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Auf dem Weg nach EUROPA - Zoll und Grenze im Wandel der Zeit
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Auf und ab - mal gut, mal schlecht
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Welch' eine Zeitepoche!
Welch' eine Veränderung der Staaten und der Grenzen!
Welch' eine Erneuerung des europäischen Kontinents!
Welch' ein Hervorbringen geistiger, technischer
und militärischer Größen und Genies.
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In Paris tritt Georges Jacques Danton auf und reißt durch seine revolutionären, radikalen und zündenden Reden den Pöbel mit zum Sturm auf die Bastille (17. Juli 1789). Seine Mitstreiter sind Napoleon Bonaparte und Maximilian Robespierre. Danton wird 1794 von Letzterem durch die Guillotine vom Leben zum Tode befördert. Robespierre muss noch im gleichen Jahr seinen Kopf unter das Fallmesser halten. Die Revolution in Frankreich forderte seine Opfer. Napoleon nutzte die Stunde und ernannte sich selbst 1804 zum Kaiser der Franzosen.
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In Wien stehen die Stöpkes Josef Lanner und Johann Strauß mit ihren Geigen auf der Straße und spielen eine neue Musik, den Walzer. Lanner wurde der Meister des Walzers überhaupt, Johann Strauß (Vater) Hofballdirektor. In Königsberg schreibt Immanuel Kant die Kritik der reinen Vernunft und philosophiert über die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft. In Weimar treffen sich Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller, geben sich gegenseitig in ihrer melancholischen Verfassung Mut und Kraft zum Weiterschreiben. Schiller verfasste die Trilogie „Wallenstein“ sowie die Stücke „Maria Stuart“ und „Die Jungfrau von Orleans“, bei Goethe entstand „Götz von Berlichingen“,“Faust“ und viele andere Dichtwerke. Friedrich Hölderlein verfasst seine „Vaterländischen Gesänge“, Heinrich Kleist „Erdbeben in Chile“ sowie „Michael Kohlhaas“ und vieles mehr. Er begeht mit seiner Freundin Henriette Vogel im Berliner Wannseewald Selbstmord. Franz Josef Haydn komponiert „Gott erhalte Franz, den Kaiser“, Friedrich Freiherr von Humboldt denkt über „Ideen zu einem Versuch die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen“ nach und Alexander Sergejewitsch Puschkin stützt die Regierung unter dem russischen Kaiser Alexander I. Pawlowitsch mit zahlreichen Nationaldichtungen.
Staatsmänner wie Klemens Lothar Fürst von Metternich, Friedrich II. von Preußen, Kaiser Franz II. von Österreich, Alexander I. Kaiser und Zar in Rußland und nicht zuletzt die Familie Bonaparte = Josef, König in Spanien; Ludwig König in Holland; Lucien Königin in Canino, Elisa Großherzogin von Toskana; Jerome, der König „Lustik“ von Westfalen und Napoleon I. Kaiser von Frankreich krempelten das europäische Festland durch Intrigen, Feindschaft, Krieg, Friedensschlüsse und wieder Krieg in seinen politischen Machtblöcken, gewachsenen Grenzen und zivilisiertem Leben völlig um. Auch wenn Francisco des Goya neben seiner „Nackten Maja“ vor allem abschreckende Kriegsbilder malte, auch wenn Friedrich Casper David seine düsteren, von Melancholie geprägten Gemälde schuf - sie konnten damit das Kriegsgeschrei vom Atlantik bis in die russischen Ebenen, vom Nordkap bis über das Mittelmeer nach Ägypten nicht übertönen und verwischen.
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In Amerika nutzt der Techniker Robert Fulton die Erfindung der Dampfmaschine durch James Watt. Er baut die Maschine in Schiffe ein, die dann ohne Segel fahren können. Fulton versucht, Napoleon von seinen neuen windunabhängigen Schiffen zu überzeugen, wird jedoch abgewiesen. Das Bankhaus Meyer Amschel Rothschild beherrscht durch seine Filialen in vielen Städten EUROPAs, davon die größten in London und Paris, das gesamte Finanzwesen um die Jahrhundertwende. In der Schweiz gründet Johann Heinrich Pestalozzi ein Waisenhaus. Er sammelt die Kinder auf, die bei einer Schlacht um Stans übriggeblieben und deren Eltern im ungleichen Kampf umgekommen sind. Pestalozzi wird zum Begründer des allgemeinen Schulwesens überhaupt.
