Das Moor erwacht

Auf dem Weg nach EUROPA - Zoll und Grenze im Wandel der Zeit

Das Ziel ist erreicht - aus unwirtliches Moor wurde wertvolles Ackerland

Das Bourtanger Moor war unzugänglich und oft überschwemmt.

Zwischen der Ems im Osten und der holländischen Grenze im Westen, vom Hasselberg im Norden und dem Haren-Rütenbrock-Kanal im Süden liegt das Walchum-Sustrum-Nieder-Oberlangener Moor, ein kleines Stück von dem gewaltigen Bourtanger Moor.  Wer heute diese Region durchfährt, wird kaum noch an den Urzustand dieses Geländes erinnert.  Asphaltstraßen,  Windschutzhecken, moderne Bauernhöfe, drei Ortskerne mit Kirchen, Schulen und Geschäften, saftige Wiesen, fruchtbare Äcker und zufriedene Menschen prägen heute das Land. Dreißig Jahre hat es gedauert, bis dieses Gebiet, das über 8.000 Jahre 'geschlafen' hatte - besser: in Ruhe wachsen konnte - zum Leben erweckt wurde. Dreißig Jahre haben findige Köpfe und fleißige Hände an der Umwandlung mitgewirkt. Dreißig Jahre Planen, Schaffen, Schwitzen, Rechnen, Zeichnen, Verhandeln, Kalkulieren, Verzweifeln, Kämpfen, Pflügen, Graben,  Bauen, Pflanzen, Ernten. Und nach dreißig Jahren wurde das einst öde und unwegsame Moor in die Hände der Siedler übergeben, die hier eine neue Scholle und eine neue Heimat gefunden haben.

Als sich in den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts eine weltpolitische Entwicklung anbahnte, die die große Weltwirtschaftskrise und eine Arbeitslosenzahl von über sieben Millionen alleine in Deutschland zur Folge hatte, besann sich die deutsche Regierung auf die weiten und endlosen Moorgebiete an der rechten Seite der Ems.  Im Jahre 1927 wurde das Gesetz zur Erschließung dieser Gebiete verabschiedet.Das linksemsische Moor war darin noch nicht berücksichtigt.  Es wurde erst nach wiederholten diplomatischen Vorstellungen der Königlichen Niederländischen Regierung durch ein Erweiterungsgesetz einbezogen.

Warum waren es gerade die Niederländer, die sich hier einmischten?  Der Streit um die Moore bzw. um deren Oberflächenentwässerung war schon vor fast 200 Jahren entflammt. Nach vielen örtlichen Übergriffen wurde zwischen dem Königreich der Niederlande und dem Königreich Hannover  verhandelt und in einem Abkommen, dem Meppener Grenztraktat vom 24. September 1824, unter anderem vereinbart, dass kein Wasser mehr über die Grenze fließen dürfe. Ausgenommen war eine bestimmte Wassermenge durch das Osseschott bei Hahnentange nach Holland und eine entsprechende Menge durch das Dänenfließ bei Neurhede zur Ems. Da aber die natürliche Entwässerung gen Westen verläuft, floss auch nach dem Vertrag sehr viel Wasser wild nach Holland, ja, es wurde sogar ein Graben von Hahnentange  bis Lauder-Hock gegraben, durch den das Wasser nach Holland gelangte. Die niederländische Regierung erhob immer wieder Einspruch gegen diesen Vertragsbruch, bis schließlich das erwähnte Erweiterungsgesetz in Kraft trat. 1930 erteilte das preußische Landwirtschaftsministerium den Auftrag, eine geordnete Beseitigung der Misere an der Grenze zu planen und durchzuführen. Damit war - vorläufig noch unbewusst - das Startzeichen zur Kultivierung der linken Emslandmoore gegeben.

Weit und mächtig lag das Moor zwischen der Ems und der Grenze. Öde! Jungfräuliche Heidelandschaft!  Die Bewohner der kleinen Emsdörfer Walchum, Sustrum, Niederlangen und Oberlangen - später auch Neusustrum - haben immer wieder versucht, in dieses Gebiet einzudringen. Das Einzige, was sie erreichten, war die Gewinnung des Torfes als Hausbrand, manchmal auch zum Verkaufen. Es entstanden Torfpütten und Torfbänke, wodurch das Gelände noch unwegsamer, noch verwildeter wurde.  Nur die Heidschnucken, die tagtäglich über die Heide zogen, fanden ihren Weg;  nur der Schäfer wusste, wo er den grundlosen Moorlöchern ausweichen konnte. Vereinzelt fanden sich auch Schmuggelwege durch das Moor, auf denen die Grenzgänger Tabak und Kaffee aus Holland holten und andere Waren hinüberschafften.  Die Zöllner schlichen ebenfalls durchs Moor bis zur Grenze, um in hartem Dienst die Rechte des Staates zu wahren.

Im Spätsommer bevölkerten Bienenschwärme die blühenden Heidefelder. Aus der näheren Umgebung, aber auch aus weiterer Ferne wurden die Honigsammler herangebracht, damit sie hier den Emslandnektar holten.

Das Kraut, aus dem das Moor wird - Torfmoos. Es wächst im Sommer üppig, fällt aber im Herbst in sich zusammen, weil mehr als 90 % Wasser entweichen. Pro Jahr wächst so das Moor um 1 mm (ein Millimeter).

Es war an einem Frühsommertag des Jahres 1930. Zollsekretär von Asen schaut, an einem Birkenstämmchen gelehnt,  hinüber zu dem Lehmhaus am niederländischen Hang des Hasselberges.  Die Sonne meinte es gut an diesem Morgen. Ihre Strahlen wärmen den noch vom Nachtdienst frierenden Beamten. Plötzlich reißt von Asen sein Fernglas hoch.

