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Ein genaues Bau- oder Entstehungsdatum für Kirchen und Klöster, Burgen und Schlösser, Festungen und Schanzen ist in den meisten Fällen nicht festzustellen. Städte und Dörfer datieren ihr Alter nach der urkundlichen Ersterwähnung, obwohl sicher ist, dass auch schon davor menschliche Siedlungen vorhanden waren. Die Kirchen wurden oft von wandernden Mönchen gebaut, wie z.B. die Zisterzienser, die ihre Ziegelei neben der Baustelle errichteten und oft Jahre gebrauchten, um ein Bauwerk fertigzustellen. Manchmal ritzten sie in die Steinrohlinge ein Datum oder ein Zeichen, doch diese geben auch nur ein ungefähres Alter an. An Hand der „Kloster“steine kann man in etwa feststellen, welche Kirche zu welcher Zeit von welchen Mönchsbauleuten erstellt wurde. Ein Schloss hat ebenfalls kein Tag der Grundsteinlegung, des Richtfestes oder der Übergabe, sondern ist meistens auch in Epochen ausgebaut, so wie vor dem Dom die kleine Kapelle und vor der Festung nur ein Blockhaus vorhanden war. Ebenso erging es den Schanzen an strategisch bedeutenden Stellen - je nach Bedarf wurde aufgebaut, befestigt oder wieder geschleift.
Die Zeitbestimmung einer Schanze ist somit auch schwer nachzuvollziehen. Der Schutz eines Ortes, eines Bezirks oder einer Region richtete sich nach dem Kriegsgeschehen. Rund um Ostfriesland entstanden in der Grafen- und Fürstenzeit unzählige solcher Bollwerke, die einmal in der Hand der Friesen, ein ander Mal von den Nachbarn besetzt waren. Uns sollen nur einige der Schanzen interessieren, die Bedeutung an der niederländischen, oldenburgischen und münsterländischen Grenze erlangten.
Wie sagt doch Beninga für das Jahr 1379 so schön:“...so is erfunden dorch enen monnick, mit metalen un iseren instrumenten to scheten und kruit, dat den klot der bussen voert drifft, to maken erdacht..........und so voert bussen laten smeden und geten und jegen oren vianden gebruiket und de moertlichen instrumenten (dorch des duvels capellaen erfunden ) int werck gestellt“.
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Bevor man dieses Teufelszeug, nämlich Schießpulver (Kruit), Pistolen, Musketen und Kanonen (bussen) kannte, bauten die Häuptlinge hohe Gebäude, die sogenannten Steinhäuser. Diese waren meistens nur zu Verteidigungszwecken und zum Schutz der Insassen gedacht, während die Eigentümer in Friedenszeiten auf ihren Höfen wohnten. Die Steinhäuser, die oft als „Wehr“turm am Rande des Dorfes standen, wurden - wenn möglich - auf einer Anhöhe errichtet. Sie waren mit einem Wassergraben umgeben und hatten Zinnen, aus denen Angreifer mit Steinen beworfen oder mit anderem Material abgewehrt wurden. Vom Kellergewölbe bis zu den oberen Stockwerken gab es keine Treppe. Die Belagerten zogen durch eine Luke die Leiter hoch - so war es den Angreifern schwer möglich, die Insassen zu erreichen. Gleichzeitig boten diese Steinhäuser Schutz gegen Hochwasser, sollte es einmal über den damals noch niedrigen Deich strömen.
Das bekannteste Steinhaus, das noch erhalten geblieben ist, steht in Bunderhee. Es stand ursprünglich am Dollart und hatte somit Zugang zur Ems und zur Nordsee. Bis vor kurzem war dort die ostfriesische Orgelakedemie untergebracht. Ein weiterer „Turm“ wird als Pfarrhaus in Stapelmoor genutzt.
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Er war wohl der Zufluchtsort, zusammen mit sechs weiteren Steinhäusern und der Kirche, für die Bewohner Altstapelmoors, das weiter östlich zur Ems hin in der Niederung lag. Weitere Steinhäuser gibt es noch in Niebert, Groningen und Haselünne. Viele dieser Steintürme sind, als sie nicht mehr gebraucht wurden, umgebaut oder geschleift, wie z.B. die Türme der Pape-Borch, Stürmünster in Völlen und so viele andere in Ostfriesland, dem Groningerland und dem Münsterland. Oft wurden die Steinhäuser zu Burgen oder auch zu Bauernhäusern umgerüstet, wie z.B. die „Burg“ in Hatzum. Der Häuptling, später Ortsvorstehr und Bürgermeister, wollte und musste etwas „besseres“ bieten, wollte repräsentativ wohnen. Durch die vielen Kleinkriege und Raubzüge reich geworden, konnte er sich ein Haus aus Steinen erlauben, was dem gewöhnlichen Volk damals noch verwehrt war. Ortsnamen verraten heute noch, dass fast zu jedem Dorf ein Häuptlingssitz mit -borg gehörte, wie z.B. Coldeborg zu Critzum, Boomborg zu Hatzum, Weekeborg zu Ihrhove entlang der Ems; oder mit -wehr, wie Gerdswehr, Bettewehr, Hösingwehr u.a. in der Krummhörn. Als Verteidigungsanlagen waren die Burgen jedoch kaum zu gebrauchen, weil die Brüstung nach außen fehlte.