Ludwig von Beethoven hat es in Wien nicht leicht. Nur weil er aus Bonn, dem linksrheinischen Frankreich, kommt, wird er als Revolutinär, Napoleonist oder sogar Spion für Frankreich abgestempelt. Der leidende, lebenshungrige, freiheitliebende Beethoven komponiert in Wien seine c-Moll-Sonate Opus 13 „Pathetique“.
Generale und Admirale, Feldherren und Heerführer werden in solchen Zeiten zu Genies und müssen ihr Können oft mit dem Leben bezahlen. Gebhard Leberecht von Blücher, der „Marschall Vorwärts“ hatte erheblichen Anteil am Sieg nach der Schlacht bei Leipzig und bei Waterloo. Gerhard von Scharnhorst versuchte eine Heeresreform und führte die allgemeine Wehrpflicht ein. Er wurde in der Schlacht von Groß Görschen verwundet. Graf August Neidhardt von Gneisenau verteidigte als preußischer Generalfeldmarschall die Festung Tilsit. Horation Viscount Nelson, Admiral der englischen Kriegflotte und Liebhaber von Lady Hamilton, schlug die Armada der Franzosen und musste dabei selbst sein Leben lassen.
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v.l.n.r.: Danton, Robeoierre, Puschkin, Schiller, Goethe, Casper David Friedrich, Haydn
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Robert Fulton, Horation Nelson, Lanner, von Goya, Metternich, Gneisenau, Blücher
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Die französische Revulotion mit der Erstürmung des Bastille am 14. Juli 1789 brachte den ganzen EUROPAeischen Kontinent in ein politisches Erdbeben. Die Kleinstaaterei, die bis dahin Könige, Herzöge, Fürsten und Grafen auf der einen Seite; Erzbischöfe, Bischöfe, Äbte und Priester auf der anderen Seite das Recht gaben, Gesetz und Ordnung nach eigenem Gutdünken zu handhaben, schmolz dahin. Österreich, Frankreich, Preußen, Rußland - Großmächte entstanden, bildeten und verwarfen Allianzen, führten Kriege und feilschten um ihre Ländereien. Wie Tennisbälle wurden einzelne Provinzen oder Bistümer hin und her geworfen, verschenkt, eingenommen, weitergegeben, im Tausch zugeeignet oder abgetreten. Friedensverträge wurden geschlossen und gebrochen, offizielle und geheime Absprachen galten nur solange, wie es einem der Partner gefiel. Wie auf einem Schachbrett wurden die Figuren = Provinzen, Bistümer, Landstriche= bewegt und je nach Stärke des Gegners oder Wunsch der Mächte in Besitz genommen oder gestürzt.
Im Westen des Münsterlandes (Bistum Münster außer den preußischen Enklaven Lingen und Tecklenburg) und des preußischen Ostfrieslands breitete sich von Flandern bis zur Nordsee die Republik der vereinigten Niederlande aus. In den Revolutionskriegen wurde Holland von General Pichegrü eingenommen und zur Batavischen Republik erklärt (1795). Die Batavische Republik wurde 1806 unter dem Bruder Napoleons Ludwig zum Königreich erhoben und 1810 dem Kaiserreich Frankreich einverleibt.
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Die Wellen der Revolution breiteten sich aus wie die Wellen nach einem Steinwurf ins Wasser. Sie schwappten, hier weniger, dort mehr, über und erreichten auch den äußersten Zipfel des Kontinents. Die Grenze Frankreichs wurde bis an den Rhein verlegt, die Batavische Republik beanspruchte das Gebiet linksseits der Ems. Damit waren Preußen und England/Hannover selbstverständlich nicht einverstanden, zumal kein befriedigender Landaustausch angeboten wurde. So bekamen das Emsland und vor allem auch das Rheiderland Ende des 18. Jahrhunderts die Ausläufer der Revolution zu spüren.
Die Alliierten konnten den französischen Truppen unter Pichegrü und Jordan nicht standhalten. Ihr englischer General York überließ das Kommando dem General von Walmoden, der immer mehr zu einer rückgängigen Bewegung gezwungen wurde. Im Winter 1795 begünstigten Frost, Schnee und Kälte den Vormarsch der Franzosen. Engländer, Hannoveraner, Emigranten aus Frankreich und Holland, Braunschweiger und Hessen - ihr Rückzug ging einigermaßen geordnet zu. Von Bentheim aus wurden die Verwundeten bis Meppen transportiert, in den beiden Kirchen, in Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden sowie bei Privaten untergebracht und halbwegs notdürftig versorgt, bis sie weiter nach Emden verlegt werden konnten.
