Zweig des BGS inzwischen -  kennzeichnete die Passbeamten unterschiedlich von den anderen Grenzschutzbeamten. Wie die Polizei tragen diese Beamte im Dienst eine weiße Mütze. Weil der GSE = Grenzschutzeinzeldienst mehr und mehr Aufgaben auch an nicht ständig besetzten Grenzübergangsstellen wahrnehmen musste, war eine technische Ausrüstung wie Kraftfahrzeuge, Funkgeräte ect. unumgänglich.
1968 wurde vom Bundesrechnungshof die Auflösung des GSE wegen Unwirtschaftlichkeit gefordert. In einem Gespräch zwischen dem BmdI  und dem BmdF  vereinbarten die Minister unter Ablehnung der Auflösung einen Versuch zu starten, in dem geprüft werde,  ob Beamte der Zollverwaltung und des GSE Aufgaben der jeweils anderen Verwaltung wahrnehmen könnten. Die Zöllner waren schon „eingefleischte“ Paßwächter - ob die Bundesgrenzschützler auch Zollabfertigungen durchführen konnten? Sie waren dafür doch nicht ausgebildet. Es muß geklappt haben, denn immer noch sind die Beamten des GSE im Amt.
Es wäre wahrscheinlich auch nicht gut gewesen, den BGE (Abkürzungs-Name wurde geändert?) aufzulösen. Nur wenige Jahre nach der Forderung und dem Zoll/BGE-Versuch setzte sowohl die Terrorwelle als auch der Schmuggel mit Drogen und Waffen ein. Die Minister der Finanzen und des Innern entschieden, daß Zoll und BGE im Personalverbund gemeinsam arbeiten sollten. Hinzu kommen die besonderen Fahndungseinheiten, die Verkehrskontrolltrupps und die Überwachung und Sicherung des grenzüberschreitenden Verkehrs auf den Flughäfen. Die Erfolge drücken sich in Zahlen aus: 1990 wurden 116.182 Aufgriffe erzielt und 17.763 Festnahmen durchgeführt. unten: die neuen Uniformen der Bundespolizei, auch Beamtinnen gehören dazu

viele Infos und Bilder über den BGS finden Sie auf www.bensie.de   meinegraueSeite  

Immer mehr wird die Grenzschutz.direktion zur Führungskraft der Grenzpolizei in Bayern, der Wasserschutzpolizei in Bremen und Hamburg sowie des Zollgrenzschutzes. Am 01. Januar 1993 zogen die Zöllner von den europäischen Grenzen ganz ab, seit dem 26. März 1995 üben die „Polizisten des Bundes“ den Kontrolldienst alleine aus. An den Grenzen nach Osteuropa und der Drittländer werden sie mehr denn je gebraucht 

Mit ihren schnellen Kreuzern sichert der BGS die Deutschen Küsten an Nord- und Ostsee, bekannt ist die Fernsehserie Küsteenwache.

copyright für Bilder:  Wikipedia, OFD Hannover und Autoren, u.a. DARKONE

Grenzübergang Bunderneuland - all anners waarn

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