„Kommen da nicht zwei Gestalten durchs Gebüsch?  Sonderbar, so am hellichten Tage?“

Von Asen stellt schärfer ein. Nein, er sieht keine Moorgespenster. Es sind zwei ausgewachsene Männer, bepackt mit Rucksäcken und sonstigem Gerät.

„Sieht aus, als wenn es ein Gewehr ist. Doch nicht etwa Wilddiebe?“ denkt der Zöllner. Er duckt sich hinter einen Ginsterstrauch. „Nur ruhig, jetzt werde ich gleich einen guten Fang machen.“  Als die Männer auf seiner Höhe sind, schreit er: „Halt! Bleiben Sie stehen! Grenzbeamter - Stehen bleiben, oder ich schieße!“ Einer der Verdächtigen dreht sich um:  „He, wer ist denn da?“ Der Gesetzeshüter kommt aus seinem Versteck, den Karabiner in Anschlag. Er kontrolliert die Papiere der Beiden , die ihre schwere Last abgesetzt haben. Dann schüttelt von Asen mit dem Kopf: „Soooowas, sie wollen hier im Moor Land messen?  Unmöglich, sie kommen nicht weit. Gleich steigt der Nebel auf, dann sehen sie nichts mehr.“ Von Asen will schon gehen, als ihm noch etwas einfällt: „Sagen sie mal, woher kommen sie überhaupt?“ Jetzt müssen die beiden Grenzgänger lachen: „Wir kommen von Rütenbrock, und weil der Weg von Osten nur für Ortskundige wie sie begehbar ist, mußten wir den Umweg über Holland wählen.“

Sie kamen dann jeden Tag, die Ingenieure vom Wasserwirtschaftsamt Meppen.  Mit ihrem Nivelliergerät arbeiteten sie sich vom Hasselberg  weit in das Moor vor. Dabei passierte es öfter, daß nach der Morgensonne ein undurchsichtiger Moornebel aufstieg.  Die Vermessungsbeamten irrten dann in der Gegend umher, ohne Anhaltspunkt, ohne zu wissen, wohin und woher.  Dabei war der Boden unberechenbar.  Meinten sie, gerade einen festen Punkt gefunden zu haben, konnte es vorkommen, daß das schwere Nivelliergerät wegsackte, oder, wenn sie in unbegangenes Gebiet kamen, versanken sie oft auch selbst. Stets mußten beide in Rufnähe bleiben, um sich gegenseitig helfen zu können. Es verging fast keinen Tag, an dem sie nicht mit nassen Kleidern nach Hause kamen.

Im Moor, da blüht dir was: v.l.n.r.: Wollgras, Glockenheide, Besenheide ERIKA, fleischfressender Sonnentau

Sinn und Zweck der Vermessungsarbeiten war der Bau eines großen Entwässerungsgrabens. Die Vorarbeiten dazu waren beendet. Der preußische Staat hatte 900 Hektar der Moorflächen von den Privatbesitzern der Altdörfer aufgekauft, die Siedlungsgesellschaft „EMSLAND“ kaufte weitere große Flächen. Jetzt mußte der Verlauf des Schlootes vermessen werden.  Von Hahnentange bis zum Hasselberg und von dort bis zur Ems sollte der neue Graben verlaufen.  In den Jahren 1931 bis 1933 war dann plötzlich die Stille vorbei, die sonst im Moor herrschte. Mitglieder des Katholischen Jungmännerbundes  Osnabrück kamen und gruben entlang der Grenze den „Walchumer Schloot“.  Dadurch konnte die Entwässerung der von Osten nach Westen abfallenden Moore sichergestellt werden. Gleichzeitig wurde ein Übertreten der Grenze durch den Wassergraben verhindert bzw. sehr erschwert.

In der Folgezeit wurde der Fortgang der Moorkultivierung  durch die politische Entwicklung in der Welt und besonders in Deutschland stark beeinflusst.  Die Weltwirtschaftskrise der Jahre 1928 bis 1932 brachte den Arbeitsmarkt in Aufruhr.  Die Gunst der Stunde führte Adolf Hitler immer neue Anhänger zu, so daß er schließlich 1933 die Macht ganz an sich reißen konnte. Zahllose Bünde und Vereine versuchten ihre Mitglieder in die wenigen offenen Arbeitsstellen zu bringen. Der Reichsarbeitsführer Hirl nutzte die überall einsetzende Propaganda für Arbeitsbeschaffung für den Aufbau seiner Organisation.  Das Moor des Emslandes war plötzlich keine nutzlose, öde Fläche mehr, sondern ein gesuchtes Arbeitsobjekt geworden.

Der Walchumer Schloot war kaum ausgegraben, als  die Bauingenieure wieder ins Moor geschickt wurden. Dieses Mal kamen sie jedoch von Osten. Sie mußten ihre Fahrräder in Walchum stehen lassen; zu Fuß erreichten sie den westlichen Teil und machten hier ihre Vermessungen und Bodenuntersuchungen. Moorlöcher,  versumpfte Flußarme, moorige Priele - dazwischen Sandrücken und Sandberge, auf denen kaum oder gar kein Moor vorhanden war - ergaben ein vielschichtiges und  sehr unterschiedliches Bodenprofil.

