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Auf dem Weg nach EUROPA - Zoll und Grenze im Wandel der Zeit
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Die Grenze links der Ems
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Links der Ems liegt das weite Bourtanger Moor. Es erstreckt sich von der Grafschaft Bentheim im Süden bis weit in das Rheiderland/Ostfriesland. Es bildete eine natürliche Grenze zwischen zwei Völkern, die jedoch im Mittelalter in enger Verbindung standen. Wege hin- und herüber gab es kaum, und diese konnten auch nur von Landeskundigen gefunden werden. Entlang der Ems verlief auf einem Geestrücken von Münster bis Weener die Friesenstraße - ähnlich wie rechtsemsisch die Königsstraße. Wer jedoch nach Groningen wollte, musste entweder durch das Marschgebiet des Rheiderlandes oder konnte Sanderhebungen von Haren-Landegge-Tange und TerApel oder südlich von Rhede über die Bourtange nach Winschoten gelangen. Letztere begann (oder endete) an der Emsschleife zwischen Heede und Rhede.
Die heutigen „NIEDERLANDE“ gehörten ebenfalls zum Kaiserreich von Aachen. Die Regalien waren dem Bischof von Münster übertragen, der diese, wie auch in Friesland, wieder als Lehen vergab. Noch mehr als hier gab es bei den westlichen Nachbarn feindliche Aufregung. Fast alle Unruhen werden von demselben Geiste des Auflehnens der bürgerlichen Macht gegen die geistliche Oberherrschaft geleitet. Das Volk erwachte schon sehr früh zum Bewusstsein seiner Rechte und Stärke. Es wollte sich das willkürliche, oft alle Humanität verletzende Schalten der fürstlichen und geistlichen Beamten nicht länger gefallen lassen. Wenn diese Bewegung auch nicht gleich gegen das Land an der Ems gerichtet war, so blieben doch Rückwirkungen nicht aus.
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Schauplatz vieler blutiger Kämpfe waren vor allem Drente und Groningen, wo zwischen der Bevölkerung und den bischöflichen Beamten Neid, Eifersucht und Mißtrauen herrschte.
Seit dem Jahre 1118 begannen die Groninger selbstständig zu denken und zu handeln. Die Einwohner wollten ihre Stadt erweitern und auch befestigen. Sie begannen mit dem Bau einer Stadtmauer. Das aber wurde von dem Bischof untersagt. Er ließ das Mauerwerk niederreißen. Als der Bischof danach nach Rom gereist war, nutzten die Groninger seine Abwesenheit. Alle Einwohner mussten anfassen und mithelfen, die hohen Mauern wieder herzustellen. Die Kirchen wurden als Material- und Waffenlager genutzt. Doch der Bischof gab nicht nach. Aus Rom zurückgekehrt, ließ er das Werk abermals niederreißen.
Blutige Fehden fanden auch zwischen dem Grafen Otto von Bentheim und dem Bischof von Utrecht oder zwischen Groningern und Friesen statt. In einem erbitterten Kampf im Jahre 1227 bei Koeverden erlitten die bischöflichen Truppen eine höchst blutige Niederlage in den Morästen. Dabei wurde Bernard von Horstmar erschlagen und der Bischof selbst, ein Graf von der Lippe, gefangen genommen und nach barbarischer Mißhandlung enthauptet.
In dieses Gewirr paßt wohl auch der Reim von Sebastian Brant aus dem „Narrenschiff“ (1497):
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Man schätzt die Priesterschaft gering,
als ob sie wär ein kleines Ding.
Drum findet man jetzt junge Pfaffen,
die nicht mehr können als die Affen,
und Seelsorg nehmen Leut auf sich,
denen man kaum vertraut ein Viech.