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Anders dagegen die Feste Bourtange auf der Linie Heede-Neurhede-Wedde. Wir haben schon anderweitig diesen schmalen Sandhügel erwähnt, der die einzige Verbindung von Ost nach West durch das weite Moor bildete. Die Tunge (Zunge) oder Tange (Sandzunge) war besonders eng und erlaubte zuerst nur ein kleines Blockhaus zur Befestigung. Prinz Wilhelm von Oranien übetrug 1580 dem Obersten Diderik Sonoy den Übergang durch das Moor an der Stelle zu befestigen, wo nur zwei Karren aneinander vorbeifahren konnten. Es wurde ein Fünfeck abgesteckt, ein Graben ausgehoben - und weiter kam man nicht. Erst dreizehn Jahre später (1593) begann Graf Wilhelm Ludwig von Nassau mit dem Ausbau und der Verstärkung der Schanze. Ende September bestand sie die erste Bewährungsprobe, als der Spanier Franzesko Verdugo mit 5.000 Mann Fußvolk und 1.400 Reitern von Westen her angriff. Die nur geringe Besatzung widerstand dank des Moores zu beiden Seiten. Verdugos Truppen mussten wieder abziehen, weil sie nach Einsetzen des Regens im Morast zu versinken drohten. Als die Spanier sich 1594 ganz aus dem Groningerland zurückzogen, sah man von Westerwolde aus die Gefahr aus dem Osten kommen. Die Münsteraner hatten schon lange ein Auge auf das Land jenseits des Moores geworfen. Die Schanze wurde deshalb an der Ostseite durch weitere Bastionen und Gräben erweitert, was sich besonders im dreißigjährigen Krieg vorteilhaft und sehr nützlich erwies.
Die Niederländer hatten inzwischen auch begonnen, die Moore auszutrocknen, um dadurch Kulturland zu bekommen ( nach diesem Vorbild schuf Diedrich von Velen die älteste Moorkolonie Deutschlands, die heutige Stadt Papenburg). Die Festung Bourtange geriet dadurch in Gefahr, auch von der Moorseite angegriffen werden zu können. Es wurde daher ein Deiche- und Gräbensystem angelegt, um wenigstens das Land rundum Bourtange im nassen Zustand zu halten. Ein Vorgang, das den Bauern zwar nicht gefiel, der Festung aber gerade in dieser Kriegszeit zugute kam. Es wurde sogar eine Redoute, der sogenannte Bakoven, angelegt, um die Bauern an ein Durchstechen des Deiches zu hindern. Wurde die Vernässung nicht gebraucht, konnte das Wasser an der Ostseite der Redoute durch eine Schleuse(Siel) abfließen.
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Ende des 16. Jahrhundert bis fast zum Ende des 17. Jahrhunderts tobten an der jetzt deutsch-niederländischen Grenze heftige Kämpfe. Die Niederländer sprechen von einem „8ojährigen Krieg“ (genau: 1572 bis 1648) an deutscher Seite gab es in diesem Zeitraum den „30jährigen“ und später noch zwei münsterländisch-niederländische Kriege. Beteiligt daran waren neben den Ostfriesen, den Münsterländern und Groningern auch die Spanier. In dieser Zeit wurde wohl auch, wenn auch noch nicht offiziell, die Grenze abgesteckt.
Inzwischen waren die Waffen besser konstruiert, die Reichweite der durch Pulver abgefeuerten Geschosse erheblich gesteigert. Mit einer Muskete konnte vor 400 Jahren schon 66 Rheinländische Ruten (x 3,77 m) = fast 250 m weit geschossen werden. Kanonenkugel flogen nicht viel weiter, richteten durch ihre Schwere und Wucht aber größeren Schaden an. Die Steinhäuser und Burgen wären gegen diese Feuerwaffen nicht mehr sicher genug gewesen. Schanzen aus Erdwällen zu ebener Erde dagegen waren an strategisch günstigen Punkten die Alternative.
Betrachtet man die Standorte der Schanzen, so stellt man schnell fest, daß die natürlichen Gegebenheiten ausschlaggebend für die Anlage waren. Im Süden war es das große Bourtanger Moor. Es gab nur wenige Sandrücken, über die die Moraste überwunden werden konnten und die eben auch entsprechende Verteidigungsanlagen erhielten. Weiter nach Norden bestimmten die Flussniederungen die Kampflinien, konnte man doch von den Schanzen sowohl das Flussfahrwasser als auch die Landengen kontrollieren. Kleinere Bollwerke, die an wichtigen Anhöhen, Krümmungen oder Sumpfstellen gebaut wurden, ergänzten die großen Schanzen.
Von Haselünne über Meppen verläuft in westlicher Richtung ein Geestrücken durch den Ausläufer des Bourtanger Moores, an dessen Ende schon vor 1200 (?) eine Burg gestanden haben soll. Es war Coevorden, dessen Name an eine Kuh-Furt (Coe = Kuh und Vorde = Furt) erinnert. Die Spanier verstärkten die Burg um 1580 mit fünf Bastionen, und als die Niederländer Coevorden in Besitz genommen hatten, wurde die Festung noch einmal ausgebaut.16o7 war Coevorden mit seiner symetrischen Anlage, den sieben Bastionen (nach den sieben niederländischen Provinzen benannt), den sieben Ravelinen, den sieben Halbmonden, den zwei Burggräben und zwei Burgtoren die größte Festung EUROPAs. Trotz dieser gewaltigen Anlage wurde Coevorden mehrmals erobert, zuletzt im Jahre 1672 von dem kriegslüsternen Fürstbischof Bernhard von Galen aus Münster, der Coevorden sein „Klein-Gibraltar“ nannte.