Es galt zuerst, einen Höhenrücken zu finden, auf dem eine feste Station errichtet werden konnte. 4.500 Meter südlich vom Hasselberg fand man diese Stelle. Eine Baracke wurde errichtet - das erste Gebäude im weiten Umkreis von 40 Quadratkilometern. Das war die Geburtsstunde des Wasserwirtschaftsamtes - Bauleitung Sustrumer Moor - und auch des späteren Ortskernes Sustrumermoor.  Von hier aus war das Arbeiten weitgehend erleichtert. Die langen und beschwerlichen Anfahrtswege entfielen. Es konnten mehr und bessere Geräte eingesetzt werden. In der Baracke, in der außer den Büro- und Arbeitsräumen eine Küche und Schlafsäle eingerichtet waren, konnten bis zu 30 Mann untergebracht werden. Später kam eine Gärtnerei mit Treibhaus dazu. Die Männer betrieben nach Dienstschluß eine Schweinemast und beschäftigten sich im Sommer in der großen Erdbeerplantage.

Eine umfangreiche Pionierarbeit begann.  Die Justizbehörde - Strafanstalt Lingen - verlegte  nach Sustrumermoor, später auch nach Walchumer-Moor und Niederlangener-Moor,  Außenlager mit 1.000 bis 1.500 Strafgefangenen pro Lager.  Gleichzeitig baute der Freiwillige Arbeitsdienst „Glückauf“ ein Lager in Walchumer-Moor.  Seine Baracke stand da, wo sich jetzt die Gastwirtschaft „Zur Sonne“ von August Kuhr befindet.  

v.l.n.r.: Birkhuhn im Moor,  Torfgräber früher auf der Pütte, Rekultivierung des Moores

Der Gesellenverein Osnabrück begann mit dem Ausbau der Straße westlich Walchum, und zwar zunächst bis zum Luddenhof in einer Länge von 2,3 km.  In der Baracke vom Wasserwirtschaftsamt in Sustrumer-Moor zogen Männer vom „Stahlhelm“, die die Arbeitsanweisung für die Gefangenen übernahmen. Es begann ein Drahtziehen um die Mehrleistung,  nicht nur innerhalb dieses Gebietes, sondern auch gegenüber anderen Regionen. Während jedoch südlich des Haren-Rütenbrock-Kanals Bünde von Freiwilligen an die Arbeit gingen und sogenannte Ehrenarbeit leisteten, war nördlich des Kanals die Pionierarbeit größtenteils zur Strafarbeit geworden.   Die Bauleitung blieb jedoch überall in Händen des Wasserwirtschaftsamtes.

Nach den Nivelierungen, Bohrungen, Kartierungen und vorbereitenden Planungsarbeiten wurde zunächst ein Netz von Entwässerungsgräben durch das Moor gezogen.  Dabei wurden die Schloote, dem Bodenprofil folgend, möglichst durch Moormulden gelegt. Gleichzeitig versuchte man, Wege durch das Gelände zu bauen, die selbstverständlich auf festerem Untergrund liegen mußten.  So enstand der Nord-Süd-Weg, die spätere Kreisstraße 47, auf einem Höhenrücken, der sich in vielen Kurven und Windungen durch das Moor zog. Die Trasse hat sich bis heute nicht geändert. Da keine Lastwagen, Fuhrwerke oder Handkarren in dem weglosen Gelände zu gebrauchen waren, mußte eine Gleisbahn gelegt werden. Sie erreichte eine Länge von mehr als 50 km. Von der Schleuse 68 und von Neusustrum wurden die Schienenstränge verlegt, auf denen sowohl die Arbeiter als auch die Materialien und Geräte zur Arbeitsstelle geschafft wurden.  Kleine Dieselloks und Loren waren die einzigen Fahrzeuge, die hin und her rollten und auch bei den Erdbewegungsarbeiten eingesetzt wurden.

Torfgewinnung nur noch für den Hausbrand

Das zu bearbeitende Moor war noch verhältnismäßig jung.  Von der Moorversuchsstation in Bremen wurde nach der C 14 - Methode festgestellt, dass der Beginn des Moorwuchses zwar in die Steinzeit fällt und vor etwa 8.000  Jahren einsetzte, dass das Moor aber für eine industrielle Verwertung nicht geeignet war. Die wissenschaftliche Forschung empfahl deshalb, eine grundlegende Kultivierung der Flächen durchzuführen. In Holland war schon seit langem die Handkuhlung angewandt worden, die jetzt auch in diesem Gebiet auf deutscher Seite zur Anwendung kommen sollte.  Zu den beiden bisher tätigen Behörden gesellte sich als dritte Institution die „Staatliche Mooradministration Emsland“. Schon 1934 waren einige feste Beamtenhäuser gebaut worden. Beim Einzug der Mooradministration  waren somit schon wesentlich bessere Bedingungen gegeben.

Das Zusammenwirken der drei Dienststellen war ausgezeichnet, der Fortgang der Arbeiten zufriedenstellend. Das Netz der Gräben wuchs von Tag zu Tag. Immer mehr Sandwege waren befahrbar. Rund 4.000 Gefangene standen zeitweise im Einsatz. Es gelang ihnen, auch ohne maschinelle Hilfe sehr bald große Flächen für die dann einsetzende Kultivierungsarbeit der Mooradministration vorzubereiten. Das war allerdings auch ein düsteres Kapitel der deutschen Geschichte. Wer kennt nicht das Lied von den Moorsoldaten? Text nebenan - bitte nach rechts skrollen.

Innerhalb weniger Jahre erhielt so das endlose Moor ein wesentlich anderes Gesicht. Am Hasselberg wurde schon ein neuer Grenzübergang nach Sellingen geplant. Der Plan konnte erst nach 1970 verwirklicht werden, siehe OPEN DE GRENS. In den Jahren 1938/39 errichtete die Finanzverwaltung hier  wie auch an anderen Orten  Zollhäuser, die eine intensive Grenzüberwachung ermöglichten.