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Im Norden des Bistums Münster, das seit 1464 auch Reichsgrafschaft Ostfriesland war, hatte man an der linksemsischen Seite keine Zeit und auch wohl keinen Grund, sich kriegerisch zu messen. Hier galt es, den Kampf gegen den 'Blanken Hans' zu bestehen. Nicht nur, daß man bei Sturmfluten alle Hände voll zu tun hatte, es mussten auch die Deiche verstärkt und unterhalten werden. Das Rheiderland reichte dazumal noch weit in das westliche Land hinein. Noch heute sind überall im östlichen Groningerland Hinweise auf das Rheiderland zu finden. R(h)eiderland gehörte zu den „vier Ummelanden“, einem vertraglich abgesicherten Verbund mit Groningen. Heute grenzt die Gemeinde Reiderland NL an die Gemeinde Bunde D an.
Man musste sich also hier der Tatsache zuwenden, dass die Nordsee sich immer weiter ins Land fraß. Die ersten großen Sturmfluten von 1170 und 1277 brausten über die gerade gebauten Deiche und rissen weite Landstriche mit sich fort. Der Kampf war sehr hart. Viele Niederlagen und immer größere Einbrüche ließen den Mut schließlich sinken. Auch konnten die Bewohner, weil ihr Land sehr oft unter Wasser stand, keine Abgaben mehr bezahlen. Sie verarmten und wurden stupide. Die Stadt Torum, das Kloster Palmar (und andere), viele große und kleine Ortschaften versanken in den Fluten. Zahlreiche Menschen sind dabei ertrunken, viele flüchteten auf die nahen Gasten bei Bunde, Möhlenwarf und Winschoten.
Anfang des 15. Jahrhunderts besannen sich die Menschen wieder. Nur durch Einigkeit könnten sie das Einbrechen des Dollarts Einhalt gebieten. So beschlossen die Einwohner aus dem Oldtamt und dem Reiderland, einen Deich von der AA-Mündung bis nach Finsterwolde zu bauen. Man opferte dadurch zwar noch einige Dörfer, würde dann aber sicher leben. Der Plan mißlang. Ab 1507 gebärdete sich die Nordsee wild und unberechenbar. Deichbrüche waren an der Tagesordnung. Immer mehr Land wurde überflutet. Das Wasser drang bis nach Bunde und Wymeer, Bellingwolde und Winschoten vor. Bunde konnte mit Schiffen aus Emden angelaufen werden.
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Um das Jahr 1545 wurde wieder ein Versuch unternommen. (siehe auch LANDGEWINNUNG) Der Deich von Termünten bis Finsterwolde hielt auch stand, der erste Polder war geschaffen. Es folgten dann auch schnell andere Landgewinne, so 1603 das Bunderneuland und weiter westlich die Eindeichung bis nach Finsterwolde. Bis Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Dollart in seine jetzigen Schranken verwiesen. Ein gemeinschaftliches Werk der - jetzt würde man sagen niederländischen und deutschen Behörden - R(h)eiderländer, damals noch als ein Volksstamm vereint. Über die Landgewinnung am Dollart wird noch eingehend berichtet.
Interessant ist zu wissen, daß das Rheiderland in den Lehnsbriefen von 1454 (gefälscht) und 1464 (echt) nicht ausdrücklich zu Ostfriesland gehörig erwähnt ist. Sicherlich war es auch wirklich nicht ostfriesisch, denn das Volk war ja mehr nach Groningen orientiert. Außerdem wollte man beim Auricher Hofe nicht so recht wissen, dass da ein Land zu ertrinken drohte - man hätte ja helfen müssen. Wenig Mitgefühl zeigten sogar die „Binnenländer“, obgleich auch sie betroffen waren. Da gab es einen reichen rheiderländischen Grundbesitzer mit Namen Tidde Wynengha, der auch zu Hilfeleistungen am Deich aufgefordert wurde. Seine Antwort:
„Laat doch myn Land overlopen, so hoch as een Speer.
Dat is mi leever, as dat ik de Dyken weer upbau.“
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STURMFLUTEN
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Der Dollart hatte kein Erbarmen. Tidde's Land, Boden und Haus wurden weggerissen und als verarmter Mann starb Tidde schließlich im Kloster Palmar. Wieviel mehr mögen die Herren des Grafenhauses sich gewehrt haben, den Rheiderländern zu helfen. Aurich war weit weg von Fletum und Torum, von Janßum und den vielen untergegangenen Dörfern im Dollart.