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Zweimal versuchte Fürstbischof von Galen, Bischof zu Münster, die Bourtange einzunehmen. 1665 gelang es der kleinen Garnison, die verfallenen Anlagen schnell zu reparieren und danach zu halten. 1672 hatte der kriegwütende Pfaffe schon alle Befestigungen vom Dollart bis nach Coevorden eingenommen, nur Bourtange musste noch erobert werden. Als dieses mit Waffengewalt nicht zu erreichen war und das Moor rechtzeitig überschwemmt gehalten wurde (durch einen neuen, den „Soldatendeich“), forderte der Bischof die Übergabe durch Versprechungen (200.000 Gulden und das beste Adelsstift in Westfalen) für den Kommandanten Bernard Prott. Dieser lehnte das verlockende Angebot jedoch ab. Auf einem bleigefaßten Glas gravierte Prott ein:
Standvastig zal ik sien, zolang leven is in mien.
Des Bischofs Truppen zogen zornentbrannt ab und versuchten Groningen zu erobern - doch auch das gelang nicht. In den folgenden Jahren verfiel die Schanze wieder. Das Moor trocknete mehr und mehr aus. Es wurden Wiesen und Äcker angelegt, die Bewohner der Bastien und Kasernen nutzten die Wälle zum Anbau von Gemüse und zum Weiden von Schafen und Ziegen. Um den fünfeckigen Exizierplatz wurden 1730 zwanzig gestutzte Linden gepflanzt (davon stehen heute noch dreizehn). Es begann ein friedliches Dorfleben.
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Nicht lange! Das Grafenhaus Ostfrieslands hatte seine Macht verloren, war am Aussterben. Friedrich der Große hatte im Blitzfeldzug 1740 Schlesien erobert, wodurch ganz EUROPA, schockiert durch die raubgierige Art Preußens, in den Kriegszustand versetzt wurde. Friedrichs Auge fiel auch auf das heruntergewirtschaftete Ostfriesland, das dann auch wirklich 1744 übernommen wurde. Die Generalstaaten mussten ihre Garnison in der Festung Leerort aufgeben. Die Silberschätze, vor allem eine Abendmahlschüssel und der Abendmahlskelch, wurden der Kirche in Bourtange übergeben.
Die Niederländer hatten Angst, nun auch von Friderikus Rex überrannt zu werden. Schnell wurden die Schanzen an der Ostgrenze verstärkt. Bourtange erhielt zu dieser Zeit ihren größten Umfang und war gleichzeitig, so wird behauptet, von atemberaubender Schönheit. Vor allem war auch die Bebauung des fünfeckigen Marktplatzes mit den strahlenförmig abgehenden Gassen fertiggestellt.
Was Bischof von Galen und der „Alte Fritz“ nicht schafften, gelang den Franzosen im Jahre 1795. Nach dem Einzug in Bourtange befestigten sie die Wehranlage mit vorgezogenen Wällen und einem Redoute. Nach der Franzosenzeit wurde die Festung unbedeutend. Es gab Überlegungen, die Erdanlagen durch Steinbauten, wie es auch sonst vielfach üblich war, zu ersetzen. Doch weil das Moor schon sehr ausgetrocknet und zum Teil kultiviert war, konnten Heeresbewegungen auch an Bourtange vorbeigeführt werden. Die strategische Lage war also nicht mehr gegeben. Land und Häuser wurden daher verkauft, die Erde der Wälle füllte die Grachten, Bourtange wurde ein gewöhnliches Dorf.
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Bilder aus Bourtange: oben Kapitäns-Stube mit Handfeuerwaffen, Kanone laden, Kanone abfeuern, unten: historisches Spiel auf dem Marktplatz, Marketenderinnen, Poort = Tor
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Was schon 1742 über Bourtange behauptet wurde, ist nach dem letzten Krieg wieder wahr geworden - „ein Dorf von atemberaubender Schönheit“. Die Festungsanlagen wurden nach alten Unterlagen rekonstruiert. Man findet dort heute eine gigantische mittelalterliche Festung mit Wällen, Grachten, Brüstungen, Bastionen, Ravelinen, Halbmonde, Festungshauptplatz, Kanonen, Militärunterkünfte, Handwerker- und Soldaten/Offiziershäuser, Garnisonskirche, Ständermühle, Kruithus, Torfschuppen, Schmiede und vielen anderen Bauten, die zu einer Festung damaliger Zeit gehörten. In den Sommermonaten werden für die Touristen Exerzierübungen, Kanonenschießen ect. veranstaltet.
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Stellt man sich vor, dass der Dollart in den ersten Jahrhunderten dieses Jahrtausends weit ins Inland vorgerückt war, so erkennt man schon, dass an dem äußeren Ufer von Pogum über Bunde, Wymeer, Bellingwolde und Blyham der älteste Dollartdeich bis nach Winschoten verlief. Der Weg nach Groningen führte also über oder entlang dieses Deiches und musste entprechend gesichert werden. Einen strategisch günstigen Punkt fand man an der Stelle, wo die Westerwoldsche AA in den Dollart floß. Hier war ein Siel, durch das das Wasser in die Niederungen bis nach Wedde gelassen werden konnte. Damit war eine unpassierbare Nassverbindung nach Bourtange geschaffen. Andersherum floss das überflüssige AA-Wasser in den Dollart. Es war möglich, mit Schiffen bis an das Siel zu fahren. Der Weg zur Ems und damit zur Nordsee war offen.
