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Grenzveränderungen waren in der napoleonischen Epoche an der Tagesordnung. Vor allem waren es die Fürstentümer, die eine Säkularisierung erfuhren. So wurde im Reichsdeputationsbeschluss vom 25. Februar 1803 auch die politische Karte des Emslandes gründlich verändert. Das Niederstift Münster wurde geteilt. Oldenburg erhielt die Ämter Cloppenburg und Vechta. Das aber nicht als Austausch für Gebietsverluste, sondern für die Aufgabe des Weserschiffahrtszolls zu Elsfleth. Das Amt Meppen kam als Entschädigung an den Herzog von Arenberg, was übrigens von der Bevölkerung sehr begrüßt wurde (wie schon berichtet). Ein Teil des Oberstiftes Münster fiel an Preußen. Im Vertrag von Schönbrunn (15. Dezember 1805) gelangte Preußen sogar in den Besitz von ganz Hannover.
Während das Herzogtum Arenberg (reichte von der ostfriesischen Grenze bei Papenburg im Norden, der oldenburgischen Grenze im Osten, der Grenze zur Niedergrafschaft Lingen und dem Fürstentum Rheina-Wolbeck im Süden und der Grenze zum Königreich Holland im Westen) sich als Rheinbundstaat noch bis 1810 halten konnte, setzten die holländischen Truppen 11 Tage nach der preußischen Niederlage bei Jena und Auerstedt vom Rheiderland aus über die Ems und besetzten zunächst Leer. Das war der Beginn der schweren Zeit in der nordwestdeutschen Region.
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Am 18. Juni 1806 traf König Ludwig (nl: Koning Lodewijk) samt Gefolge in seiner neuen Residenz dem Palais Huis ten Bosch ein. Das Palais war noch unfertig und im Gegensatz zu seiner Frau Hortense nahm Louis die Umstände gelassen hin. Hortenses sofortige Abneigung gegen ihre neue Heimat änderte sich nie mehr.
Am 23. Juni zog er in einer prächtigen Parade in die Hauptstadt ein. Das Volk empfing den neuen Monarchen kühl und reserviert. Positiv fiel bei seinen neuen Untertanen auf, dass Louis den französischen Soldaten untersagte, an der Parade teilzunehmen. Seine Ansprache an die Holländer verfehlte ebenfalls nicht ihre Wirkung.
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„Meine Herren! Seien Sie davon überzeugt, dass ich von dem Augenblick an, indem ich den Boden des Königreichs betreten habe Holländer geworden bin. Jeder Mensch ist ein Spielball seiner Geburt. So war ich einmal Franzose. Nun habe ich das Vaterland gewechselt …“[3] Die Ansprache löste Beifall bei den Zuhören aus und besonders geschickt war, dass Louis seinen Bruder Napoléon, den französischen Kaiser, mit keinem Wort erwähnte.
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Die Holländer marschierten in den nächsten Tagen auf Befehl ihres Königs Louis Bonaparte, eines Bruders von Napoleon, bis nach Emden und Aurich und besetzten weite Teile Ostfrieslands. Sie fanden keinen Widerstand, denn die preußischen „Beschützer“ waren schon längst abgezogen. Damit war in Ostfriesland zwar der Krieg zu Ende, die fremde Besatzungsmacht aber drückte empfindlich auf das Leben im Lande. In einer öffentlichen Bekanntmachung wurde u.a. folgende Warnung ausgesprochen:
„Wir, Bohomme, Goeverneur-General von Ostfriesland und der beigelegten Lande, tun allen denjenigen, die dieses sehen, lesen oder hören werden, hiermit zu wissen: Alle Einwohner werden hiermit ausdrücklich gewarnt, sich aller boshaften und ärgerlichen Gespräche, Verbreitung falscher Gerüchte, als auch des Singens ruhestörender Lieder und alles desjenigen, was auf irgendeine Art die öffentliche Ruhe stören könnte, auf das Sorgfältigste zu enthalten. Die Täter werden arritiert, den Händen der Gerichte überliefert und als Störer der öffentlichen Ruhe und nach Beschaffenheit der Umstände als Anführer bestraft.“
Im Dezember verhängte Napoleon von Berlin aus die Kontinentalsperre, wodurch England in die Knie gezwungen werden sollte. Jeglicher Handel mit England, dem Warenhaus EUROPAs, wurde unterbunden und unter schwersten Strafen gestellt. Im Frieden von Tilsit bekam Napoleon alle Gebiete westlich der Elbe zugesprochen. Der Kaiser von Frankreich bestimmte nun, dass Ostfriesland, Varel, das Jeverland und Knyphausen als 11. Departement dem Königreich Holland angegliedert werden sollten. Das Rheiderland wurde ein Teil der Provinz Groningen.