Viele Soldaten starben an ihren Verletzungen. Sie wurden in Meppen an der Südseite des Kirchhofes in Massengräber beigesetzt. Einer der Totengräber - so wird erzählt - soll besonders rabiat gewesen sein. Er beraubte die Toten und zog ihnen sogar die Kleider aus. Als ein Elsäßer namens Brandt vom Arzt für tot erklärt wurde und schon in der Fuchtel des Totengräbers war, rief Brandt mit brechender Stimme: „Ich bin nicht tot, lass mich doch!“ „Kerl, halts Maul,“ entgegnete der Totenschänder sarkastisch,“willst Du es besser wissen als der Doktor?“ - Der Meppener Arzt Michael Vagedes half den Scheintoten, der bald darauf gesund in seine Heimat zurückkehren konnte.
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Die Truppenbewegungen brachten den Einwohnern keinen Verlust wie sonst im Krieg üblich. Im Gegenteil, die Versorgung mit Futter für die Tiere und Essen für die Truppen klappte in der ersten Zeit vorzüglich und wurde gleich bar bezahlt. Dafür sorgten die Engländer, die Schiffe mit Geld über die Ems landeinwärts brachten. Die emsländischen Schiffer und Fuhrleute verdienten ebenfalls ganz gut, wenn sie Getreide und andere Güter von Ostfriesland bis nach Meppen überführten. Und nicht wenig verdienten die Schiffsbauer in Papenburg, die Handelsleute in Leer und Emden, die Zulieferer aus den Dörfern und Flecken entlang von Ems, Leda und Hase.
Die Engländer zogen, dem Druck nicht mehr gewachsen, nach Ostfriesland. In Neuschanz, Bonnerschanz und Leeteschanz stellten sie sich dem aus Groningen anrückenden Feind entgegen. Vergeblich! Nach schweren und verlustreichen Gefechten zogen sie sich über die Ems zurück. Der französische General Jourdan rückte nach und schlug mit 2.100 Mann sein Quartier in Weener auf. Viele Übergriffe der republikanischen Besetzer wurden gemeldet. Diese hatten sich in der Festung Bourtange festgesetzt und schweiften über das Bourtanger Moor in die neuen Siedlungen Neurhede, Neudersum und Neusustrum bis an die Ems nach Dersum, Walchum und Landegge. Die Alliierten befürchteten im Frühjahr 1795 den weiteren Vormarsch über die Ems bis an die Weser und vielleicht noch weiter, als endlich ein Aufatmen erfolgte. Wie sagte doch Goethe in seinem Bericht über die Campagne in Frankreich: “Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, und ihr könnt sagen, ihr seid dabei gewesen.“ In Basel hatten Preußen und Franzosen am 05. April 1795 einen Frieden geschlossen. Die Republikaner zogen sich von der Ems zurück. Die englischen Schiffe verschwanden von dem Fluss. Die Truppen der Koalition, bis dato immer Gewehr bei Fuß, Pferde geschirrt und Wagen gepackt, rückten ebenfalls ab.
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Zum ersten Mal wurde durch den preußischen General Blücher im Mai dieses Jahres eine Grenze, die sogenannte Demarkationslinie, markiert. Diese verlief von der Mündung der Ems durch das Bourtanger Moor bis nach Münster, am Rhein bis Duisburg, schloss die Oberpfalz, Bayern und Böhmen ein und endete in Schlesien. Später wurde die Linie erweitert und die Nordseeküste, die Mündungen von Elbe, Weser und Ems sowie die Insel Borkum mit einbezogen. Zur Absicherung der Grenze wurden Anspachische Jäger nach Meppen und Aschendorf verlegt, die im Laufe der Jahre bis 1802 von Blücherschen Husaren, Füselier-Kompagnien und Leibkürassieren abgelöst wurden. Die Grenztruppen lagen in vielen Dörfern des Hümmlings und an der Ems.