An dieser Landostwestweg-und Wassernordsüdweg-Kreuzung war es angebracht, eine Befestigung zu bauen. Anlass war wieder die spanische Herrschaft in Groningen, die durch den Grafen Wilhelm Lodewijk von Nassau beendet werden sollte. Dieser kam mit 150 Schiffen, besetzt mit 2.200 Mann, von Friesland über das Wattenmeer und über die AA bis zum Bellingwoldersiel, wie der besagte Punkt zu der Zeit hieß. Die Soldaten hatten viel Baumaterial mitgebracht und ließen per Schiff auch noch solches nachkommen. Schnell wurden die Gräben ausgehoben und die Wälle befestigt. So entstand die Bellingwolder Schanze auf dem Dollartdeich von 1545.
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Schon ein paar Tage später wollten die Spanier von Groningen ausbrechen. Mit mehr als zweitausend Mann Fußvolk und fast ebensoviel Reiter rückten sie an. Auf dem glitschigen Deich waren sie gehändikept. An der neuen Schanze mussten sie umkehren. Erst 1694 verließen die „Spanjaarden“ endgültig das Groningerland und zogen sich nach Uitrecht zurück.
Nicht gut zu sprechen sind die Niederländer auf „Bommen-Bernd“, wie der kriegerische Fürstbischof Bernhard von Galen hier genannt wird. „Bommen-Bernd“ hat zwei Kriege mit den Generalstaaten angezettelt. Im zweiten münsterschen-holländischen Krieg wollte von Galen im Jahre 1672 die Stadt Groningen in seine Gewalt bringen. Doch ach, auch wenn er innerhalb eines halben Monats ca. 9.000 Kugel gegen die Mauern der Stadt abschoß und über 5.000 Bomben (Originale davon im Museum in Bourtange) in die Stadt schleudern ließ und dadurch ein entsetzliches Flammenmeer entfachte - Groningen wurde nicht besiegt. „Bommen-Bernd“ musste unter dem Druck des Verteidigers, dem Böhmen Rabenhaupt, aufgeben und zog sich nach Osten zurück. Hier verhinderten Moor und Meer ein Weiterkommen.
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von links: links: Bomben auf Groningen, eine Bombe, Kugelpyramide, Bombenmörser
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.Inzwischen war auch die Neue Schanze am langen Acker und die Bonerschanz, eine Steinredoute am Hamdyk, fertiggestellt. Nun bekam die Bellingwolder Schanze den Namen „Oude Schanze“. Während Bourtange nicht überwältigt werden konnte, nahmen die Münsteraner die drei nördlichen Schanzen in ihren Besitz. Nach dem Rückzug von Groningen saßen des Rentmeisters und Feldherrn Johann Heinrich Martels Truppen hier fest und versuchten 1672 mehrere Ausbrüche. Der niederländisch-böhmische Rabenhaupt wehrte erfolgreich ab, so dass die hungernden, zerlumpten Münsteraner erst nach langen Verhandlungen nach Winschoten abziehen durften. Oudeschanz wurde daraufhin von mehr als 300 Groninger besetzt.
23 Jahre später müßte Oudeschanz noch einmal eine Belagerung über sich ergehen lassen. Von Süden her rückten im Winter 1795 die Franzosen vor. Von Norden kamen die Engländer, die von Neuschanz anrückten. Mit Fußvolk und Kavellerie, mit Kanonen und anderem 'Oorlogstuig' (Kriegsgerät) quartierten sie sich ein und versuchten die alte Festung wieder herzurichten. Zehn Tage hielt der Mundvorrat, dann zogen die Engländer wieder ab, die Franzosen übernahmen die Quartiere und noch einige Jahre später wieder die Niederländer.
Seit 1972 verfolgt das Dorf, unterstützt durch Groningen und Drenthe, eine Rekonstruierung der Schanze, die gut gelungen ist. Sehenswürdig nicht nur die Befestigungsanlagen, sondern vor allem auch die Garnisonskirche.rde daraufhin von mehr als 300 Groninger besetzt.
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Schon vor dem 3ojährigen Krieg setzte sich bei der Bevölkerung des Rheiderlandes der Wille durch, dem Dollart das Land zu entreißen, das er in drei Jahrhunderten genommen hatte. Mit Schaufel und Spaten, mit Karren und Kiepe wurde der erste Polderdeich von Bunde bis nach Finsterwolde gebaut. Im Jahre 1605 konnte der Damm geschlossen werden. Dort, wo die Westerwoldsche AA, unterwegs verstärkt durch die Pekel, den neuen Deich durchfloß, entstand nicht nur eine neue Sielschleuse. Es wurden auch gleichzeitig Befestigungsanlagen gebaut. Bei Ulsda entstand eine Redoute und am Hamdyk (übersetzt: Wiesendeich) die Bonerschanz. Das war wahrscheinlich ein Steinhaus mit redouteähnlicher Befestigung. Die Bonerschanze bot, wie schon berichtet, 1672 den Münsteranern vorübergehenden Schutz, bis sie, nach einigen vergeblichen Ausbrüchen, wegen Hunger aufgeben mussten.