Für die Ostfriesen war es nicht allzu schwer, sich an die holländische Besatzung zu gewöhnen. Viele sprachen ohnehin holländisch, und das ostfriesische Platt glich dem holländischen Platt. In einigen reformierten Kirchen wurde schon seit der Reformation holländisch gepredigt. Die Bibel war in holländischer Mundart gedruckt.
Nun sollten die Ostfriesländer aber auch echte Holländer werden. Am 11. März 1808 wurde in Aurich die Übernahme als Departement des Königreiches Holland feierlich proklamiert. Die holländische Fahne wehte auf dem Turm des Auricher Schlosses. 21 Salutschüsse verkündeten lauthals die Veränderung. Das königlich-holländische Wappen prangte am Schloss und am Rathaus. Doch nur ein geringer Teil der Bevölkerung nahm, mehr aus Neugierde als aus Begeisterung, an den Feierlichkeiten teil. Ausrufe, Aushänge und sonstige Veröffentlichungen sorgten dafür, dass die neue Ordnung im ganzen Land bekannt wurde.
Als Feinde sah man in Ostfriesland die Besatzer nicht, waren diese doch selbst nur ungewollte Untertanen einer nichtgewollten Herrschaft. So wurde auch der holländische Landdrost van der Capellen von der Bevölkerung geschätzt und geachtet. Leider war seine Amtszeit nur kurz, so dass er seine Pläne zur Belebung der Wirtschaft und des Handels, vor allem Kanal- und Straßenbau, nicht verwirklichen konnte.
Aber Besatzer sind Fremde, und Ostfriesen ließen sich auch damals nicht gerne von Fremden regieren. Für sie war Ostfriesland widerrechtlich besetzt. Für sie waren die fremden Gesetze und Anordnungen unrechtmäßig und darum, wenn irgendmöglich, zu umgehen. Die drückende Last machte sich besonders durch die unbekannten Steuern bemerkbar:
Hatte Ostfriesland jährlich 24.000 Taler an den preußischen Fiskus abführen müssen, so verlangten die Holländer eine Million holländische Gulden. Im „Departement Oost-Friesland“ wurde ab 01. Januar 1809 die Steuerordnung eingeführt, die in Holland schon länger gültig war. Diese galt für alle Einwohner ohne Ausnahme. Neben den Grundsteuern für Haus- und Landbesitz mussten für alle Gebrauchsgüter und Waren, für Tiere und Dienstleistungen Steuern bezahlt werden, z.B. für Dienstboten, Pferde, Beförderung von Reisenden, Möbeln, Musikinstrumenten, Spielzeug, Zierrat, Kunstgegenstände. Feuerstellen, Seife, Wiegen von Waren, Messen runder (Hohl)maße, Schiffe, Taschenuhren, Schmuck, Gold- und Silbersachen, Kleidungsstücke, Kalender, Spielkarten, Veranstaltungen zu Luxus und Vergnügen, Gewerbeerlaubnis, Konzerte, Feuerwerke und sogar für das Tragen von Puder.
Wegen solcher „Neuerungen“ gab es Unruhe in der Bevölkerung. Neben den unaufbringbaren Abgaben - immerhin war durch die englische Blockade einserseits und die Kontinentalsperre andererseits die Wirtschaft des Landes zerstört - waren es vor allem die Steuereinnehmer, die die Menschen ungerecht behandelten und sich selber Vorteile zu verschaffen suchten. Sie wurden oft von den Einheimischen angegriffen und mussten vielfach unter Militärschutz ihre Aufgaben erfüllen. Zum Vorteil der Aufsässigen gab es den Landdrosten van der Capellen, der nicht die beteiligten Ostfriesen bestrafte, sondern die Steuereinnehmer zur gerechten Festsetzung der Abgaben ermahnte und Willkür und Eigennützigkeit unter Strafe stellte.