Erst im Jahre 1600, als Graf Enno III. von Kaiser Rudolf II. erneut belehnt werden sollte, stellte dieser, vorgetragen von dem Freiherrn Wilhelm zu Inn- und Knipphausen, den Kantzler Thomas Frantzius und dem Rat Peter de Vischer, den Anspruch auch auf das Ober- und Niederrheiderland als der Reichsgrafschaft zugehörig. Wie das Grafenhaus in Aurich das Rheiderland sah und beurteilte, geht aus den Akten des Haus-, Hof- und Staatsarchivs in Wien hervor:
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Hierunter sollen Ew. Kayserliche Majestät wir krafft habenden Bevehls unterthenigs berichten, das eine Insula zu der Grafschaft Ostfriesland gehörig, welche Reiderlandt genennet wirdt, dieselbe ist vor anderthalb hundert und mehr Jahren durch die Gewalt des Mehres ertrencket und als ein verloren Werckh gehalten worden. Als aber dem Allmächtigen Gott gefallen, selbe Insulam wiederumb herfür zu bringen und aus der Überfluthe des Wassers zu erlösen. So haben die Graffen von Ostfriesland in ihrem möglichen vleiß nichts lassen ermangeln damit durch demmen und deichen der Natur geholfen und diese Insula zu ihrem vorigen Standt möchte gebracht werden. In maßen dann ein zimlich groß Stücke daran errettet worden und große Hoffnung vorhanden, wann der Dollart (also wirdt der Ort genennet, da der erste Einbruch geschehen und das Wasser nachmalen sein größte Macht hat) sollte bezwungen werden, wie man gentzlich verhoffet, des alsdann diß orts die Grafschafft Ostfriesland und das hl. Reich an ihren Grentzen merklich zu verbessern.
Ob nun wol die regierenden Herren Graffen zu Ostfriesland diese Insulam vor erdenklichen Jahren auch ehe und zuvor sie zum gräfflichen Stand erhöhet, als ihr frey Guet ohne Jemandes Einspruch und Widerrede beseßen, genützt und gebraucht und solches von aller Lehensgerechtigkeit befreiet gewesen, wie auch noch. Si ist demnach unseres gnädigen Herrn eigentlicher Wille und Meinung, wann es mit Ew. Kayserlichen Majestät gnädigster Beliebung zugehen konnte, daß seine Gnaden auch dieses Reiderland Ew.Kay.Mt. Und dem heiligen Reiche zu Lehen auftragen und unterthenigs bitten wollte, daß solches ausdrücklich dem itzigen Lehenbrieff möchte einverleibet werden.
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Hatte sich also bis dahin das Grafenhaus wenig um das Reiderland und seinem Kampf gegen den 'Blanken Hans' gekümmert, so wollte es jetzt, nachdem die Bauern sich selbst geholfen und der Deich von Bunde bis nach Finsterwolde fast fertig war und das Land „die Insulam aus der Überfluthe des Wassers zu erlösen“ wieder zum Vorschein kam, Besitz davon ergreifen. Die weiteren Einpolderungen (Kap. 14) sagen schon mit ihrem Namen, dass die Reichsgrafschaft Anspruch daran erhob (Charlottenpolder und Christian-Eberhard-Polder sind Namen aus der Grafenfamilie).
Kämpfte man im Norden gegen das Wasser, so versuchten im Süden des Rheiderlandes geldische Truppen nach Ostfriesland vorzudringen. Herzog Karl von Geldern verbündete sich mit Balthasar von Esens, der als Feind des Grafen Enno von Ostfriesland galt. Bis Jemgum waren die Gelder schon vorgedrungen. In der St. Sixtus-Kirche, die vor dem Ort gelegen war, prächtig und der Zeit entsprechend mächtig gebaut, verschanzten sich bis an die 2.000 kriegslüsterne Söldner. Von hier aus beherrschte Karl nicht nur große Teile des südlichen Rheiderlandes, sondern auch die Ems. Der Druck der Fremdherrschaft aus den Niederlanden war so groß, daß die Bewohner große Not litten.