Preußen hatte sich laut Basler Vertrag von der EUROPAeischen Koalition getrennt und wurde neutral. Das wirkte sich vorteilhaft in Ostfriesland und Emsland aus, besonders auf und an der Ems. Der Handel auf dem Wasserweg mit England und Holland und sogar mit Frankreich unter neutraler preußischer Flagge blühte. Die Ems „bedeckte“ sich mit Schiffen aller Nationen; die Städte Meppen und Papenburg wurden Stapelplätze für den deutschen Kontinent: in Weener, Leer, Emden und einigen Emsanliegerflecken entwickelte sich ein emsiges, kaufmännisches Treiben. Die Landwirtschaft konnte sich nach Abzug der Truppen voll entfalten, produzierte Hafer, Gerste, Weizen, Bohnen und Erbsen in Überfluss. Vieh- und Pferdezucht wurde ungestört und vor allem ohne größere Abgabenlast betrieben. Die Folge: Große Schiffsladungen wurden nach England, Frankreich, Spanien, Portugal und anderen Nordseeanrainer-Staaten verkauft. Auch wurde nach Bremen und Hamburg geliefert, von wo aus die Waren ins Inland weiterverkauft wurde.
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Zahlen sprechen für sich: Um das Jahr 1800 lieferte Ostfriesland jährlich etwa 250 Mastochsen, 4.600 gewöhnliche Ochsen, 2.000 Kühe und für 337.500 Gulden Pferde ins Ausland. Außerdem wurden für 108.000 Gulden Butter, für 35.100 Gulden Käse, 1.575 Tonnen Weizen, 9.240 Tonnen Gerste und Weizen, 1.920 Tonnen Bohnen und Erbsen, 1.755 Tonnen Rapssamen und 135 Tonnen Buchweizen ausgeführt.
Doch nicht nur das: Die meisten Ostfriesen hatten Arbeit. Alleine 10% fanden ihr Auskommen in Manufakturen. Außerdem wurde Ton zu Ziegelsteinen, Getreide zu Branntwein und Bier, Gerste zu Grütze und Grauben, Muschelschalen zu Kalk, Flachs zu Garn und Leinen, Häute zu Leder und Wachs zu Kerzen verarbeitet. Nur ein Beispiel: in dem Flecken Jemgum gab es um die Jahrhundertwende 27 Kauf- und Handelsleute, sechs Acker- und Fuhrleute, ein Apotheker, sieben Bäcker, zwei Barbiere und Wundärzte, drei Bierbrauer, zwei Branntweinbrenner, ein Fischer, drei Gastwirte, ein Goldschmied, eine Hebamme, drei Kalkbrenner, ein Knopfmacher, ein Kupferschmied, acht Leineweber, ein Arzt, drei Müller, zwei Radmacher (Stellmacher), ein Sattler, fünf Schiffer mit je einem Knecht, drei Grobschmiede, 15 Schneider, 15 Schuhmacher, zwei Strumpfwirker, drei Uhrmacher, 11 Zimmerleute mit 12 Gesellen, 15 Zwirnfabrikanten mit 15 Gesellen und 63 Jungen. Im Jahre 1803 produzierten die Manufakturen in Ostfriesland einen Wert von 453.624 Reichsthaler, davon wurden 64 % verbraucht, 36 % dienten der Ausfuhr.
Selbstverständlich profitierten in erster Linie die Schiffer und Seefahrer von dieser Expansion. In Papenburg ging es mit dem Schiffbau sprunghaft bergauf. Am meisten gefragt waren Kuffs und Schmacks, womit man auch auf hohe See fahren konnte. Daneben wurden für Fluß- und Küstenfahrt Tjalks, Mutten und kleinere Einheiten gebaut. Es gab in dieser Friedenszeit bis zu 19 Schiffszimmerwerften mit ca. 400 Beschäftigten in der Kanalstadt. Jährlich wurden um die sechszig Schiffe abgeliefert und in Dienst gestellt.