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Napoleons Kontinentalsperre fruchtete nur teilweise. Sicherlich, die Bevölkerung und da besonders die 'kleinen' Leute bekamen den Mangel an Waren aus Übersee zu spüren. Doch hatten sie vor 100 Jahren schon Kaffee oder Tee oder Zucker gekannt? Und damals wussten sie auch zu leben. Konnten sie sich vor 50 Jahren schon Maschinen leisten, um damit das Leben zu erleichtern, Handwerks- und Industriebetriebe zu gründen? Damals musste die Handarbeit auch genügen.
Wie sehr sich die „Reichen“ bereichterten, kann stellvertretend eine Episode aus Paris belegen: Die Polizei- und Zollbehörden gaben „Lizenzen“ für Schmuggler, damit das Kaiserhaus und Geschäftsleute nicht unbedingt unter den Mangel an Kolonialwaren, englischen Stoffen und Eisenwaren leiden sollten. Das Bankhaus Rothschild mit dem Stammhaus unter Meyer Amschel in Frankfurt, Sohn Nathan in London, Sohn James in Paris, Sohn Saloman in Wien, Sohn Karl in Neapel wusste seinen Einfluss in dieser Richtung geltend zu machen. Es war ebenfalls an dem „erlaubten“ Schmuggel beteiligt - sehr zum Ärgernis des Kaisers. Dieser ließ deshalb auch noch des nachts seinen Finanzminister Molliens kommen und legte ihm eine Einfuhrliste mit Schmuggelgüter vor, die über Gravelingen und Dünkirchen mit Hilfe englischer Schiffe eingeführt wurden:
„.... 6.000 Pfund englische Tuche an die Firma Goch und Lotes in Amsterdam ....
... 15 Kisten Indigo an die Firma Echinque und CO. In Amsterdam .....
.... 150 Pakete englischen Stoffes an das Frankfurter Haus Rothschild ....
.... Zucker, Garne, Kaffee und 250 weitere Ballen englische Stoffe an .....“
Molliens verspricht dem Kaiser, der Sache nachzugehen. Noch in der Nacht klingelt ein Bote an der Tür von James (JACOB) Rothschild und überbringt einen Zettel. Gleich darauf kräuselt, von der Dunkelheit verschluckt, bläulicher Rauch aus dem Schornstein des Hauses Nr. 17 in der Rue Peletier. Als am nächsten Morgen Polizeiagenten eine Hausdurchsuchung vornehmen, finden sie keine belastenden Papiere, die Eintragungen in den Büchern stimmen mit den amtlichen Einfuhrlizenzen überein.
Napoleon war böse. Er hatte geahnt, dass man seine Order der Kontinentalsperre nicht genügend beachtete. Rußland und Schweden kümmerten sich ohnehin nicht mehr darum. Sein Bruder, der holländische König Louis Bonaparte, griff offensichtlich nicht konsequent durch. Die Berichte über die Schmuggelfahrten nach Helgoland, den Schleichhandel durch Marsch und Moor und Wald bis hinein nach Westfalen, die unscheinbaren Schiffe auf Ems, Leda, Jümme und Soeste, auf Jade, Weser und Hunte nahmen in des Kaisers Ohren erschreckende Formen an. Das durfte so nicht weiter gehen, sollte die Isolierung des englischen Handels und damit die Niederzwingung des Inselreiches Erfolg haben.
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Napoleons Rußland-Feldzug führte auch durch das Emsland und Ostfriesland
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Im Frühjahr 1810 entmachtet der Kaiser seinen „unfähigen“ Bruder. Französische Truppen besetzen zunächst die Niederlande und marschieren dann weiter über die Ems. Hier lösten sie die holländischen Truppen, vor allem aber auch die Zöllner (Commisen) ab. Am 15. August 1810, dem Geburtstag Napoleons, wehten von allen Türmen Ostfrieslands die Trikoloren.