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Im Oktober 1533 meinte nun Graf Enno II. von Aurich, die Feinde mit einem wuchtigen Schlag vertreiben zu können. Er machte alles mobil, was irgend zu erreichen war. Viele ritterliche Kriegsmannen aus den verschiedenen Häuptlingshäusern des Landes boten ihre Gefolgschaft an. Über 15.000 bewaffnete 'Krieger' waren zur Befreiung des Rheiderlandes auf den Beinen.
Es war von vorne herein ein verlorenes Unterfangen. Die Friesen waren in der Massenkriegskunst unerfahren, es fehlten die Haudegen als gewandte und umsichtige Führer. Das Gelände - nur ein verhältnismäßig schmaler Marschrücken an der Ems, der zur Herbstzeit einigermaßen trocken war - eignete sich überhaupt nicht für eine großangelegte Schlacht. Von Oldersum und Petkum kommend, setzten die Heerscharen über die Ems und sammelten sich bei Hatzum. Von dort ging es über den Emsdeich in Richtung Süden. Die Wehrkirchen in Critzum und Midlum, die Warften Boomborg, Coldeborg und Eppingawehr verwandelten sich in Heerlager, bis dann am 12. Oktober 1533 zum Kampfe geblasen wurde.
Im langgestreckten Zug näherten sich die Truppen, allen voran Graf Enno und sein Bruder Johann, dem Flecken Jemgum über den Tjaddeweg. Doch die geldrischen Mannen waren auf der Hut. Sicherlich hatten sie den Aufmarsch beobachtet und somit die Verteidigungslinie vor Jemgum aufgebaut. Sie brachten es nach kurzem Gefecht fertig, die angreifende Vorhut zu verwirren und in die Flucht zu schlagen. Anstatt nun mit dem ganzen Landesaufgebot nachzustoßen, zögerten die nachrückenden Kolonnen und zogen sich zurück. Nur mühsam entkamen Enno und Johann den feindlichen Kriegern. Es war ein Viasko, eine entsetzliche Niederlage. Von der Vorhut bedeckten 400 ritterliche Streiter das Feld oder sie ertranken in den Fluten der Ems.
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Fatal für die rheiderländische Bevölkerung. Sie war noch mehr als sonst dem Übermut der Besatzer preisgegeben. - Die Gelder müssen später panikartig das Land verlassen haben (vielleicht eine neue Sturmflut?), denn Eggerik Beninga sagt.
„... se leten de braden by dem vuyr liggen“.
Es rumorte in den westlichen Landen von Spanien, Frankreich und den Niederlanden bis hin ins deutsche Reich. Luther hatte 1517 die 95 Thesen an die Schloßkirche zu Wittenberg geschlagen. Seitdem ging ein Sinneswandel in der Bevölkerung um. Kaiser und Könige wehrten sich zwar verzweifelt und meinten, die Erneuerung mit Waffengewalt dämpfen und bekämpfen zu können. Gewaltige Heerscharen zogen von Süden nach Norden, um vor allem das Gären und Brodeln an der Nordseeküste zwischen Friesland, Amsterdam und Antwerpen zu bestrafen.
Ein teuflisch verbohrter Feldherr trat unter Karl V. seinen Dienst an und konnte so ungehindert sein Unwesen treiben: Herzog Fernando ALBA, Alvarez de Toledo, spanischer Feldherr, Politiker und Oberbefehlshaber der kaiserlichen Heere. Unter König Philipp II., der die spanische Weltherrschaft anstrebte und das Alleinbestehen des Katholizismus wollte, hatte Herzog Alba freie Hand in seiner Kriegsführung, auch als durch den Verlust seiner Frau und seines Sohnes Philipps Willen und Macht sehr geschwächt wurde. Alba marschierte in den sechziger Jahren des 16. Jahrhunderts nach Norden, wo die Protestanten unter Wilhelm von Oranien immer mächtiger wurden.