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Nach Ausbruch des Krieges wurde 1628 am Dollartdeich eine große Schanze gebaut: die Langacker-Schanze, später Nieuwe Schanz = Neuschanz. Wie bei der Bellingwolder Schanze, die dann Ouideschanze hieß, spielten Wasserweg = Nordsüd und Landweg = Ostwest bei der Wahl des Standortes eine wesentliche Rolle. Wenn man so will, lag die Festung an der See einerseits und an einer Durchgangsstraße andererseits. Durch die Sielschleuse konnte das Hinterland bis nach Wedde überschwemmt oder auch trockengelegt werden - im Krieg eine unüberwindliche Waffe (wurde auch Ende des Zweiten Weltkrieges im Rheiderland angewandt, wenn auch weniger erfolgreich). Wahrscheinlich, weil auf dem neugewonnenen Land, den Poldern, keine Schätze zu holen waren, blieben diese nördlichen Gebiete bis zum neuen Deich vom Kriegsgeschrei der Mansfelder und den anderen Feldherrn weitgehend verschont. Das Rheiderland gehörte offiziell seit 1600 zur Reichsgrafschaft Ostfriesland, so auch Bunderneuland und der 'Lange Acker'. Als Neuschanz von den Generalstaaten gebaut war,beanspruchte der ostfriesische Graf Enno III. das Land und damit auch die Festung. Die Verwicklungen wurden aber gütig begelegt. Es kam ein Vertrag zustande, wonach Neuschanz den Groningern verblieb. Das Grafenhaus bekam als Entschädigung 12.000 Carolingische Gulden. Damit war gleichzeitig eine Grenze zwischen Rheiderland-Ost und Reiderland-West festgelegt. Die Westerwoldsche AA blieb auch bei den späteren Eindeichungen der Grenzfluß.
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Das Schicksal der Neuen Schanze wurde noch einmal kritisch, als die Truppen „Bommen-Bernd“s sich eingenistet hatten und von Rabenhaupt verjagt wurden. Danach trat eine Ruhepause von 72 Jahren ein. Als Friedrich der Große Ostfriesland annektierte, wurde die Festung noch einmal verstärkt. Wie auch in Bourtange hatten die Generalstaaten Angst 'kassiert' zu werden. Die Furcht war umsonst, wie man weis. 1747 stellte man den schlechten Zustand der Garnisonskirche fest. Sie wurde abgerissen. Am 07. August 1751 legte die Jungfrau Magdalena Adriane Canter Visscher den Grundstein für eine neue Kirche, die am 09. Juli 1752 geweiht wurde.
Es war im Jahre 1795, als Neuschanz wieder von ausländischen Kriegscharen heimgesucht wurde. Zuerst waren es englische Truppen, die die Festung einnahmen und rund um in den Dörfern plünderten, raubten und brandschatzten. Die niederländische Besatzung wurde entwaffnet und aus der Schanze gejagt. Nur die Kanoniere durften bleiben, sie wurden noch gebraucht. Nach den Engländern folgten die Franzosen. Wie lange sie blieben, ist ungewiß. Napoleon soll über die Neue Schanze in Ostfriesland eingerückt sein - oder war es die Flucht? Nach dem endgültigen Rückzug der Franzosen im Jahre 1813 lagerte keine Soldateska mehr in der Festung Nieuwe Schans.
Nachdem der Ort 1866 an das Eisenbahnnetz angeschlossen wurde, beschloß das Königshaus in Den Haag, die Festungsanlagen zu schleifen. Das geschah 1882. Die Aufwärtsentwicklung bis zum ersten Kurzentrum der Niederlande ist auch der guten Zusammenarbeit mit der Gemeinde Bunde zu verdanken.
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Der englisch-französische Krieg hinterließ noch eine andere Spur im Grenzgebiet. Hinter dem späteren Grenzübergang Kloster Dünebroek/Bellingwolde findet man die Erdwälle einer kleineren Schanze. Sie wurde 1795 von dem General van Hoff erbaut, offenbar, um hier die Engländer abzufangen. Ein kleiner Fluß, die Leete, mag ausschlaggebend gewesen sein für diesen Standort. Große Kämpfe haben hier aber nicht getobt, denn die Engländer wurden damals bald von den Franzosen vertrieben. Ein Augenzeuge hatte in den Wällen einige Kanonenkugel gefunden - wo sie geblieben sind, ist nicht bekannt. Die Schanze ist 1870 ebenfalls abgerissen, wurde aber in den letzten Jahren teilweise restauriert. Wie es in solch einem Krieg vor 200 Jahren zuging, hat Johann Wolfgang von Goethe in seinen autobiographischen Schriften „Campagne in Frankreich“ und „Belagerung von Mainz“ bildreich geschildert.
Verfolgt man die Schanzenlinie von Coevorden über Bourtange bis nach Neuschanz, so erkennt man schon die Abzeichnung einer Grenze zwischen Münsterland und Ostfriesland auf der einen und den Generalstaaten, den späteren Niederlanden, auf der anderen Seite. Durch die Eroberung der Niederlande durch den Franzosen Pichegru wurde das Land „die Batavische Republik“. Obgleich noch keine offizielle Grenzziehung, stellten die Preußen, die im Bündnis mit England kämpften, im Jahre 1795 doch schon steinerne Grenzsteine an markanten Punkten im Moor auf. Ein solcher Punkt war zu der Zeit der 14 m hohe Hasselberg westlich von Walchum, der aus dem wilden Bourtanger Moor herausragte.
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Als das weite Bourtanger Moor noch unberührt war, lebten im Westerwolderland allerlei Hexen, Kobolde und witte Wieven. Sie verweilten in Heide und Moor, vergnügten sich in frohen Runden, halfen guten Menschen und ließen die Bösen im Morast versacken und ersticken.
Bei dem kleinen Volk wuchs eine Hexe auf, die war noch kleiner als die anderen. Weil sie sich im Moor stets kalte Füße holte, litt sie unter einem chronischen Schnupfen. Immer wieder mußte sie nießen. Ihr „hatsjie, hatsjie“ war weithin zu hören, so daß die Kobolde darüber ihre Scherze trieben und die witte Wieven die kleine Hexe regelrecht plagten und „akelig“ mitspielten. Wegen ihres Nießens wurde die kleine Hexe „Hasje“ genannt.