Ostfriesland war dem aufstrebenden Frankreich einverleibt worden, Ostfriesland wurde ein Verwaltungsbezirk Frankreichs, das „Departement de l'EMS oriental“. Das Emsland wurde links der Ems „Departement der Lippe“, rechts der Ems „Departement der Ober-Ems“. Das Rheiderland gehörte zum „Departement westliche Ems“.
Die Menschen in diesen Gebieten sollten nun auch echte Franzosen werden. Die französischen Gesetze sollten auch hier greifen. Der oberste Verwaltungsbeamte war ein Präfekt, der Bürgermeister ein Maire. Junge Ostfriesen wurden zum französischen Militär einberufen ( was übrigens nicht immer und oft nur unter Protest befolgt wurde). Ja, sogar die ostfriesische Sprache wurde verpönt, man musste französisch sprechen, lesen und schreiben. In einem Dekret von 1811 sollten auch die Familiennamen eingeführt werden. Unsere Schifferfamilie hieß jetzt Harm Janssen Skipper, Harms Jan Skipper und Jans Harm Skipper. Meldete der Familienvater keinen gleichbleibenden Namen beim Maire an, wurde ein Name willkürlich festgesetzt. So entstanden die Nachnamen wie Fuchs, Hase, Rot, Grün, Swart, Düvel, Engel usw. . Auch wurden die Maße und Gewichte den französischen Normen angepaßt. Das Dezimalsystem beendete das große durcheinander der natürlichen Maße: Meter und Kilometer, Gramm und Kilogramm, Liter und Hektoliter, Ar und Hektar - wirklich ein Positivum zur Erleichterung im Handel und Gewerbe.
Beendet wurde aber auch die großzügige Handhabung des Schleichhandels. Hatten die holländischen Commisen oft zur Seite gesehen und auch ihren Anteil abbekommen, so waren die französischen Douanen ihrem Kaiser treu ergeben. Die Kontrollen an der Küste wurden strenger und undurchlässiger. Auf den vorgelagerten Inseln wurden „Horchposten“ eingerichtet, auf Borkum sogar eine „Franzosenschanze“ gebaut. Dadurch wurde es für die Segler gefährlich - bei den Fahrten durch die engen Baljen zwischen den Inseln konnten sie leicht geortet und abgefangen werden. Das optische Signalsystem der Franzosen funktionierte recht gut. Entkam bei den Inseln noch ein Schiff - an der Küste, im Priel, wurde es fast immer geschnappt.
An Land wurde hart vorgegangen. Der Befehl an die Soldaten und Douanen lautete, alle Häuser nach englischen Waren zu durchsuchen. Über 100 Positionen waren auf einer Liste verzeichnet, die beim Auffinden beschlagnahmt werden sollten, darunter neben Tee und Kaffee und Zucker alle Sorten englischer Tuche, Leder, Eisenwaren, Glas, Porzellan, Papier, Steinkohle, Wal'fisch'tran und vieles mehr. Die Ostfriesen wurden unruhig und versteckten die Waren in Schuppen und Ställen oder vergruben sie im Garten. Die Franzosen kannten keine Gnade - alle beschlagnahmten Waren wurden verbrannt oder sonstwie vernichtet.
Um den Schleichhandel noch besser unterbinden zu können, entstanden neue Anordnungen: nur am Tage durften Schiffe in dafür vorgesehene Häfen be- und entladen werden; kein Schiff durfte ohne Erlaubnisschein auslaufen; Fischer durften nur am Tage rausfahren und mussten um ein Uhr nachts zurück sein; Fuhrwerke durften nachts von der Küste weder abfahren noch dort ankommen; Fremde mussten einen Erlaubnisschein vorzeigen, wollten sie näher als sechs Meilen an die Küste; jeder Bewohner des Landes, der seinen Wohnbezirk verlassen wollte, musste einen gültigen Pass besitzen. Noch schlimmer war der Befehl des Reichsmarschalls Prinz von Eckmühl vom 07. März 1812:
„In der Absicht, diesem verbrecherischen Handel ein Ende zu machen und die Urheber desselben zu bestrafen, sind folgende Maßregeln zu ergreifen:
1. Jedwede Gemeinschaft mit den Engländern auf Helgoland soll als Verrat und Spionage angesehen werden.
2. Jedwedes Fahrzeug, überführt auf Helgoland gewesen oder von dort zurückgekommen zu sein, soll beschlagnahmt und der Kapitän mit dem Tode bestraft werden.