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Wieder wurde das Rheiderland zum Kriegsschauplatz. Bei Heiligerlee hatte Ludwig von Nassau sich noch der spanischen Armee erwehren können. Doch die Übermacht war zu groß. Mit seinen 6.000 Mannen flüchtete er in das südliche Ostfriesland in der Meinung, im deutschen Reich sicher zu sein. Doch er kam nicht ganz in das Gebiet, das ihm Schutz hätte gewähren können. Die Ems lag dazwischen. Weil das westliche Rheiderland bis Wymeer vom Dollart überflutet war, konnte er nur über den Geestrücken Wymeer-Weener und weiter über den hohen Kleigürtel entlang der Ems bis nach Jemgum ausweichen. Ludwig hatte sich dadurch selbst gefangen gesetzt, denn nach Norden oder Osten verhinderte die Ems ein Weiterziehen.
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Mit 17.000 Mann rückte Herzog Alba nach, der als tüchtiger, erfahrener und unerschrockener Kriegsführer seine Taktik wohl überlegte. Während er einen Teil seiner Streitkräfte vom Tjaddeweg angreifen ließ, umklammerte er mit der Hauptmacht den Flecken vom Deich her. Das Gemetzel in und um Jemgum kostete 2.000 Nassauer Soldaten das Leben. Es heißt, die Ems führte in diesen Tagen nur noch rotes Wasser. Ludwigs Truppen wurden, soweit nicht getötet, in alle Winde zerstreut.
Fast wäre es auch noch zu einem barbarischen Morden der einheimischen Bevölkerung gekommen. Alba war unberechenbar zornig auf die Jemgumer, weil sie seinen Feinden Unterschlupf gewährt hatten. Er wollte die Frauen, Kinder und alte Menschen, die in dem alten Johanniter-Kloster (Jemgum-Kloster) Zuflucht gesucht hatten, dem Flammentod preisgeben. Im letzten Augenblick konnte sein Sohn ihn beruhigen und seinen Vater von der teuflischen Tat abhalten. Den Rheiderländern traf dennoch die Last des Siegers hart - nicht nur, dass das Dorf teilweise zerstört war. Albas Soldateska nahm auch noch 18.000 Stück Pferde und Rinder (Wert: 300.000 Gulden) als Kriegbeute mit. - Noch heute ist in Jemgum das ALBA-Haus zu „bewundern“.
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Denkmal in Heiligenlee
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An der Westküste wurde der Widerstand gegen die spanischen Herrscher immer stärker. Es heißt, die Bewohner stachen sogar ihre Deiche durch, um die Feinde zu ersäufen und das Gelände unwegsam zu machen. Die Geusen drangen mit ihren flachbodigen Schiffen in die Wattpriele und Flußmündungen ein. Sie erhielten dabei Unterstützung von den Engländern, die den Freiheitskämpfern Unterschlupf in ihren Häfen gewährten. Während Herzog Alba Generalkapitän des katholischen Gebietes wurde und immer grausamer gegen die „Ketzer“ vorging, schlossen sich die protestantischen und calvinistischen Provinzen - sieben an der Zahl, nämlich Holland, Seeland, Utrecht, Geldern, Friesland, Oberyssel und Groningen (dazu gehörten auch die Vier Ummelanden mit dem Rheiderland) - zur Utrechter Union, den Generalstaaten, zusammen. Damit war der erste evangelische Staat entstanden.
Südlich von Ostfriesland und dem Rheiderland begann das Brualer Moor, das nach Süden hin immer breiter und breiter wurde. Es folgte ohne Übergang das Bourtanger Moor, das bis hin nach TerApel/Lingen eine unüberwindliche Grenze bildete. Es verhinderte jedes Durchkommen, vor allem aber war eine Verbindung der Menschen hüben und drüben ausgeschlossen. Wären nicht die Fürsten, Grafen und Bischöfe gewesen, die nach immer mehr Land und Privilegien trachteten, hätte sich wahrscheinlich im Westen ein Leben abgespielt, von dem münstersche oder ostfriesische Geschichtsschreiber kaum etwas erfahren hätten.