Zwei Zollhäuser auf dem Hasselberg. Hier wohnten vier Zöllner-Familien.                                      Vom Turm konnte das ganze Gebiet überschaut werden.

Eine jähe Unterbrechung erfuhr die Entwicklung durch den Ausbruch des Krieges.  Viele Jahre gingen verloren. Wenn auch die Lager in dieser Zeit belegt blieben,  an eine Fortführung der Arbeiten konnte nicht gedacht werden, ja, es war kaum möglich, das Geschaffene zu erhalten. Nur in Walchumer-Moor wurden 1942, also mitten im Kriege, die ersten Siedlerstellen vergeben.

Auch nach dem Kriege lag die Arbeit vorläufig still.  In die Lager waren Polen und Ukrainer eingezogen. Die umliegende Bevölkerung konnte ein Lied davon singen, in welcher Weise diese Besatzer ihr Unwesen trieben.  Die Raubzüge der Polen, die Tyrannisierung der Bevölkerung, all das klang noch nach Jahren in den vielen Gesprächen mit den Betroffenen an. Nicht nur, dass gestohlen und zerstört wurde,  Frauen und Mädchen  durften sich besonders bei Dunkelheit nicht mehr vor die Tür wagen. Oft genug musste die britische Militär-Polizei eingreifen,  um Unmenschliches zu verhindern.  Es gab erst ein Aufatmen,  als im Jahre 1948 die Lager geräumt wurden.

Wie Notzeiten oft Anlass zur Besinnung und Anstoss zu großen Taten sind, so haben auch die beiden Weltkriege die Erschließung der gewaltigen Emslandmoore entscheidend beeinflusst und vorangetrieben. Nach dem Krieg 14/18 war es die große Arbeitslosigkeit und die damit verbundene Sorge um Arbeitsbeschaffung, die eine Inangriffnahme der Moorerschließung zur Folge hatte.  Nach dem letzten Krieg trafen innen- und außenpolitische Aspekte zusammen, die noch vor der Währungsreform die Wiederaufnahme der Erschließungarbeiten erforderlich machten.  Durch die Bevölkerungsverschiebungen aus dem Osten unter anderem in das Emsgebiet war ein außergewöhnlicher Andrang von Menschen entstanden. Im Emsland stieg die Bevölkerungszahl binnen kurzem um 20 %. Wohin nun mit dem  Zuwachs? Die Moore des Emslandes waren weit und zumeist unbewohnt - hier war Platz.

Zu dieser großen innenpolitischen Aufgabe trat ein bedeutender außenpolitischer Zwang.  Das Nachbarland Holland schielte mit einem Auge auf das Gebiet bis zur Ems, in dem schon umfangreiche Vorarbeiten für eine Kultivierung geleistet waren.  Es erklärte die Deutschen für unfähig - nach der bisherigen Entwicklung und bei der seinerzeitigen Ohnmacht unseres Landes scheinbar auch nicht ganz zu Unrecht -, ein solches Riesenobjekt durchzuführen. Nach den Wünschen unserer Nachbarn sollte, wie schon anderweitig geschildert, die Grenze bis zur Ems vorgeschoben werden. In einer Denkschrift forderte der leider allzufrüh verstorbene Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Meppen, Oberregierungs- und Baurat Dirschka, daher schon 1948 die sofortige Wiederaufnahme der Kultivierungsarbeiten.  In einer Sitzung der Staatssekretäre der Ernährung, der Justiz und der Finanzen des Landes Niedersachsen am 06. Januar 1949 wurde dann auch beschlossen, unverzüglich mit den Arbeiten zu beginnen.

Das Land Niedersachsen stellte erhebliche Geldmittel für einen erweiterten Erschließungsplan zur Verfügung.  Die Strafanstalt Lingen belegte die Lager IV., V. und VI. wieder mit je etwa 1.000 Gefangenen.  Das Wasserwirtschaftsamt und die staatliche Moorverwaltung übernahmen in verstärktem Maße die Aufsicht und die Durchführung der Arbeiten. Das Kulturamt und die Hannoversche Siedlungsgesellschaft - später die Niedersächsische Landgesellschaft - vermehrten die beteiligte Behördenzahl auf fünf. Die Zusammenarbeit aller Stellen war so aufeinander abgestimmt,  dass das ganze wie ein Räderwerk ineinanderfasste.

oben:  die letzte Baracke des Moorlagers in Sustrumer Moor,                                                                                                          unten der Leiter der Dienststelle, Herr Tjauken,  mit seiner Sekretärin.

Gegen die Forderung der Niederlande wollte sich die deutsche Seite mit intensiver Arbeit wehren, um die Moorgebiete nicht wirklich zu verlieren. Das unter diesem Druck  beschleunigte Verfahren bewirkte ein Arbeitstempo,  das bald eine große Umwälzung der Flächen zur Folge haben sollte.  Die ersten Kultivierungsarbeiten begannen nun südlich des Hasselberges, direkt an der Grenze am Walchumer Schloot.  Hier war der Kontrast am deutlichsten:  das holländische fruchtbare Gebiet und die deutsche öde Heide- und Moorlandschaft.  Um diese spektakuläre Vergleichsmöglichkeit schnellstens zu beseitigen, wurde von Westen nach Osten gearbeitet. Wenn vor dem Krieg nur Menscheneinsatz unter staatlicher Regie in Frage kam,  so wurde jetzt im vermehrten Maße auf den Unternehmer- und Maschineneinsatz zurückgegriffen.   Bagger und Raupen vergrößerten das Grabennetz - die erste Voraussetzung für eine anschließende Bodenverbesserung -. Einige der Wege bekamen eine feste Fahrbahn, so dass auch Lastwagen eingesetzt werden konnten.