3. Die Mannschaft wird dasselbe Schicksal haben, so sie schuldig ist. Wenn nicht, so sollen alle, die zum Seedienst tauglich sind, bis Antwerpen transportiert und dort zum Dienst in der Marine übergeben werden.
4. Diejenigen, die nicht zum Seedienst tauglich sind, sollen mit drei Monaten Gefängnis bestraft werden.“
Hatten die ostfriesischen, holländischen, emsländischen, oldenburgischen, Bremer und Hamburger Schiffer bis dato immer noch einen Weg gefunden, um die begehrten und heiß benötigten Waren aus Helgoland oder von englischen Schiffen heranzuschaffen, so wurde ihr Tun jetzt lebensgefährlich. Auf See in Wind und Wellen oder im offenen Kampf umzukommen, das war Ehrensache - durch den Strick oder die Guilletine sein Leben zum Tode befördert zu sehen, dagegen wehrte sich des Norddeutschen Herz. Und weil die Douanen die französischen Anordnungen unnachsichtig durchführten, kam der Schmuggel und der Schleichhandel mit verbotenen Waren ganz zum Erliegen.
Die französischen Douanen (Zöllner) waren halbmilitärisch organisiert. Sie tyranisierten die Bevölkerung so sehr, dass so mancher Ostfriese und Emsländer daran zugrunde ging. Selbst angesehenen Handelshäusern drohte der Sturz. Den Kleinschiffern wurde das Leben schwer gemacht, denn schon die Fahrt von Leer emsabwärts galt als Seefahrt. Die Papenburger Schiffer ließen den Mut nicht sinken. Noch wurde die offenen See nicht von Napoleon, sondern von der englischen Flotte beherrscht, und das Inland gebrauchte die englischen Waren. So wagten die Schiffer oft ihr Leben, um Nachschub von Helgoland zu holen. An der Küste hatten die Schmuggler überall ihre Mittelsmänner, es gab mehrere 'Schmuggelbahnen', so durch das Saterland zum Hümmling oder entlang der Ems bis Papenburg und dann entweder per Pünte oder Pferdefuhrwerk bis nach Lingen und Westfalen.
Die Franzmänner versuchten alles, um den Schmuggel zu verhindern. Die Zollgrenze wurde zuerst 7 bis 8 km, später sogar bis 20 km landeinwärts verlegt. Kanonenboote patrollierten vor der Küste und auf der Ems. Mancher Schleichhändler musste sein Tun mit dem Leben bezahlen. Sogar zwischen den einzelnen Departements waren Zollinien abgesteckt. Dort befanden sich Zollbüros mit der Aufschrift „Empire Francais - Bureau des Droits Ramis“. Hier musste für die offizielle Ware Zoll bezahlt werden, z.B. für eine Tonne Butter 24 holl. Gulden. Die Zollkontoren waren an allen wichtigen Wegen eingerichtet, so dass, wollte man die hohen Abgaben sparen oder die verbotenen englischen Waren verbringen, Schleichwege benutzt werden mussten. Die Einheimischen hatten dabei gegenüber den Fremden den Vorteil, dass sie das Gelände gut kannten und auch Wege durch sonst unwegsames Moor benutzen konnten.
Bild: Schild, Museum Weener muss ich noch besorgen
Es gibt aus dem Emsland viele Geschichten - wahre und simulierte - um den Schleichhandel. Es wid berichtet, dass von September 1809 bis zum Ende des Jahres täglich 10 bis 200 Wagen durch Quakenbrück fuhren, von bewaffneten Bauern begleitet. *** 1810 wurde in Neuenkirchen ein Bauer beim Schmuggeln erwischt und erschossen. *** Ein Meyer aus Varwick und ein Meyer aus Starten (Kirchspiel Ankum) wurden von französischen Zöllnern mit verbotenen Waren aufgegriffen und zu Tode durch Erschießen verurteilt. Die Angehörigen stellten Gnadenbitten. Die beiden wurden auch begnadigt, erhielten aber eine sehr hohe Geldstrafe. Ihr Höfe wurden dadurch auf Jahre belastet und fast ruiniert.