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Emden wurde zum wichtigsten Hafen an der Nordseeküste. Weil die ostfriesischen und emsländischen Schiffe unter neutraler Flagge fuhren, hatten sie freie Fahrt auf allen Weltmeeren, wurden weder von den Engländern noch von den Franzmännern gekapert. Dagegen blockierte die englische Flotte alle Zugänge zu Häfen der Batavischen Republik, so dass holländische Kaufleute, Kapitäne und Schiffer nach Ostfriesland auswanderten und hier ansässig wurden. Dadurch erwarben sie das Recht, auch neutral segeln zu dürfen. Als England danach auch noch die Mündungen der Jade, der Weser und der Elbe sperrte, siedelten die Kaufleute und Schiffer aus Bremen, Hamburg und den anderen Flussstädten ebenfalls nach Ostfriesland über, um hier die Handelsfreiheit auszunutzen. Kein Wunder, dass der Emder hafen, inzwischen im vorgelagerten Nesserland neu angelegt und durch einen Kanal mit der Stadt bis zum ehemaligen Delft verbunden, einem Wald aus Schiffsmasten glich. Viele Schiffe mussten sogar auf Reede vor Emden warten, bis ein Liegeplatz frei wurde. Waren es 1784 nur um 500 beladene ein- oder auslaufende Schiffe, so waren es 15 Jahre später schon 1.000 und im Jahre 1805 sogar 1595 beladen einlaufende und 1916 beladen auslaufende Schiffseinheiten. Davon kamen eins aus China, 32 aus Häfen am Mittelmeer (Italien und Spanien), eins aus Buenos Aires, 9 aus Westspanien, 62 aus Amerika und die übrigen aus England, Frankreich, Holland, Norwegen, Dänemark, Schweden, Rußland und den preußischen Häfen an der Ostsee. Ausfuhren gab es nach Ostindien, Nordamerika, Batavia, Südamerika, Westindien, den britischen Inseln und den Mittelmeer-, Nordsee- und Ostsee-Anrainerstaaten. In Papenburg wurden 1806 376 Schiffe abgefertigt, davon nur 90 Papenburger.
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Den Menschen in Ostfriesland ging es sehr gut. Sie verdienten reichlich, Arbeitslosigkeit gab es nicht, oft mussten noch Fremdarbeiter eingesetzt werden, z.B. in der Erntesaison, in den Ziegelfabriken oder beim Bau der Deiche und der Poldergewinnung. Allerdings, große Sprünge konnten die Menschen nicht machen, denn die Preise waren im Verhältnis zu den Löhnen sehr hoch. Der Wochenlohn eines Landarbeiters oder eines Zimmermanns überstieg selten 30 Stüber, das war gerade etwas mehr als ein Reichsthaler. Ein Pfund Tee kostete 144 Stüber, 1 Pfund Kaffee geröstet 44 Stüber, 1 Pfund Rindfleisch 5 Stüber, 1 Pfund Butter 11 Stüber, eine Strumpfhose 162 bis 183 Stüber und das Briefporto von Leer nach Bremen 4 Stüber, um nur einige Beispiele zum Vergleich aufzuführen. Und doch, die Ostfriesen hatten noch nie so gut gelebt.
Ein Zeitgenosse kam zu folgendem Ergebnis: „Wie ganz anders sind die Menschen als vor 50 oder 100 Jahren. Wieviel Bedürfnisse ausgesuchtester Weichlichkeit sind in allen Häusern zu finden. Welche Veränderungen in Moden und Gebräuchen, in Häusern, Möbeln, Kleidern, Speisen, Getränken und Freuden des Lebens. Die Weine, die Gewürze, der Kaffee, der Tee und wie die Beförderungsmittel der Erschlaffung des Menschengeschlechts weiter heißen mögen, zeugen davon.“
Und von den Emsländern heißt es: „Das Geld, das über verschiedenen Kanälen dem Emslande zuströmte, äußerte bald außer den vorteilhaften auch seine schändlichen Folgen. Mit den Reichtümern wanderte ein gewisser vornehmer Ton und Takt ein, verdrängte die alte Einfachheit des Hauses und des Mahles. Die öffentliche Genußsucht durchbrach die Schranke alter Zucht und Ordnung. Die Klasse der Hand- und Tagewerker bei ungewöhnlichem Verdienst ward übermütig und mancher, welcher in die Reihe der Kaufleute dringen wollte, sank bei seinem törichten Unternehmen in früheres Dunkel zurück.“
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In Paris ging es inzwischen drunter und drüber. Die Revolution hatte viele gegenseitig interessierte Kräfte mobil gemacht. Royalisten, Republikaner, Jakobiner, Babeufisten - wie die Gruppen auch alle hießen - miteinander, gegeneinander, nebeneinander. Eine neue Verfassung entstand, die wieder verworfen und schließlich doch in Kraft trat. Man besann sich eines Brigadegenerals, der jetzt als kleiner Beamter irgendwo topographische Zeichnungen und Karten herstellte. Napoleon Bonaparte, umsichtig und vorausdenkend, warf einen Putsch der Babeifisten nieder und war des Held des Tages.