Eine der größten technischen Neuerungen kam ins Emsland, als die Firma Ottomeyer aus Pyrmont den Dampftiefpflug an der Grenze einsetzte. Die Firma hatte zwar schon vorher größere Tiefpflüge erprobt,  für das Emsland waren diese Geräte und Maschinen aber eigens weiterentwickelt und verbessert worden,  so dass der Großeinsatz eine enorme Steigerung der Tagesleistung mit sich brachte.  Zahllose Zuschauer aus dem In- und Ausland kamen, besonders aus dem benachbarten Holland, um die Dampfriesen und den schweren Pflug, der unentwegt über das Moor kroch, zu bestaunen und zu bewundern. Dabei war das Prinzip denkbar einfach:  an jeder Seite eines abgesteckten Feldes standen je ein dampfspeiendes Lokomobil, die den Tiefpflug an dicken Drahtseilen über das Feld zogen. Die Pflugscharen drangen bis zu 2,20 m in den Boden, kippten den moorigen Grund in die Furche und holten einen gelben Sand nach oben. Das Gerät war ein Kipp-Pflug, so dass jeweils hin und her und jedesmal etwa 1m  Boden umgewälzt werden konnte. Dicht dahinter wälzte sich ein zweites Lokomobil-Paar heran, das einen sogenannten „Hobel“ über die gepflügte Fläche zog. Dadurch wurden Sand und Moor noch einmal gemischt und der „Acker“ für die weitere Bearbeitung geebnet. Der Maschinenpark der Firma Ottomeyer sowie viele andere Sehenswürdigkeiten aus der Emslanderschließung sind in einem Freilicht-Museum in Groß-Hesepe, Kreis Emsland, zu sehen. Um das Museum kümmert sich der frühere Direktor der Emsland-GmbH  Gerhard Hugenberg.

Seit 1972 stehen diese Veteranen (links Lokomobil und rechts Tiefpflug) im Moormuseum Groß-Hesepe

Die nachfolgenden Bilder vermitteln einen kleinen Einblich in die Arbeiten der OTTOMEYER-TIEFPFLÜGE

Hatte Ottomeyer das Feld verlassen - täglich wurden von einer Maschinengruppe etwa zwei Hektar gepflügt und gehobelt - folgten sofort die Kolonnen der Mooradministration,  um die neuen Äcker zu bearbeiten. Ein Spezial-Dünger wurde in den Boden gebracht. Lupinen waren die ersten „Früchte“, die als Gründüngung wieder untergepflügt wurden. Danach wurden die Felder noch einmal quergepflügt (senkrecht zur Ottomeyer-Furche), mit einer neuen Einsaat versehen, und schon bald wogten dort, wo früher Heidschnucken den dürren Bewuchs abknabberten, weite Kornfelder im Winde.  In den ersten Jahren wurden auf diese Art jährlich 300 bis 350 Hektaren kultiviert.  Die Mooradministration, die die Kultivierungsarbeiten leitete, bearbeitete die Felder in eigener Regie so lange, bis die Siedler die Stellen übernehmen konnten.

Ein wichtiges Rad in dem gemeinsamen Werk war die Justizbehörde mit den Lagern in diesem Gebiet. Leider ist in den Emslandlagern von 1933 bis 1945  viel Unrecht geschehen, so auch in den Lagern Walchummoor,  Sustrummoor und Niederlangener Moor. Zwar waren diese keine Konzentrationslager, wie fälschlich interprätiert wird.  sondern reine Strafgefangenen - Lager der Justizvollzugsanstalt Lingen. Hier, wie auch in den anderen 12 Gefangenenlagern wurden wegen Vergehen und Verbrechen durch Gerichte abgeurteilte Täter eingewiesen. Sie sollten zur Arbeit in der Moorkultivierung  herangezogen werden Zwischen diesen Gefangenen befanden sich etwa 6 bis 7 % politisch Verfolgte, im Krieg sogar bis zu 12 %. Im Lager selbst gab es deswegen aber keinen Unterschied.  Erst 1944 kamen mehr und mehr „NN“ = namenlose Häftlinge, die durch den berüchtigten Vorsitzenden des Reichsgerichtshofes Freisler verurteilt worden waren.

Die Justizverwaltung war diesem Andrang nicht  gewachsen. Deshalb wurden schon von Beginn an SA-Männer zur Bewachung eingesetzt, die vom Strafvollzug überhaupt keine Ahnung hatten. Diese sogenannte „SA-Emsland-Standarte“, ihr SA-Vorgesetzter war ein Beamter, ein Oberregierungsrat, verursachte die z.T. menschenunwürdige  Vorkommnisse in den total überfüllten Baracken. Später kamen einige ausgebildete Justizvollzugsbeamte hinzu, die aber der SA-Übermacht weit unterlegen waren. Ab 1939 mußten viele SA-Männer Kriegsdienst leisten. Sie wurden ersetzt durch „dienstverpflichtete Emsländer“, die durchaus Mitgefühl für die Gefangenen zeigten. Nach 1946 wurde neu begonnen - die Arbeit galt wieder der Kultivierung. Erst Ende der Fünfziger Jahre waren die Gefangenen nicht mehr erforderlich - die Baracken  wurden abgerissen.  Heute erinnern nur ein Modell und zahlreiche Veröffentlichungen der Dokumentations- und Informationszentrums Emslandlager in Papenburg an diese ach so unheilvolle und verwerfliche Vergangenheit. Auf dem Lagerfriedhof in Esterwegen sind für alle Moorlager Gedenksteine und Mahnmale aufgestellt, damit diese Zeit nie vergessen wird.