Eine tolle Sache leistete sich eine Bauersfrau aus (???). Sie hatte einige Pfund Kaffee aus dem Oldenburgischen mitgebracht. Unterwegs wurde sie von berittenen Douanen geschnappt. Sie musste neben den Pferden herlaufen zum etwa zwei Stunden entfernten Zollkontor. Unterwegs bohrte sie mit den Fingern ein Loch in die Kaffeebohnentüte. Als sie wegen des Schmuggeldelikts vernommen und verurteilt werden sollte, war das Beweismittel „Kaffee“ futsch. Die Zöllner konnten nichts beweisen und mussten die Frau wieder laufen lassen.
In Papenburg hatten Franzmänner eine Ladung Schmuggelware beschlagnahmt und im „Zollhaus“ niedergelegt. Einige desertierte Matrosen bekamen davon Wind. Sie sammelten eine mit Sensen und Forken bewaffnete Schar und brachen in das Lager ein. Die Ware wurde unter den Beteiligten geteilt. Selbst Friedensrichter Bueren konnte, wenn er überhaupt die Absicht hatte, die Täter nicht dingfest machen. *** Schlimmer wurde es, als es sich in Papenburg wie ein Blitzfeuer herumsprach, dass ein beschlagnahmter Wagen samt Ware und den gefangenen Fuhrleuten unterwegs von Aschendorf nach Papenburg sei. Am Aschendorfer Weg trafen sich Bauern und Bürger, die mit Spaten und Mistgabeln versuchten, die französischen Douaniers zu verjagen und die Gefangenen zu befreien. Andere Leute kamen hinzu, die zunächst mit den Franzosen über die Freilassung verhandeln wollten. Doch diese handelten befehlsgetreu und ließen nicht mit sich reden. Da sprachen Säbel, Spaten und Flinten eine deutliche Sprache. Die Zöllner wurden verprügelt. Während der Keilerei verschwand der Wagen mitsamt den Waren und den Fuhrleuten auf ein Nimmerwiedersehen.
Zwischen Halte und Papenburg entwickelte sich 1813 eine regelrechte Seeschlacht. Es konnte nicht verborgen bleiben, dass vier Pünten mit beschlagnahmten Waren von Rhede emsabwärts fuhren. Jede Pünte wurde von einer starken Einheit französischer Soldaten und Zöllner bewacht. In Papenburg rudelte sich ein Haufen Arbeiter zusammen, darunter sogar einige Frauen. Vielleicht gab es eine Gelegenheit, um von den begehrten Sachen etwas zu bekommen. Am Drostensiel mussten die Pünten festmachen. Gegen den Strom konnten sie nicht bis nach Emden kommen, wo alle beschlagnahmten Güter gesammelt und vernichtet wurden.
Gegen die schwerbewaffneten Besatzer war zunächst nichts auszurichten. Die Papenburger gingen zurück, kehrten aber bei Dunkelheit wieder, jetzt schwer bewaffnet. Als sie auch jetzt noch nicht an die Waren heran konnten - die Franzosen wehrten sich pflichtgemäß - holten sie drei Kanonen. Das wurde den Franzmännern nun doch zu gefährlich, sie zogen sich an die andere Seite der Ems zurück. Doch auch hier wurden sie nicht in Ruhe gelassen. Sicherlich hatten die Bewohner von Halte das Gefecht vernommen und gesehen, dass die Pünten jetzt in reichbarer Nähe lagen. Sie holten Verstärkung aus Stapelmoor, Diele und Vellage, verjagten die Püntenbewacher und begannen mit der Plünderung der Schiffe. Wütend mussten die Papenburger zusehen, denn sie fanden kein Boot, um über die Ems zu kommen. Schließlich nahmen sie das Schiff des Schiffers Mammes. Sie konnten nur noch eine Pünte, die ebenfalls schon halb leer war, abschleppen. Durch das Drostensiel brachten sie sie über die Kanäle zum Obenende, wo sie sich in Sicherheit wähnten und die verbliebenen Waren unter sich aufteilten.