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Der General reihte dann Sieg an Sieg, stürmte die schon verlorenen Städte in Italien und der Lombardei, wollte in Nordafrika und Ägypten noch mehr Ruhm ernten. Obgleich von der englischen Flotte abgeschnitten, gelang es Napoleon, nach Paris zurückzukommen, wo er wiederum als Held gefeiert wurde. Durch einen Staatsstreich wurde er 1799 Erster Konsul des Landes und als solcher 1802 durch eine Volksabstimmung bestätigt. Am 18. April 1804 wurde er als Kaiser der Franzosen gekürt - zum Schein sollte Papst Pius VII. ihn im Herbst des Jahres feierlich krönen. Doch er selbst nahm dem geistlichen Würdenträger die Krone aus der Hand, die er sich dann selber aufsetzte. Im Mai 1805 wurde Napoleon dann auch noch König von Italien.
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*****Napoleon I. von Frankreich will Herr über das ganze EUROPA werden. Er muss England erobern und bereitet die Invasion auf die Insel vor. Ein Fehlmanöver seiner Flotte zwingt ihn zur Aufgabe des Planes. Er lässt noch am selben Tag aufmarschieren in Richtung Osten. Zwei Monate später wird die französische Flotte vernichtend bei Trafalger geschlagen, wobei der eigentliche Sieger, Admeral Nelson, von einer französischen Kugel getroffen, sein Leben lassen muss.*******
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Napoleons Truppen marschierten durch Bayern und Böhmen, schlugen bei Austerwitz das österreichische Heer und bei Jena die Preußen. In Rußland hatte Kronprinz Alexander seinen Vater durch einen Putsch abgelöst. Zar-Kaiser Alexander I. schloss zu Tilsit einen Frieden mit Napoleon, wobei auch Preußen seine Besitzungen links der Elbe abgeben musste. Außerdem schloss sich Rußland der Kontinentalsperre an, die Frankreich schon Anfang 1806 eingeführt hatte.
Diese Veränderungen blieben in Ostfriesland und dem Emsland selbstverständlich nicht ohne Folgen. Konnte man bis dato in Frieden und Freiheit leben, so folgte jetzt eine Zeit voller Opfer und Entbehrungen. Der blühende Handel fiel in sich zusammen, die Schiffahrt wurde lahm gelegt, Ackerbau und Viehzucht kam wegen der Absatzschwierigkeiten zum Erliegen.
Dabei hatte das Jahr 1806 noch recht optimistisch angefangen. Es herrschte emsiges Treiben in allen Häfen an der Ems. Die Kaufleute hatten die Winterruhe ausgenutzt, um neue Verträge abzuschließen. Die Schiffe wurden für die neuen Fahrten seeklar gemacht, neu ausgerüstet und beladen. Im Frühjahr, als die Ems vom Eise befreit war, hievten die Schiffer ihre Anker. Aus allen Häfen sah man die weißen und braunen Segel aufleuchten. Wieder wimmelte die Ems voller stolzer Briggs und Schoner und Kuffs und Schmacks und Tjalks.
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Was Kapitäne und Kaufleute an der Ems nicht wussten: Preußen hatte mit Frankreich einen noch geheimgehaltenen Vertrag abgeschlossen. Alle Häfen, und dieses Mal auch die an der Ems, sollten den englischen Schiffen verschlossen bleiben. Erst als die ostfriesische Flotte ihre Fahrten angetreten hatten, kam die Anordnung der preußischen Regierung: KEINE ZULASSUNG ENGLISCHER SCHIFFE IN OSTFRIESISCHEN HÄFEN. England reagierte auf diese feindselige Handlung mit der Schließung der Emsmündung durch eine Armada von Kriegsschiffen, mit dem Aufbringen aller unter preußischer Flagge fahrenden Schiffe auf See und mit der Beschlagnahme aller preußischen Schiffe in englischen oder irischen Häfen.
Verträge wurden von Napoleon nur solange gehalten, wie sie für ihn nützlich waren. Als sich die preußischen Truppen ihn auf seinem Vormarsch nach Osten in den Weg stellten, war alles vergessen. Nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt verließen die letzten preußischen Soldaten Ostfriesland. Die Provinz war ohne militärischen Schutz. Preußen war verloren. Jetzt war es Frankreich, das noch die übriggebliebenen Schiffe aufbrachte und beschlagnahmte.