Wenn auch die Gefangenen durch die Schikanen der SA-Männer schwer gelitten haben, so hatten sie doch einen Vorzug gegenüber anderen Gefängnis- oder gar KZ-Insassen. Sie waren zwar hinter Stacheldraht eingesperrt, wurden während der Arbeit von schwer bewaffneten Aufsehern bewacht, bekamen auch mehr als notwendig Gummiknüppel und Schlagstöcke zu spüren, aber durch ihren täglichen Einsatz hatten sie doch viele Vergünstigungen. Viele Tausende solcher Gefangenen sind durch Emslandlager gegangen und haben mitgeholfen, die weiten Moore in fruchtbares Ackerland zu verwandeln. Nach dem Krieg wurde ihre Aufgabe durch den Einsatz der Maschinen wesentlich verändert,  sie verrichteten die Arbeiten, die durch Maschinen nicht bewältigt werden konnten.

Wenn die Vermessungsbeamten  und die Schlootgraber in den ersten Jahren die Zeit noch von der Kirchturmuhr in Steinbild ablesen konnten, so ist das jetzt kaum noch möglich. Neben den vielen weitverstreuten Siedlungen  ist das Land mit Hecken (Windschutzstreifen) durchzogen, die den einst scheinbar grenzenlosen Raum vergessen lassen.  In dem Gebiet der Bauleitung Sustrumer-Moor wurden bis 1963 insgesamt 108,8 km feste Straßen, davon 61,2 km Kreisstraßen,  10,2 km Gemeindestrassen  und 37,4 km befestigte und außerdem noch 80 km besandete Wirtschaftswege ausgebaut. Die Länge der Vorflutgräben mißt 102 km. 100 Durchlässe, 3 Straßenbrücken, 18 Sohlabstürze und 511 Grundstücksüberfahrten wurden angelegt, 400 ha erhielten eine Volldränung, 900 ha eine Bedarfsdränung,  194 Vollbauernstellen und 56 Nebenerwerbssiedlungen wurden vergeben.

Aus diesen wenigen Zahlen sind die Maßstäbe der zu bewältigenden Aufgabe abzulesen. Daß die Erschließung dieses Gebietes ein seltenes Beispiel in der Bundesrepublik Deutschland war, beweist auch die Tatsache, daß sowohl die Bundesregierung als auch viele Landesregierungen immer wieder Experten-Delegationen nach Sustrumer-Moor schickten. Sie sollten an Ort und Stelle Einblick in die Methoden und Erfolge der Urbarmachung eines großen Moorgebietes nehmen.  So kamen Dozenten und Studenten, Regierungsvertreter und sogar Staatsmänner aus Italien,  Irland,  Mexiko, Jugoslavien, Japan, Ägypten, Griechenland und vor allem aus verschiedenen Regionen Afrikas. Das, was hier in dreißig Jahren geleistet wurde,  strahlte und strahlt auch jetzt noch in die weite Welt aus und trägt Früchte vor allem  in den Entwicklungsländern.

Grabenbau und Brückenbau - da wurden noch viele Arbeitskräfte gebraucht

Aus den Spannungen im innerdeutschen Raum und mit den niederländischen Nachbarn erwuchs ein gewaltiges Erschließungsunternehmen, das eine 100%ige Verbesserung der Agrarstrucktur mit sich brachte. Jetzt galt es, das mit hohen Kosten und viel Fleiß Geschaffene zu erhalten und weiter zu entwickeln.  Der Flüchtlingsstrom nach dem zweiten Weltkrieg brachte die dafür  notwendigen, qualifizierten Kräfte.  Aber auch die ortsansässige, insbesondere bäuerliche Bevölkerung wurde bei der Verteilung des neuen Landes berücksichtigt. Hier waren es vor allem die traktatgeschädigten Landbesitzer,  die Ersatz- und Ausgleichflächen bekommen haben (siehe auch: BLUTENDE GRENZEN). Das Verhältnis Einheimische : Zuwanderer sollte zuerst 80 : 20 sein, wurde dann jedoch auf 50 : 50 festgelegt.  Um auch in kirchlicher Hinsicht geschlossene Gemeinschaften zu gewinnen,  wurden in dem Sustrumer Gebiet nur Angehörige der katholischen Konfession, in anderen Regionen nur evangelische Mitbürger angesiedelt.

Die Besiedlung vollzog sich nach und nach jeweils nach dem Fortschritt der Arbeiten und nach Fertigstellung der „Plaatsen“.  Schon an den Haustypen ist abzulesen, wann etwa die Stellen bezugsfertig wurden. Die Form und Größe der Bauernhäuser hat sich im Laufe der dreißig Jahre geändert. So findet man das herkömmliche große Bauernhaus (Niedersachsenhaus, Ostfriesenhaus, Gulfhaus) mit Wohn- und Wirtschaftsteil unter einem Dach. Daneben sieht man aber auch kleinere Siedlerbauten.  Die letzte Form der Höfe besteht aus dem dreiteiligen Bauernhaus (Kopf-Hals-Rumpf) , bei dem das Wohnhaus als Einfamilienhaus erscheint, das dann aber mit einem überdachten Gang, in dem die Hauswirtschaftsräume untergebracht sind, mit dem Wirtschaftsgebäude und den Stallungen verbunden ist.  In den achtziger und neunziger Jahren wurden Wohnhaus und Stallgebäude nach modernsten Gesichtspunkten errichtet, wobei Wohnen und Arbeiten getrennt sind. Meistens stehen drei oder vier Anwesen in einem Weiler zusammen, damit nicht das Gefühl der Einsamkeit entsteht. In einer solch' kleinen Höfegruppe sind auch bessere Voraussetzungen für die Entstehung eines Nachbarschaftsdenkens und in Notfällen auch der Nachbarschafts hilfe sowie für die Bildung von Maschinengemeinschaften gegeben.