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Der Bischof Ludwig von Hessen, der 1316 das Münsterland beherrschte, vergrößerte seine nördlichen Besitzungen auch in Richtung Westen. Wie schon angedeutet, verlief durch das schier unüberwindliche Moor ein schmaler Sandrücken, die Bourtange genannt. Hier war es möglich, in den Bezirk um Westerwolde zu gelangen. In der Nähe des Zollamtes Neurhede steht noch heute ein steinernes Kreuz mit der Inschrift: DODE MAN. Der Stein soll im 14. Jahrhundert zu Ehren einer männlichen Leiche, die auf der Bourtange gefunden wurde, gesetzt worden sein. In dieser Zeit wurde Westerwolde mit den Kirchspielen Onswedde, Vlagtwedde, Wedde, Sellingen und Lohe dem Bistum Münster einverleibt.
Im Jahre 1400 nahm der Bischof Otto IV. von Münster die Brüder Hayen und Bohlen Addings,die Söhne von Eggen Addings und Häuptlinge in Westerwold, unter seinen Schutz und seine Jurisdiktion. Die Häuptlinge verpflichteten sich, gegen Antheil der Beute den Amtleuten des Emslandes Heeresfolge zu Fuß und zu Roß zu leisten. Im Jahre 1459 räumten die Addings dem Bischof von Münster die Burg in Wedde als 'OPEN HUS' ein. Der Bischof konnte dort mit seinem Gefolge zu jeder Zeit einkehren und von dort seine Geschäfte in Westerwolde erledigen.
War das Ende des 14. Jahrhunderts politisch schon sehr bewegt, so war wohl auch der liebe Gott gegen die Menschen im Emsland. Eine längere Regenperiode, die sich verheerend auswirkte, machte den Menschen zu schaffen. Diepenbrock schreibt.“In der Natur zeigte sich eine ungewöhnliche Aufregung. Sturm, Fluten, Mißwuchs und Pest erhoben abwechselnd ihre schwere Geißel gegen das Emsland.“ Die Folge war eine Teuerung, die von der Allgemeinheit gar nicht, von den Bessergestellten kaum zu bewältigen war. Eine Last Roggen kostete 75 Gulden. Das war das zehnfache des gewöhnlichen Preises. Als 1490 eine Tonne Roggen für 5 Gulden kaum zu haben war, fuhren die Bürger aus Meppen, Haselünne und Oithe nach Emden, um dort Roggen und gebackenes Brot zu kaufen. 1492 folgte dann ein trockenes Jahr, wovon Beninga spricht: Nochtens vorhengede de Almachtige, dat idt een schon fruchtbar jaer van Koren, Boter unde Kese gewest, un woll tho vergelden,“ und zum trockenen, ebenfalls fruchtbaren Jahr 1497 heißt es weiter: „Men schulde nich bidden um regen, schoon dat de droogte oock so groot wurde, dat eenen de scharde upden Koppe burste ( man sollte nicht um Regen beten, auch wenn die Trockenheit so groß wird, dass einem die Schwarte auf dem Kopf birst).“
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Dem kriegerischen Bischof Heinrich von Münster ärgerte schon lange die Tatsache, dass die emsländischen Schiffe, fuhren sie an Emden vorbei, dort mindestens drei Tage wegen des Emder Stapelrechts festgehalten wurden. Hinzu kam, dass die Zollabgaben sehr drückten. Besonders ärgerlich für den münsterschen Bischof war natürlich, dass die einstmal münsterschen Besitzungen durch List der Hamburger dem bischöflichen Drosten Imel entzogen worden waren und nachher, als sie den Besitz nicht länger halten konnten, nicht an Münster zurückgaben, sondern dem ostfriesischen Grafen Edzard I. übertrugen.
Mag es nun aus List und Tücke oder aus reiflicher, kaufmännischer Überlegung gewesen sein - der Bischof schmiedete den Plan, das Stapelrecht in Emden zu umgehen. Dafür sollte ein Kanal von der Ems, angefangen in der Nähe von Heede, bis nach Groningen gebaut werden. Die Stadt Groningen, die ebenfalls nicht gut auf Emden zu sprechen war, unterstützte den Plan. In einer Urkunde, die darüber geschrieben wurde (abgedruckt bei Diepenbrock), werden auch die Zollbestimmungen für die den Kanal befahrenden Schiffe festgehalten. Danach war für die Groninger und die münsterländischen Waren nur der halbe Zolltarif zu entrichten. Außerdem wollten beide Parteien für den wechselseitigen Schutz bei der Benutzung des Kanals eintreten und die Unterhaltung übernehmen, sollte der Kanal verschlammen.