Hexe Hasje war es leid, immer gehänselt zu werden. Eines Tages setzte sie sich auf ihren Besen und schwebte über das Moor und den Westerwolderwald. Auf einmal sah sie einen großen Hügel aus dem Morast ragen. Als sie dort gelandet war und sich umgesehen hatte, rief sie begeistert „Hier blijf ik“. Aus Sträuchern und Gras baute sie sich ein Häuschen. An den Abenden zündete sie ein Feuerchen an, um sich daran zu wärmen.
Der Schein des Feuers zog auch die Menschen an, die durch das Moor zogen und über die Tangen ihre Waren und Tiere von Ort zu Ort brachten. Hasje schwang sich dann auf ihren Besen, um zu schauen: Waren es gute Leute, so durften sie auf ihrem Hügel übernachten. Waren es aber schlechte Menschen, löschte Hasje schnell das Feuer, so daß die Ankömmlinge sich in dem unwegsamen Fehn verirrten. So erging es auch einem König, der seine Untertanen ausmergelte und mißlich behandelte. Er versank mit Pferden und Wagen und tollen Schätzen im Moor.
Für Heksje Hasje wurde der Menschenauflauf auf ihrem Hügel, der schon „Hasjeberg“ - woraus sich dann später Haseberg (niederländisch) oder Hasselberg (deutsch) entwickelte - genannt wurde, bald zu viel. Sie wurde in ihrer Ruhe zu sehr gestört. Hasje schwang sich erneut auf ihren aus Heidekraut und Birkenreisig neu gebundenen Besen und entschwand nach Südosten. Dort entdeckte sie einen noch höheren Hügel in der Nähe der Siedlung Zellingen, den sie dann selbst Hasselberg nannte, in Erinnerung an ihren Heimatort Hasjeberg bei Sellingen in Westerwolde
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Der Hasselberg spielte in dem ersten Münstersch-Niederländischem Krieg schon eine besondere Rolle. Da der Fürstbischof Christoff Bernard von Galen bei Bourtange keinen Durchgang fand, sollte sein Generalwachtmeister die feste Schanze von hinten angreifen. Wagen und Orlogstuig, Pferde und Soldaten wurden mit Pünten emsabwärts bis Heede und Walchum gebracht. Von hier aus bauten den Pioniere eine „Moorbrücke“. Reisig, Fensterrahmen, Haustüren, eichene Bohlen und Planken und ähnliches Baumaterial wurden herangeschleppt und von Walchum zum 4 km entfernten Hasselberg durchs Moor gelegt. Von dort ging es noch 2 km weiter bis Sellingen. Der Moorweg war so breit, daß darauf drei Pferde oder fünf Mann nebeneinander gehen konnten. Die „Brücke“ wurde auch benutzt, als der Fürstbischof zum Rückzug gezwungen war. Teile der Moorbrücke wurden 1964 von dem niederländischen Archäologen Prof. Dr. Waterbold aus Groningen zwischen Hasselberg und Sellingen freigelegt.
Bild: Straßenbau am Hasselberg 1964
Das Grenzgebiet zwischen Ostfriesland und dem Münsterland war ebenfalls oft von Kriegen geschüttelt. Wie schon erwähnt, gab es jedoch nur wenige Möglichkeiten, über das wüste Oldenburger Moor, das sich bis an die Ems erstreckte, zu wechseln. So bildeten eigentlich nur die Königsstraße an der rechten und die Friesenstraße an den linken Seite der Ems, eben die hohen Emskanten, oder die Ems selbst Verbindungswege, die in Kriegszeiten bewacht und geschützt werden mussten.
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An der östlichen Emsseite war die Natur in solchen Fällen besonders günstig. Von der Pape-Borch bis zur Ems lag der Hampoel, ein nasses Wiesengebiet mit vielen Tümpeln und Teichen. Hier genügte eine kleine Schanze, die jedoch keine große Bedeutung erlangte und die vor allem keine kriegerischen Auseinandersetzungen sah. Sie wurde 1672 geschleift.
Wichtiger war die Landenge zwischen dem Brualer Moor, den Dieler- und Stapelmoorer Heiden und der Ems. Hier sollen die ersten Bollwerke schon Ende des 16. Jahrhunderts entstanden sein.Schon damals gab es viele Kriegsplänkeleien zwischen den Münsteranern und den Rheiderländern. Auch wurde sehr oft um das Weideland gestritten, wie schon ausführlich berichtet.
Im 30jährigen Krieg bekamen die Dieler Schanzen die Hauptrolle zwischen den katholischen und protestantischen Blöcken. Von hier aus durchzog Graf Ernst von Mansfeld die rheiderländischen Dörfer an der Ems, es kamen die Schweden und die Hessen, dann waren es wieder die kaiserlichen Truppen - es wurde gekämpft und gesiegt und besiegt. Das Dorf Diele, nicht weit von der Schanze entfernt, mußte besonders viel darunter leiden und wurde noch 1647, ein Jahr vor Beendigung des Krieges in Schutt und Asche gelegt. Ob dabei auch die Kirche und die beiden Burgen, Waldenburg und Leevenburg, zerstört wurden?