Johann Esser und Wolfgang Langhoff (Tr. Frank)

 

1. Wohin auch das Auge blicket,
Moor und Heide nur ringsum.
Vogelsang uns nicht erquicket,
Eichen stehen kahl und krumm.

Refrain:
Wir sind die Moorsoldaten,
Und ziehen mit dem Spaten,
Ins Moor.

2. Hier in dieser öden Heide
Ist das Lager aufgebaut,
Wo wir fern von jeder Freude
Hinter Stacheldraht verstaut.
Refrain:

3. Morgens ziehen die Kolonnen
In das Moor zur Arbeit hin.
Graben bei dem Brand der Sonne,
Doch zur Heimat steht der Sinn.
Refrain:

4. Heimwärts, heimwärts jeder sehnet,
Zu den Eltern, Weib und Kind.
Manche Brust ein Seufzer dehnet,
Weil wir hier gefangen sind.
Refrain:

5. Auf und nieder gehn die Posten,
Keiner, keiner, kann hindurch.
Flucht wird nur das Leben kosten,
Vierfach ist umzäunt die Burg.
Refrain:

6. Doch für uns gibt es kein Klagen,
Ewig kann's nicht Winter sein.
Einmal werden froh wir sagen:
Heimat, du bist wieder mein:

Dann ziehn die Moorsoldaten
Nicht mehr mit dem Spaten
Ins Moor!

1. Any directions you might see,
Bog and heath is everywhere.
Here are no birds to sing for me
The oaks, they stand twisted and bare.

Refrain:
We are the bog battalion,
On spade instead of stallion,
In bog.

2. In such a deserted landscape
Just for us, this compound dire.
Far from friends and with no escape
We are cached behind barb-ed wire.
Refrain:

3. Columns long, we head for the bog
To dig the early morning.
We sweat in sun, work like a dog,
And think of loved ones mourning.
Refrain:

4. Thought to home and hearth do return,
To parents, wife and children.
Many a breast may sigh and yearn
To leave this prison, when, oh when?
Refrain:

5. The patrols guard us day and night,
Escape is a losing sport.
Your life's not worth attempted flight,
Four rings of wire fence the fort.
Refrain:

6. Complaining will not set us free;
Winter can't last forever.
The time will come when we will see,
Our homeland ours, together.

Then no more bog battalion
No spade instead of stallion
In Bog.

Die Moorsoldaten

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Gedenkstein an die Moorsoldaten

Das Moorsoldatenlied, Börgermoorlied oder kurz Moorlied wurde 1933 von Häftlingen des Konzentrationslagers Börgermoor bei Papenburg im Emsland geschaffen. In diesem Lager wurden vorwiegend politische Gegner des Nazi-Regimes gefangen gehalten. Mit einfachen Werkzeugen wie dem Spaten mussten diese dort das Moor kultivieren.

Entstehung

Texter des Liedes waren der Bergmann Johann Esser und der Schauspieler und Regisseur Wolfgang Langhoff, die Musik stammt vom kaufmännischen Angestellten Rudi Goguel. Das Lied wurde am 27. August bei einer Veranstaltung namens Zirkus Konzentrazani von 16 Häftlingen, überwiegend ehemaligen Mitgliedern des Solinger Arbeitergesangvereins, aufgeführt.

Rudi Goguel erinnerte sich später:

Die sechzehn Sänger, vorwiegend Mitglieder des Solinger Arbeitergesangsverein, marschierten in ihren grünen Polizeiuniformen (unsere damalige Häftlingskleidung) mit geschulterten Spaten in die Arena, ich selbst an der Spitze in blauem Trainingsanzug mit einem abgebrochenen Spatenstiel als Taktstock. Wir sangen, und bereits bei der zweiten Strophe begannen die fast 1000 Gefangenen den Refrain mitzusummen.

Von Strophe zu Strophe steigerte sich der Refrain, und bei der letzten Strophe sangen auch die SS-Leute, die mit ihren Kommandanten erschienen waren, einträchtig mit uns mit, offenbar, weil sie sich selbst als „Moorsoldaten“ angesprochen fühlten.

Bei den Worten „… Dann ziehn die Moorsoldaten nicht mehr mit den Spaten ins Moor“ stießen die sechzehn Sänger die Spaten in den Sand und marschierten aus der Arena, die Spaten zurücklassend, die nun, in der Moorerde steckend, als Grabkreuze wirkten.

Durch entlassene oder in andere Lager verlegte Gefangene wurde das Lied über Börgermoor hinaus bekannt. 1935 lernte es der Komponist Hanns Eisler in London kennen. Er überarbeitete die Melodie für den Sänger Ernst Busch. Dieser schloss sich während des Spanischen Bürgerkrieges (1936–1939) den Brigadas Internacionales, den Internationalen Brigaden an, die die Spanische Republik gegen den Putschisten Franco verteidigten. Dadurch wurde das Lied verstärkt international bekannt.