Man hatte sich wohl etwas zu viel vorgenommen. Von der technischen Seite wären die Groninger sicherlich in der Lage gewesen, auch einen so langen Schifffahrtsweg zu bauen, zumal die Trasse einigermaßen eben verlief. Das große Werk begann auch 1483, doch es dauerte nicht lange. Die Arbeiten wurden zunächst unterbrochen, dann ganz eingestellt. Das Geld reichte nicht hin und nicht her. Oder waren es die politischen Gegensätze, die zum Scheitern der gestellten Aufgabe führten?
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Bischof Heinrich von Schwarzenberg, Bischof zu Münster, war offensichtlich durch seine vielen Kriege, die er nicht nur gegen Ostfriesland, sondern auch gegen „Feinde“ aus dem Osten, wie Bremen, Oldenburg und Tecklenburg, führte, finanziell am Ende. So verkaufte er kurzerhand die Westerwolder Kirchspielen an Groningen für 2.000 Gulden. Später wurde das Geld alledings zurückgegeben, so dass Westerwolde münstersches Gebiet blieb - vorläufig.
Raub, Wegelagerung, Plünderung, Brandschatzung und sogar Mord war um die Jahrhundertwende (1500) an der Tagesordnung. Vor allem die Ritter, Grafen und Herzöge erheischten auf diese Art ein Vermögen. Nur dadurch konnten sie ihren aufwendigen Lebenswandel und die kostspieligen Feldzüge kreuz und quer durchs Land finanzieren. Ein solcher Raubritter war auch der Herzog von Geldern, den wir schon bei dem Kampf um Jemgum kennengelernt haben. Im Jahre 1518 hatte er, nach räuberischem hin und her, dem Grafen Nikolaus von Tecklenburg geholfen, der in Lingen eingedrungen und dort von Bischof Eric verdrängt worden war. Lingen wieder einzunehmen. In den Jahren danach setzte sich der Herzog von Geldern auch im Groningerland fest und entriss dem münsterschen Bischof einen Teil seines Gebietes.., nämlich das ganze Westerwolde mit dem offenen Haus Wedde, sowie Bellingwolde und viele andere Besitzungen. Für den Bischof von Münster war es wegen des breiten Moores schwierig, seine Besitzungen zu schützen, gab es doch wie gesagt nur einen schmalen Weg dorthin: die Bourtange.
Das wusste natürlich auch der kriegswütige Herzog von Geldern. Er besichtigte zusammen mit Martin von Rossum und Bernt von Hackfort die Bourtanger Enge und ließ dort zur Befestigung und Bewachung eine Blockhütte errichten. Dadurch war der einzigste Weg durch das Moor gesperrt. Das Blockhaus wurde später zur Festung ausgebaut. Westerwolde war damit aber wieder von Münster abgetrennt. Selbst Kaiser Karl V. gelang es nicht, das Land zurück zu bekommen. Als sich später die Generalstaaten selbstständig machten, blieb Westerwolde für immer für Münster verloren.
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Das Schloss Wedde in Westerwolde/Holland
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ENDLICH! Es ist geschafft.
Diese Homepage ist nun auch als Buch mit dem Titel
ZOLL UND GRENZE IM WANDEL DER ZEIT
erschienen. Es hat die ISBN Nr. 9783 8370 9550 0, hat 424 Seiten, davon 45 farbig
und kostet 32,80 €.
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Johann Beerens Freier Journalist und Buchautor Am Ehrenmal 1 26802 Moormerla nd-Tergast
Ich habe gestern mein Buch Nr. 124605 zum Druck freigegeben. Nun erscheint auf meinem Desktop im Hintergrun d das Cover des Buches groß, aber fast unlasbar. Das muss da wieder weg. Wie mache ich das?
Mit freundliche n Grüßen
Johanna Beerens, Tergast
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