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Nach einer Skizze aus dem Jahre 1755 und einer älteren Karte muss die Schanze eine Festung mit vier Bastionen gewesen sein. Nach Süden vorgelagert war ein Wehrdeich, an dessen Ende nördlich von Diele eine weitere Vierkantschanze lag, Hakelwerk genannt, dem ein längliches Bollwerk und die Redoute „Sieh di vör“ angegliedert war. Hakelwerk lag schon im Moor - später Dieler Heide. An der Ems lagen noch die Bollwerke „Kiek in de Bosch“ und „Kiek in de Eems“. Weiter zurückgezogen am „Ziyldeep“ (heute Sieltief = Entwässerungsgraben) lag die „Kleine Dieler Schanze“ und die Redoute „Braatpan“, die wiederum durch einen Damm mit einer Bastion verbunden waren. Die ganzen Befestigungen waren so angelegt, dass der Feind von Süden her erwartet wurde. Das ist ein Indiz dafür, dass die Dieler Schanzen von den Ostfriesen bzw. von den Rheiderländern gebaut wurden. Vor Brual gab es eine kleinere Anzahl von Befestigungen, darunter Halenberg, Galgenberg und Remetsberg, die die Verteidigunsgrichtung gen Nordosten zeigten, obwohl sie noch auf ostfriesischen Gebiet lagen. Vielleicht waren sie auch als Vorpostenstellungen anzusehen.
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Um eine solch' starke Befestigungslinie zu überwältigen und einzunehmen, mußten schon schwer bewaffnete Einheiten anrücken. Es muß sehr viel Blut geflossen sein, wenn man die wechselnden Besatzungen berücksichtigt. Nach dem langen Krieg wurde die Schanze vernachlässigt, bis Bernhard von Galen seine Militärs zusammenrottete.
„Dieser Fürst,“ so schreibt Diepenbrock, „war einer der berühmtesten deutschen Kirchenprälaten, wenn auch nicht durch Thaten, die eines Bischofs würdig sind, doch durch solche, die einem Fürsten in der Geschichte einen großen Namen verleihen....“
Schon 1654 ließ er im Emsland und wo sonst es sich bot Soldaten anwerben und seine Truppen verstärken. Das kam dem Fürstbischof zugute, als er angewiesen wurde, einen alten Familienstreit zwischen dem ostfriesischen Grafenhaus und den Lichtensteinern zu beenden.
Graf Enno III. hatte 1604 seine jüngste Tochter Agnes mit dem Fürst Gundacker von Lichtenstein vermählt. Die Mitgift von 165.000 Thalern erschien dem Neuvermählten zu gering, er forderte 135.000 Thaler nach. Der Ostfriese war auch zur Zahlung bereit. Er deponierte die Summe in 18 Fässern im Schlosskeller zu Esens, nicht ahnend, dass der große Krieg eine Ablieferung erschwerte und verhinderte. Der Räuber Mansfeld war schneller und erbeutete den Schatz, zum Ärger des ostfriesischen Grafenhauses.
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Die Nachfolger Ennos wurden zur Zahlung aufgefordert. Die Kriegswirren hinderten auch Graf Ulrich II. daran. Reichsfürst Enno Ludwig wurde wohl nicht erinnert. Erst 1663 besannen sich die Lichtensteiner (wenn das Paar noch zusammen war, stand die Diamantene Hochzeit bevor) auf die Schulden des ostfriesischen Fürstenhauses. Bei einer Jagdpartie auf dem Hümmling, wo neben den Ostfriesen und Lichtensteinern auch Fürtsbischof von Galen anwesend war, wurde der Zahlungstermin auf den 04. November 1663 festgesetzt. Die Generalstaaten wollten das Geld vorschießen, dafür aber die Dieler Schanze eingeräumt haben. Das gefiel dem Reichsfürst überhaupt nicht, aber weil er nicht zahlen konnte, mußten die Münsterländer ihren Auftrag ausführen. Unter dem Befehl des Obersten von Elverfeld rückte das Exekutationskorps mit 6oo Söldlingen gegen Ostfriesland vor. Sie mussten nun die Dieler Schanzen überwinden, wollten sie ihren Feldzug und damit ihren Auftrag erfolgreich zu Ende bringen.
Die Festung in Diele war nur schwach besetzt. Das wussten die Münsteraner offenbar nicht. Sie stürmten in großer Anzahl vor, schleppten „Brücken“ heran, die sie in großer Eile über die Gräben warfen und so die Wälle einnahmen. Kommandant Schwalbe sah sich angesichts der Übermacht und in Furcht vor noch größerem Unheil gezwungen, das Tor der Festung durch einen Soldaten öffnen zu lassen „weil Er mit seinem wenigen Volcke (es waren mit Kommandant Schwalbe nur acht Verteidiger auf der Schanze) so starcker Mannschaft und beygehabten großen Kriegs Praepararorien keinen widerstand thun konnte ...“ heißt es in seinem Zeugenprotokoll, das er unter Eid vor seiner Behörde niederlegte.
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Auch in den späteren Jahren in den Kriegen zwischen den Generalstaaten und dem Münsterland war die Dieler Schanze bedeutungsvoll genug. So gab es im Mai 1664 viele Scharmützel um und in der Festung, von der der Historiker Menno Peters aus Jemgum ausführlich berichtet. Hier ein kleiner Auszug: „Wir von Niederreiderland mussten siebenundvierzig Wagen mit siebenundvierzig Pferden zum Lager stellen. Am 20. Mai (1664) haben die Staaten-Truppen sehr heftig geschossen. Die Gegner taten auch soviel sie konnten, aber am 24. Mai waren alle ihre Kanonen so beschädigt, dass sie nicht mehr schießen konnten. Den 25. Mai haben die Leute in der Schanze ihre Gewehre niedergelegt, sie suchten sich zu verbergen so gut sie es konnten. Somit war der Kommandant zur Übergabe gezwungen....den 26. Mai blieben die Bischöflichen noch ruhig, den 27. zogen sie aus. Der ostfriesische Hofrichter Karl Friedrich kam mit seiner Begleitung im Namen unseres Fürsten Georg Christian zuerst hinein, um die Schanzen von den Bischöflichen zu empfangen. Dann nahmen die Staatschen-Truppen sie in Besitz und setzten ihre Fahnen auf die Wälle. Sie verbesserten die Schanze durch Pforten und Wälle. Ebenso ließen sie auch die Kirche, verschiedene Häuser und Baracken zimmern. Durchgehends mit gelben Steinen gepflastert war Diele eine schöne Schanze.“
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Einige der Rivalen in Diele: v.l.n.r.: Fürstbischof Graf Bernhard von Galen, Wilhelm von Nassau, Peter-Ernst von Mansfeld, Graf Enno III. von Ostfriesland
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Nun wurden der Oberst Elverfeld und der bischöfliche Amtsrentmeister Heinrich Martels beauftragt, aus den Zöllen und sonstigen Einkünften des Fürstenhauses die schuldige Summe einzutreiben. Dieser Heinrich, der später auch als Kriegskommissar tätig war, wusste seinen und des bischöflichen Vorteil gut miteinander zu verknüpfen, indem er in jenen Tagen ansehnliche Besitzungen erwarb, z.B. das Schloß Dankern, die er von seinem Gehalt hätte nicht bezahlen können.