Aber so leicht war es nun auch nicht, sich dem französischen Auge des Gesetzes zu entziehen. Die Gendarmen, die auch hier überall zu finden waren, hatten die Übeltäter bald gefasst. Paul Breymann, Jan Bootsmann, Laurenz Müller, Harm Niehuis und Klaas Jungeblut konnten in letzter Minute fliehen. Zweiundzwanzig Mittäter nahmen die Gendarmen fest und transporten sie nach Bremen. Einige davon sind dort gestorben, einer kehrte nach sechs Monaten Gefängnis zurück, einige wurden freigesprochen. Über den Verbleib von Bauer Albert Hannen, der Witwe Lindemann, Bauer Dirk Ottens aus Nenndorf, Bauer Schlömer aus Tunxdorf, Gerd Anthon aus Aschendorf und einem Unbekannten aus Stapelmoor ist nichts bekannt.
Eindrucksvoll ist da auch die Aufzeichnung von dem Heuermann und späteren Bauern E. B. Tammling aus Soltborg/Holtgaste, die Rudolf C. Hoek von der damals plattdeutsch/holländischen Sprache ins Hochdeutsche übersetzte. Tammling erzählt zunächst von den Ereignissen im Englisch-französischen Krieg 1795 und einem Fährunfall auf der Ems bei Leerort. Dann fährt er fort:
Das Jahr 1805 ist bis zum 22. Oktober für uns und unser Land gesegnet abgelaufen. Von nun an wurden wir holländisch und mussten Steuern über Steuern bezahlen. Handel und Wandel waren gehemmt, alles war mit Accise (Verbrauchs-Verkehrssteuer, Zollabgaben) belegt. Wie schlecht es uns auch erging, noch unerträglicher wurde es durch den Übergang in das französische Kaiserreich. März 1807: Unter Frankreich noch viel mehr unserer Freiheit beraubt als bisher. 1811 wurde die Conskription (Militärdienst) eingeführt. Die jungen Leute, die in die französische Armee berufen wurden, wurden durch Los ermittelt. (E.B.Tammling starb 1816 im Alter von 68 Jahren).
Es gibt noch heute Namen, die auf die Franzosenzeit hinweisen. Der bekannteste ist die „Franzosenschanze“, der als Flurname, Orstbezeicnnung oder Straßenname gebraucht wird. Vielerorts gibt es den „Fransken-Patt“ oder „Franzosen-Gang“. Ob auch die Franzosenkrankheit = Syphilis von den Franzmännern eingeführt wurde? Fest steht, dass das Franzosenkraut = Knopfkraut, Sprinkraut nicht aus Frankreich, sondern aus Peru stammt. In Tschechien gibt es den Ort „Franzensbad“, im italienischen Tirol ein „Franzenfeste“. Ob „Franzbranntwein“ = Einreibemittel und „Franzefuß“ = Kartenspiel auch etwas mit den Franzosen zu tun haben? Es gibt dann noch die Familiennamen „Franzen“, „“Franzke“, „Franzmann“ oder „Franzmeier“ - ein Abstammung von den Besatzern? In Ostfriesland heißen die Franzosen auch wohl „Roodbüxen“, weil sie eine rote Hose trugen, und auch scherzhaft „Poggenfreter“ - in Frankreich sind Froschschenkel eine Delikatesse.
Kaum hatte Napoleon mit seinem mächtigen Heer Moskau erreicht, als er auch schon zum Rückzug gezwungen wurde. Teils war es der russische Winter, teils die zusammengerotteten Russen und Preußen, die den Franzosen empfindliche Verluste zufügten. Es begannen die sogenannten Befreiungskriege, die einen vorläufigen Höhepunkt in der Völkerschlacht von Leipzig (Oktober 1813) fanden.