Heute existieren Versionen des Liedes in mehreren Sprachen, zu den bekanntesten Interpreten gehören Ernst Busch, Hein und Oss Kröher, Paul Robeson, Pete Seeger,Perry Friedman, Pi de la Serra, Joan Baez, The Dubliners und Hannes Wader. Neuere Bearbeitungen stammen von der Radio Jazz Group Stuttgart, der Kölner Saxophon Mafia, Welle:Erdball, Die Einsamen Stinktiere, L.A.R.S., Liederjan, den Toten Hosen, Die Schnitter oder Michael von der Heide (Le chant des Marais).

Das Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) Emslandlager in Papenburg hat 2002 eine Doppel-CD „Das Lied der Moorsoldaten“ herausgegeben, auf der mehr als 30 verschiedenen Versionen des Liedes und Wortbeiträge, unter anderem von Rudi Goguel, enthalten sind. Aus Anlass des 75-jährigen Bestehens des Liedes wurde am 27. August 2008 eine 2. Auflage herausgegeben. Im DIZ in Papenburg ist auch die Geschichte der "Moorsoldaten", wie sich die politischen Häftlinge der frühen Konzentrationslager Börgermoor, Esterwegen und Neusustrum selbst bezeichneten, und die der anderen Häftlinge der Emslandlager 1933 bis 1945 u.a. in Ausstellungen dokumentiert.

Carl von Ossietzky (1889-1938), der jüdische Publizist und Friedensnobelpreisträger, wurde im KZ Esterwegen und Sachsenhausen so brutal mißhandelt, daß er später starb.

Neben den Vollbauernstellen haben sich aber von Anfang an auch Ortskerne gebildet, in denen sich um Kirche und Schule Geschäfte und Handwerksbetriebe niederließen.  Der Haupt-Ortskern ist Sustrumer-Moor - der Ausgangspunkt der Kultivierung.  Die Kirche wurde bis 1965 von der Muttergemeinde aus betreut, ist aber jetzt selbständig. Die Schule war vierklassig.  Zahlreiche Läden, eine Gastwirtschaft und einige Handwerksbetriebe bilden hier das Zentrum. In Walchumer-Moor und Niederlangener-Moor liegen die Verhältnisse ähnlich. Alle Ortskerne sind großzügig geplant und erfuhren in den vergangenen Jahren erhebliche Vergrößerungen.  Nach der Gebietsreform 1973 sind zwar die Siedlungen größeren Gemeinden angeschlossen worden, in den einzelnen Ortsteilen spielt sich aber nach wie vor ein selbständiges Dorfleben ab.

In Gesprächen mit den Siedlern kommt immer wieder zum Ausdruck, daß Anfangsmängel längst beseitigt sind. Es ist ja jetzt schon die zweite oder gar dritte Generation, die die Stellen bewirtschaftet und immer noch sind sie sehr zufrieden. Nur die Größe der Stellen hat sich verändert. Waren es anfangs nur 13 bis 15 Hektar, so hat sich die Fläche je Hof verdoppelt oder gar verdreifacht. Auf den Feldern gedeihen Roggen, Gemenge, Gerste, Kartoffeln, Zuckerrüben und vieles andere. Viele Siedler sind auch zur Schweine-,  Geflügel- oder Kleintierzucht übergegangen. So nebenbei werden einige Milchkühe und Jungvieh gehalten. Pferde  gibt es nur noch für den Reit- und Fahr-Sport.

Die wasserwirtschaftliche Betreuung des Gebietes ist mit der Auflösung der Außenstellen ebenfalls in die Selbstverwaltung der Bauern übergegangen. In einer Sitzung am 04. November 1963 schlossen sich die neuen Siedler mit ihren Stellen dem Wasser- und Bodenverband „Sustrumer-Walchumer-Ostmoor“ an. Der Wasser- und Bodenverband hat nun die Aufgabe, die Entwässerung der 4.000 Hektar zu regeln.  Die technische Betreuung in Wasserwirtschaftsfragen erfolgt durch das Wasserwirtschaftsamt Meppen. Dessen Beamte und Ingenieure stehen immer mit Rat und Tat zur Verfügung.  Außerdem ist mit dem Grenzgewässervertrag von 1963 in Ausgleichsverhandlungen mit Holland das Streitbeil um die Grenzgewässer begraben. In einer ständigen Kommission deutscher und niederländischer Stellen wird die technische Einheit der Entwässerung in einem sinnvollen Projektplan beraten und durchgeführt.

Das Ziel ist erreicht. Ein wildes und wüstes Heide- und Moorgebiet ist ein ertragreiches Agrarland geworden.  Durch den Aufschwung kommt der Segen des kultivierten Moores auch den Altdörfern an der Ems und darüberhinaus dem ganzen Land zugute. Inzwischen ist durch das Zusammenwachsen EUROPAs  die Verbindung zum Nachbarland Holland wieder freundschaftlich, am Hasselberg öffnete sich die Grenze und an den anderen Stellen ist ein Hin und Her ohne Kontrollen möglich. Seit 1993 gibt es  auch keine Zoll- und Douane-Streifen mehr, der Weg nach EUROPA ist damit ein kleinwenig kürzer geworden.

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ENDLICH!     Es ist geschafft.

Diese Homepage ist nun auch als Buch mit dem Titel

ZOLL UND GRENZE IM WANDEL DER ZEIT  

erschienen. Es hat die ISBN Nr. 9783 8370 9550 0, hat 424 Seiten, davon 45 farbig

und kostet 32,80 €.

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Johann Beerens Freier Journalist und Buchautor
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Ich habe gestern mein Buch Nr. 124605 zum Druck freigegeben. Nun erscheint auf meinem Desktop im Hintergrun d das Cover des Buches groß, aber fast unlasbar. Das muss da wieder weg. Wie mache ich das?

Mit freundliche n Grüßen

Johanna Beerens, Tergast

jbtergast@t-online.de