Die Emsländer sorgten nach dem Überfall dafür, dass die Befestigungswerke bei Diele verstärkt und erweitert wurden. Die Nähe der Ems erlaubte es, das Material, wie Holz, Steine usw. , mit Pünten aus dem Amt Meppen heranzuschaffen. Die Dieler sollten beim Schanzen helfen, doch die weigerten sich, wobei es fast zu einem offenen Aufstand gegen die Vögte und den Rentmeister gekommen wäre, hätten diese nicht Tagelöhner aus anderen Regionen geholt.
Die Generalstaaten waren nicht gerade erfreut, dass die Dieler Schanzen von den Münsteranern besetzt gehalten wurden. Prinz Wilhelm von Nassau kam daher mit zahlreichen Truppen von Uelsen durch das Emsland, setzte zwischen Völlen und Mitling über die Ems und schlug sein Lager bei Stapelmoor auf. Die Truppenbewegungen mögen dem Fürstbischof von Galen nicht verborgen geblieben sein, weil er am 10. Mai 1664 einem Vergleich zwischen Münster, Ostfriesland und Holland zustimmte. Obgleich die Generalstaaten davon sofort in Kenntnis gesetzt wurden, konnte der „Prins von Nassau“ seine Eroberungslust nicht mehr bremsen. Er suchte förmlich Streit durch „Mißverständnisse“ und „Beleidigungen“ und griff die Schanzen von Süden her an - mit Erfolg. Die Besatzung erhielt freien Abzug nach Coesfeld. Emden und Leer fielen den Generalstaaten ebenfalls in die Hände.
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Das blieb von der Dieler Schanze übrig. Zu erkennen noch die ehemaligen Wälle und Gräben. Das Grundstück wird landwirtschaftlich genutzt.
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Die Dieler Schanzen waren Anlaß und Grund für den Bischof von Münster, sich mit England und Frankreich zu verbünden. Er erklärte dann am 07. April 1672 den Generalstaaten der Krieg - angeblich, weil diese vor drei Jahren bei Diele auf der Ems einige seiner Schiffe mit Zoll belegt und beschlagnahmt hatten.
Die Kriegsvorbereitungen hatten aber schon viel früher begonnen. Überall im Emsland wurde aufgerüstet, sowohl mit Material als auch mit Menschen. Es stand daher zu Beginn des zweiten Münstersch-Niederländischen Krieges ein gut ausgerüstetes und mannschaftsstarkes Heer „Gewehr bei Fuß“. Von Galen wollte den Holländern den Garaus machen - eine Rache für die Niederlage im ersten Krieg.
Die Dieler Schanzen selbst spielten jedoch dabei keine so große Rolle mehr. Des Bischofs Ziel war auf Groningen gerichtet. Sein Kriegskommissar Johann Heinrich Martels nahm nach Oude- und Nieuwe-Schans auch die Dieler Schanzen ein, wurde daraus wieder von den Niederländern vertrieben, konnte die Anlagen später noch einmal erobern und musste diese schließlich auf Befehl des Bischofs, der vor Groningen gescheitert und auf der Flucht über sein „Klein-Gibraltar“ Coevorden war, schleifen.
Das Gelände ging später in das Eigentum einiger Dieler Bauern über. Die Spuren sind heute noch nicht völlig verwischt. Besonders bei der Hauptschanze sind die Bastionshügel, die Wehrgräben und die Schanzenwälle gut zu erkennen. Auch außerhalb sind im Gelände einzelne Anzeichen zu sehen, wo Teile der Festung gestanden haben.
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Die Festung Leerort an der Einmündung der Leda in die Ems - die Erdwälle sind dort noch gut zu erkennen - hatte zwar strategisch eine wichtige Bedeutung sowohl für die Hamburger Hanse als auch für die Ostfriesen und Niederländer, ist aber für die spätere Grenze nicht in Betracht zu ziehen. Auch die Burg Stickhausen und die Deterne Schanze am Knotenpunkt zwischen Ostfriesland, Münsterland und Oldenburg spielt für die Zoll- Hoheitsgrenze des Königreichs Hannover, des Königreichs Preußen und des Deutschen Reiches nur eine zweitrangige Rolle. Die Festungen und Schanzen im Süden und Osten des Münsterlandes, vor allem Meppen, Haselünne und Fürstenau, die zwar bis vor 200 Jahren intakt waren, haben mit der späteren Grenzziehung nichts zu tun. Nach der Franzosenzeit begann eine Zeit der Besinnung und des Aufschwungs.
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