Ostfriesland und das Emsland waren weit vom Schuss. Erst im November erfuhr man hier von der Niederlage Napoleons. Noch galt die französische Ordnung, als am 08. November 1813 fremdaussehende Reiter in Aurich einritten. Es waren Kosaken, die im Schloss den Präfekten gefangennahmen. Ohne Gegenwehr wurde Ostfriesland von der Gewaltherrschaft befreit. Am 12. November setzten die letzten Franzmänner bei Leerort über die Ems - am gleichen Abend noch sprengten weitere Soldaten von Loga in Richtung Leer. Es waren preußische Husaren. Auf dem Felde an Leda und Ems lagerten inzwischen 1.800 Kosaken, darunter Kalmücken, die, bewaffnet mit Pfeil und Bogen, ein besonderes Bild für die Bewohner boten. Eine Gruppe der Kosaken unter dem Obristen Fürst Lapuchin brachte die Kunde der Befreiung nach Emden. Andere, mehrere hundert, setzten über die Ems und verjagten die Franzosen aus dem Rheiderland und dem Groningerland. In Weener ließen die Douanen nicht nur das Kontorschild (hängt im Heimatmuseum Weener - Bild Seite 29), sondern auch eine Geldkassette zurück.
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Niederlage Napoleons, Franzosen von Kosaken gejagt
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Frankreich lag sterbend am Boden. Auch die Zuckungen des totkranken Kaiserreiches nützten nichts. Nicht einmal die Rückkehr Napoleons aus der Verbannung von der Insel Elba brachten einen Gewinn. In der Schlacht von Waterloo 1815 war das Schicksal des „Kaisers von Frankreich“ endgültig besiegelt - nicht aber das Schicksal Frankreichs.
In Wien stritten sich die Völker neun Monate lang um das Erbe EUROPAs. Für das nordwestliche Gebiet zwischen Weser und Ems gab es ein Tauziehen vor allem zwischen Preußen und Hannover. Vorgeschlagen wurde auch ein selbständiger Staat „Nordgermanien“ oder „Austrasien“. Dänemark meldete Ansprüche auf Ostfriesland und Meppen an. Sogar Zar Alexander I. von Rußland zeigte Interesse an dieses zähe Volk, das den Franzosen immer wieder Paroli geboten hatte. Schließlich, im Frühjahr 1815 kam der Durchbruch und damit die Einigung. Ostfriesland, Lingen, Meppen, Bentheim, Rheina-Wolbeck und die Kirchspiele Schepsdorf, Emsbüren und Salzbergen wurden dem Königreich Hannover zugeordnet. Die Ostfriesen erfuhren von diesem „Handel“, als eine ostfriesiche Abordnung, nämlich Graf Carl von Wedel aus Loga, Kaufmann Abegg aus Emden und Gutsbesitzer Arends aus Bingum den König von Preußen, Friedrich Wilhelm III., in Paris aufsuchten. Am 15. Dezember 1815 übergab ein preußischer Abgeordneter in Anwesenheit der ostfriesischen Stände und Männern aus dem Harlingerland im Auricher Schloss die Provinz Ostfriesland an „Seine Majestät Georg III., König von England und damit auch König von Hannover und, und ...“ . In seinem letzten Aufruf an seine geliebten Vasallen, den Einwohnern Ostfrieslands, betont Friedrich Wilhelm III. von Preußen u.a., dass die wechselseitigen Handelsbeziehungen und der freie Verkehr zwischen dem Preußischen Staat und Ostfriesland sichergestellt seien.
Wenn auch die Ostfriesen nie gute Engländer oder Hannoveraner wurden und das Preußenherz weiter fortglühte, so musste das „hannoversche Sibirien“, wie das Emsland und Ostfriesland genannt wurden, noch bis 1866 auf ihre „Befreiung = Annection“ durch Preußen warten.
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Kleine Staaten um Hannover
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EUROPA 1815
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ENDLICH! Es ist geschafft.
Diese Homepage ist nun auch als Buch mit dem Titel
ZOLL UND GRENZE IM WANDEL DER ZEIT
erschienen. Es hat die ISBN Nr. 9783 8370 9550 0, hat 424 Seiten, davon 45 farbig
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Johann Beerens Freier Journalist und Buchautor Am Ehrenmal 1 26802 Moormerla nd-Tergast
Ich habe gestern mein Buch Nr. 124605 zum Druck freigegeben. Nun erscheint auf meinem Desktop im Hintergrun d das Cover des Buches groß, aber fast unlasbar. Das muss da wieder weg. Wie mache ich das?
Mit freundliche n Grüßen
Johanna Beerens, Tergast
jbtergast@t-online.de
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