Diese wechselnden Kriegsereignisse gingen auch an Papenburg nicht spurlos vorüber. Während der Blütezeit hatten auch viele Holländer in das neutrale Emsland übergesiedelt. Von hier aus konnten sie den Seehandel weiterbetreiben. Dazu gebrauchten sie allerdings den hannoverschen Seepass, den man sich auf Umwegen besorgte. Es artete regelrecht zu einem Passschwindel aus. Von den 376 Schiffen, die 1806 in Papenburg registriert waren, gehörten nur 90 tatsächlich Papenburger Reedern.
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Zuerst durch England, dann durch Frankreich gingen fast alle Papenburger Schiffe durch diese unseligen englisch-französische Feindseligkeiten verloren. Laut einer Liste vom März 1809 lagen folgende Schiffe fest: DIANA mit Kapitän H. Dirks in Rochefort; MERCURIUS mit Kapitän Cl. D. Stuurmann in de Sutters; FORTUNA mit Kapitän J.Th. Wagener in La Tremplade; DE ENIGHEID mit Kapitän H.H. Dreyer in Marennes; AURORA mit Kapitän R.J.Poelmann in La Tremplade; APOLLO mit Kapitän Jan Strack in Marennes; St JOHANNES mit Kapitän J.J. Rieke in Rochefort; DE WAAKSZAMKEED mit Kapitän G. Roskamp in Bordeaux. Außerdem lagen noch fünf Schiffe, beladen mit Salz, in La Tremplade, die jedoch nach kurzer Zeit wieder freigelassen wurden. Frei kamen auch die Kuff ALEXANDRIA, die mit einer Weinladung auf der Reise nach Tönning von englischen Kaperern vor Vlissingen genommen war, und das mit Salz beladene Kuffschiff MARIA THERESIA in Amsterdam. Zwei in Delftzijl aufgebrachte Schiffe konnten später ihre Fahrt fortsetzen.
Wie viele Tragödien sich in dieser Zeit abspielten, ist wohl kaum vorstellbar und auch nicht zu beschreiben. Da wurden Familien auseinander gerissen. Viele Seeleute kamen erst nach Jahren - wenn überhaupt - wieder nach Hause. In den fremden Häfen hatten Schiffsführung und Besatzung unter der Fremdherrschaft zu leiden. Krankheiten, Hunger, Heimweh tilgten an der Substanz und an der Bereitschaft, auszuharren und durchzuhalten. Viele Matrosen wurden gezwungen, auf den englischen oder französischen Kriegsschiffen Dienst zu tun. Andere Besatzungsmitglieder versuchten sich per Pedes nach Hause durchzuschleppen. Wieder andere verbrachten wegen Nichtigkeiten verurteilt Monate und Jahre in Gefängnissen.
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In der Heimat verloren Reeder, Schiffseigner und -partner, Kaufleute und die zuliefernden Handwerker, Bauern und Arbeiter ihre Existenz. Im Jahre 1817 bittet der einst reiche und einflußreiche Geschäftsmann Marchès aus Emden den König von England für sich und zwei verwitweten Verwandten um eine kleine Pension. Sein Haus hatte 1806 durch die englischen Kaperer mehrere Schiffe im Wert von mehr als 400.000 Gulden und durch Stillegungen nochmals 330.000 Gulden verloren und war dadurch unverschuldet ruiniert worden. Ein Einzelfall? Beileibe nein - nach Napoleon herrschte in Ostfriesland und dem Emsland große Not, wovon die Region sich erst mit den Jahren erholen konnte.
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ENDLICH! Es ist geschafft.
Diese Homepage ist nun auch als Buch mit dem Titel
ZOLL UND GRENZE IM WANDEL DER ZEIT
erschienen. Es hat die ISBN Nr. 9783 8370 9550 0, hat 424 Seiten, davon 45 farbig
und kostet 32,80 €.
Zeitungen/Redaktionen bestellen ein kostenloses Exemplar bei www.bod.de/rezensionsexemplar
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Johann Beerens Freier Journalist und Buchautor Am Ehrenmal 1 26802 Moormerla nd-Tergast
Ich habe gestern mein Buch Nr. 124605 zum Druck freigegeben. Nun erscheint auf meinem Desktop im Hintergrun d das Cover des Buches groß, aber fast unlasbar. Das muss da wieder weg. Wie mache ich das?
Mit freundliche n Grüßen
Johanna Beerens, Tergast
jbtergast@t-online.de
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